# taz.de -- Jugendliche Gewalttäter: Gewalteinbruch in die Idylle
       
       > In Potsdam gibt es nach brutalen Attacken von Jugendlichen heftige
       > Diskussionen. Die AfD versucht, daraus politisches Kapital zu schlagen.
       
 (IMG) Bild: Grenze zwischen Berlin und dem lauschigen Potsdam – die Glienicker Brücke
       
       In Potsdam hält die Diskussion über aktuelle Vorfälle von
       Jugendkriminalität an. Auch bei dem am Mittwoch [1][von der Brandenburger
       Polizei vorgestellten „360-Grad-Sicherheitszentrum“] spielte das Thema eine
       Rolle: Das neue Lagezentrum soll nicht nur Angriffe auf die kritische
       Infrastruktur und Drohnensichtungen, sondern auch Jugendgewalt im Blick
       haben, hieß es dort.
       
       Ausgelöst wurde die Debatte Ende September an einem Ort, der gefühlt, aber
       gar nicht politisch zu Potsdam gehört: in Kohlhasenbrück, einer knapp 600
       Meter langen und 200 Meter breiten Ausdehnung Berlins südlich des
       Teltowkanals, gleich am Griebnitzsee. Es ist eine lauschige und nicht
       gerade niedrigpreisige Wohngegend, deren Bebauung großteils nahtlos ins
       Brandenburgische übergeht.
       
       Dort wurden drei Potsdamer Gymnasiasten, 17 und 18 Jahre alt, nach
       Polizeiangaben von einer Gruppe von 15 bis 20 Jugendlichen angegriffen. Der
       18-Jährige wurde demnach mit dem Kopf gegen ein Auto geschlagen. Laut
       Tagesspiegel musste er tagelang auf der Intensivstation behandelt werden.
       
       Ein später veröffentlichtes Foto vom Asphalt auf der Brücke über den
       Teltowkanal zeigte noch erkennbare Blutflecken. In den folgenden Tagen kam
       es zu weiteren Überfällen, diesmal tatsächlich auf Potsdamer Stadtgebiet.
       Im Stadtteil Schlaatz wurde ein 19-Jähriger ebenfalls am Kopf verletzt und
       musste ins Krankenhaus.
       
       ## Starker Kontrast zwischen Idylle und Gewalt
       
       Es waren nicht die ersten Fälle dieser Art. Für besondere Aufregung sorgte
       offenbar der Kontrast zwischen Brutalität und der Idylle an Griebnitzsee
       und Teltowkanal. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) spricht
       davon, dass die Polizei seit 2024 vermehrt migrantisch geprägte
       Jugendgruppen als Täter ausmache. Die AfD trug das Thema [2][vorige Woche
       in den Landtag], beantragte eine Aktuelle Stunde und sah die Überfälle als
       Folge einer aus ihrer Sicht gescheiterten Migrationspolitik. Seine Heimat
       werde „zerstört und mit Fremden geflutet“, sagte der parlamentarische
       Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Dennis Hohloch.
       
       Hohloch spielte erkennbar auf ein neues, ungewohntes Bild von Potsdam an.
       Die stark gewachsene 190.000-Einwohner-Stadt galt zumindest oberflächlich
       betrachtet als idyllisch zwischen Wasser, Wald und Schlössern gelegene
       Landeshauptstadt mit allen Großstadtannehmlichkeiten, aber ohne die
       vielfältigen Probleme des benachbarten Berlins. Das war genauer betrachtet
       durchaus nicht so, doch dieses Bild scheint nun auch an der Oberfläche
       einen Riss bekommen zu haben.
       
       Laut Innenminister Redmann sind zwei mutmaßliche Hauptakteure des Überfalls
       in Kohlhasenbrück in Untersuchungshaft. In der Landtagssitzung hatte
       Redmann auch davon gesprochen, ausländische Täter nach Möglichkeit in ihre
       Herkunftsländer zurückzuführen. „Wer nach Deutschland kommt, einfach keinen
       Respekt vor Deutschland hat, dem werden wir das nicht durchgehen lassen.“
       Nach seiner Einschätzung geht es den Tätern nicht um einzelne Übergriffe,
       sondern darum, wer das Sagen auf der Straße und auf Schulhöfen habe. „Die
       Machtfrage ist gestellt, der Rechtsstaat beantwortet sie“, sagte Redmann.
       
