# taz.de -- Hohe Spritpreise: Lkw-Streiks in Italien sorgen für leere Supermarktregale
       
       > Leere Fleisch- und Fischregale, überteuerte Tomaten und Millionenverluste
       > bei Mozzarella-Produzenten: In Italien blockieren Trucker Straßen, Häfen
       > und Raffinerien.
       
 (IMG) Bild: Straßenblockaden wie diese in Palermo am 20. Oktober 2026 behindern die Lieferketten auf Sizilien und in Süditalien
       
       Supermärkte in Neapel sehen aus, als seien sie geplündert worden: Vor allem
       Obst- und Gemüseregale sind leer. Auch Fleisch, Fisch und Milchprodukte
       fehlen völlig. Und in jenen kleinen Obstläden, die noch Ware haben,
       schießen die Preise in die Höhe. Ein Kilo Tomaten kostet zum Beispiel 10
       Euro.
       
       Tatsächlich geplündert – wie am vergangenen Wochenende in Frankreich –
       wurden die Supermärkte allerdings nicht. Zwar hatte es auch in Italien
       teils gewalttätige Proteste von Jugendlichen gegeben. Doch die leeren
       Supermarktregale haben einen anderen Grund: Bereits seit knapp zwei Wochen
       streiken in Italien Lkw-Fahrer. Begonnen hatte der Protest auf Sizilien.
       Zunächst behinderten Konvois den Verkehr, dann beteiligten sich auch Fahrer
       anderer Südregionen: in Apulien, Kalabrien, dann auch Kampanien mit der
       wichtigsten Südmetropole Neapel.
       
       Warum? Die Trucker sind erbittert über die kräftig gestiegenen Dieselpreise
       und fordern Unterstützung von der Regierung unter Giorgia Meloni, die an
       diesem Donnerstag ihr vierjähriges Dienstjubiläum feiert. Die hatte bisher
       nur warme Worte für sie: Meloni bezeichnete den Ausstand als positives
       Gegenbeispiel zu den gewalttätigen Ausschreitungen von Mailand und nannte
       ihn einen „friedlichen Protest“. Die positiven Worte dürften sich auch der
       Tatsache verdanken, dass die streikenden Trucker politisch mehrheitlich
       rechts orientiert sind.
       
       Am Dienstag zeigte die Regierung Meloni dann auch Gesprächsbereitschaft:
       Verkehrsminister Matteo Salvini, Chef der Lega und Stellvertretender
       Ministerpräsident, traf sich mit Vertreter*innen diverser
       Branchenorganisationen aus dem Speditionsgewerbe und sagte letztlich zu,
       490 Millionen Euro freizugeben, die die Regierung bereits im Mai an
       Steuererleichterungen zugesagt hatte.
       
       Die größeren Branchenverbände erklärten sich damit zufrieden, doch die
       Basiskomitees, die den Ausstand im Süden anführen, streiken weiter. Sie
       verlangen vor allem den Wegfall der Treibstoffabgabe, die bei Diesel 25
       Cent pro Liter beträgt.
       
       Also blockierten Trucker in Palermo zeitweise den Hafen. Auch
       Autobahnabschnitte und Raffinerien wurden blockiert.
       
       Die Folgen können die Italiener*innen seit Beginn der Woche jeden Abend
       in den TV-Nachrichten sehen, wenn sie sie nicht als Bürger*innen der
       Südregionen live erleben. Neben den leeren Supermarktregalen ist an
       zahlreichen Tankstellen Benzin und Diesel ausgegangen. Die städtischen
       Verkehrsbetriebe ebenso wie die Müllabfuhr von Neapel kündigten an, den
       Betrieb einstellen zu müssen. Auch diversen Flughäfen Süditaliens, von
       Palermo über Catania bis zu Reggio Calabria, sind die Kerosinvorräte
       ausgegangen.
       
       Einschneidende Konsequenzen bekommt auch die Landwirtschaft zu spüren. Die
       Großmärkte für Obst und Gemüse in Süditalien werden seit Tagen nicht mehr
       beliefert, den Landwirten entstehen so Millionenschäden. Auch die
       Produktion von Büffelmozzarella in Kampanien musste eingestellt werden:
       Weder konnte der fertige Mozzarella abtransportiert werden, noch erreichte
       Büffelmilch die Hersteller. Die Mozzarella-Hersteller beziffern ihre
       Verluste auf 3 Millionen Euro pro Tag. Doch auch Industriebetriebe klagen
       mittlerweile über Produktionsausfälle, da die Zulieferung von Teilen
       ausbleibt.
       
       Ganz gewaltfrei blieben die Proteste auch nicht: Nicht streikbereite
       Lkw-Fahrer berichten, ihnen seien von Kollegen die Reifen zerstochen
       worden. Ein Trucker sagte der italienischen Nachrichtenagentur Ansa, er sei
       gezwungen worden, eine Autobahnraststätte anzufahren. Die Weiterfahrt von
       dort sei ihm dann verweigert worden, und er fühle sich „als Geisel
       genommen“.
       
       Die Regierung reagiert auf die anhaltenden Proteste auf dreierlei Weise:
       Erstens wurden bis Donnerstagnachmittag 71 Anzeigen gegen streikende
       Trucker ausgesprochen. Zweitens eskortiert die Polizei seit Mittwoch
       Transporte von Medikamenten sowie Lebensmitteln. Drittens verabschiedete
       die Regierung am Donnerstag ein Gesetzesdekret, das die Hilfszahlungen für
       das Speditionsgewerbe ebenso wie für Landwirte auf etwa 1 Milliarde Euro
       erhöht. Und letztlich hat Verkehrsminister Salvini den
       Trucker-Basiskomitees Süditaliens zugesagt, er werde sie am 27. Oktober zu
       weiteren Verhandlungen treffen.
       
       22 Oct 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Braun
       
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