       ## Potsdams OB: Motiv ist Machtausübung
       
       Ähnlich sieht das Potsdams parteilose, vor einem Jahr mit
       Grünen-Unterstützung [3][ins Amt gekommene Oberbürgermeisterin Noosha
       Aubel]. „Das Motiv scheint Machtausübung zu sein“, sagte sie jüngst der
       Deutschen Presse-Agentur. Sie habe sich dazu auch mit der Polizei
       ausgetauscht. Es gehe nicht in erster Linie darum, Beute zu machen und an
       Geld zu kommen, sagte Aubel.
       
       Starke Reaktionen hat währenddessen auch ein brutaler Angriff von
       Jugendlichen auf einen Schüler in Frankfurt (Oder) ausgelöst. Ein Video
       soll zeigen, wie dem Schüler, schon am Boden liegend, gegen den Kopf
       getreten wird. Tatverdächtig sind laut Polizei zehn Jugendliche zwischen 13
       und 15 Jahren mit deutscher, polnischer, russischer und syrischer
       Nationalität.
       
       Konsequenzen drohte in diesem Fall nicht allein der CDU-Innenminister an,
       sondern auch sein SPD-Vorgänger René Wilke, der seit dem Frühjahr das
       Arbeits- und Sozialministerium leitet. „Wer für Unsicherheit in unserem
       Land sorgt, kann sich nicht auf die Unsicherheit in seinem Herkunftsland
       berufen“, [4][schrieb der auf Instagram]. Er sei bereit, neue Möglichkeiten
       „zur Aberkennung eines Schutzstatus oder zur Aufenthaltsbeendigung
       konsequent auszuschöpfen“.
       
       Zu Frankfurt (Oder) hat Wilke eine besonders enge Beziehung: Er war von
       2018 bis 2025, als er Innenminister wurde, Oberbürgermeister der Stadt,
       erst als Linkspartei-Mitglied, seit 2024 als Parteiloser. Ein Sprecher der
       örtlichen Polizei sah für Frankfurt vorige Woche noch keine grundsätzliche
       Gewaltentwicklung. „Wir reden im Moment über einen Einzelfall, der sehr
       drastisch ist.“
       
       ## 500 Menschen bei AfD-Kundgebung
       
       Nach der Attacke hatte die AfD [5][in Frankfurt zu einer Kundgebung
       aufgerufen], an der sich am Dienstagabend etwa 500 Menschen beteiligten.
       Die AfD sprach von „Migrantengewalt“, die örtliche CDU kritisierte das als
       „politische Stimmungsmache“. Die Polizei prüft, ob es dabei rassistische
       Vorfälle gab. Dabei geht es auch um Äußerungen des Fraktionsvorsitzenden
       der AfD im Brandenburger Landtag, Hans-Christoph Berndt. Eine angemeldete
       Gegenveranstaltung kam nicht zustande.
       
       Von Innenminister Redmann hieß es am Donnerstag: Er halte nichts davon, den
       Migrationshintergrund der Tatverdächtigen zu verschweigen. „Wir sehen da
       schon einen Zusammenhang, der auch sicherlich darin beruht, dass
       Integration nicht so funktioniert hat, wie wir uns das alle miteinander
       gewünscht hätten.“
       
       21 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/10/brandenburg-360-grad-sichterheitszentrum-angriffe-infrastruktur.html
 (DIR) [2] https://www.parlamentsdokumentation.brandenburg.de/portal/sitzung.tt.html
 (DIR) [3] /Potsdams-neue-Oberbuergermeisterin/!6127604
 (DIR) [4] https://www.instagram.com/rene.wilke/?hl=de
 (DIR) [5] https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/10/gewalt-jugendliche-protest-aufruf-frankfurt-brandenburg.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Potsdam
 (DIR) Jugendgewalt
 (DIR) Brandenburg
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Potsdamer Park Babelsberg: Wenn Windräder schön werden
       
       Im herrlichen Schlosspark Babelsberg gilt Natur wenig, Panorama alles und
       Technik geht nur in hübscher Verpackung. Muss das so bleiben?
       
 (DIR) AfD boomt in Brandenburg: Die Uhr tickt für die Woidke-SPD
       
       Im Landtag kann die AfD nach jüngstem Umfrageerfolg vor Kraft kaum laufen.
       Ein Konzept dagegen ist bei der SPD-CDU-Regierung noch nicht zu erkennen.
       
 (DIR) Neue Umfrage in Brandenburg: Woidke sollte Platz für Wilke machen
       
       Die AfD hat die 40-Prozent-Grenze durchbrochen und könnte mit dem BSW eine
       Regierung bilden. Höchste Zeit für die SPD, Woidkes Nachfolge zu regeln.