# taz.de -- Potsdamer Park Babelsberg: Wenn Windräder schön werden
       
       > Im herrlichen Schlosspark Babelsberg gilt Natur wenig, Panorama alles und
       > Technik geht nur in hübscher Verpackung. Muss das so bleiben?
       
 (IMG) Bild: Wie wär's, wenn hier ein Windrad stünde? Schön fürs Klima und den Park?
       
       Vom Eingang Sternwarte aus führt ein Asphaltweg in den Babelsberger Park.
       Es ist quasi sein Hintereingang. Wer hineingeht, wähnt sich in einem
       Laubmischwald, kein Schlossblick, kein blumenbekränzter Pleasureground,
       kein golfrasengrünes Bowlinggreen, nur Bäume. Die Bäume stehen da, weil sie
       es müssen, nicht, weil sie es können, die eiszeitliche Endmoräne ist kein
       idealer Grund für Buchen und Eichen. Aber so ist das nun mal im
       Pflanzgeschäft, der Zweck heiligt die Baumart.
       
       Auf dem Asphaltweg geradeaus lässt es sich bequem und jeden Wetters
       sauberen Fußes in den Park spazieren. Links und rechts verwandeln [1][Dürre
       und Hitze] den dichten Laubwald Jahr für Jahr mehr in eine
       Savannenlandschaft. Zum Glück sind aber noch genügend Bäume da, um die
       Attraktion ganz am Ende des Weges einzurahmen, die nach einer scharfen
       Linkskurve und einem sanften Rechtsschwung, leicht bergauf, erreicht wird:
       die Siegessäule.
       
       Anmutig steht sie auf dem Babelsberg und blickt über Baumwipfel, Wege und
       Wiesen weit hinunter auf die Havel, seit 1866. Wer sich ihr von hinten
       nähert, vom Eingang Sternwarte, oder aber von der Nordseite, vom Schloss
       kommend, sieht sie auf den gewundenen Wegen immer wieder durch die Bäume
       blitzen, zart und zauberhaft. Geschaffen vom Bildhauer Christian Daniel
       Rauch, ließ sie der Herr des Schlossparks, König Wilhelm I., aufstellen, um
       den militärischen Sieg Preußens über die Österreicher zu feiern.
       
       Ihr zu Füßen liegt eine kleine Aussichtsplattform, von der verschiedene
       Sichtachsen den Blick über Potsdam leiten, zum Beispiel zum [2][Belvedere
       auf dem Pfingstberg], dem Brauhausberg und, aus Versehen, auch auf die
       Plattenbauten im Zentrum Ost. Dem Blick verborgen bleibt das neogotische
       Dampfmaschinenhaus an der Glienicker Lake. Ihm ist anzusehen, dass es lange
       im Schatten der Mauer stand, es ist recht runtergekommen. 1843 war es der
       letzte Schrei, verbarg es doch hinter seinen mittelalterlich anmutenden
       Mauern eine hochmoderne 40-PS-Dampfmaschine, die Wasser von der Havel auf
       den Babelsberg pumpte, um den sandigen Hügel zu begrünen.
       
       Das Gebäude „zelebrierte die zentrale Rolle der Maschine innerhalb der
       organischen Einheit von Schloss und Park“, schwärmt Norton Wise in seinem
       Aufsatz „Mit Dampfkraft und Ingenieurskunst zum blühenden
       Landschaftsgarten“. Fenster gaben den Blick frei auf Schwungrad, Kolben,
       Zahnräder. Moderne Technik und liebliche Landschaft, das ging zusammen,
       wenn es mittelalterlich verpackt war. In den Vorstellungen des
       Parkschöpfers Hermann Fürst zu Pückler-Muskau war alles Panorama,
       Perspektive, Oberfläche. Er gestaltete mit Gelände, Gebäuden und Pflanzen –
       die Natur [3][interessierte ihn dabei wenig], und damit wäre er doch, so
       scheint es, ganz ein Kind unserer Zeit.
       
       Technik darf das Klima und den Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen
       zerstören – nur das Bild der Landschaft nicht. Heimat, das ist ein
       Panorama, kein Ökosystem. Aber lassen sich Bildwelten, lässt sich ein neuer
       Blick auf Schönheit nicht trainieren? Hat nicht vielleicht irgendein
       Künstlerkollektiv Lust, der Siegessäule einen neuen Platz im Park zu
       suchen, sie zu verfremden und ihr einen anderen Sinn zu geben, auch im
       Sinne Österreichs? Auf dem frei gewordenen Platz ließe sich ein Windrad
       errichten, stolz hoch oben über der Stadt könnte es seine Flügel in den
       Wind spannen. Da würden die Besucher:innen aus der Uckermark staunen:
       Ein Windrad im Schlosspark – da geht das also auch.
       
       23 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Hitze-in-Europa/!6218452
 (DIR) [2] /Weihnachten-fuer-umme-7/!5901756
 (DIR) [3] /Aus-fuer-Verbrenner-Aus/!6222428
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Heike Holdinghausen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Kolumne Parkmöglichkeiten
 (DIR) Biodiversität
 (DIR) Potsdam
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Jugendliche Gewalttäter: Gewalteinbruch in die Idylle
       
       In Potsdam gibt es nach brutalen Attacken von Jugendlichen heftige
       Diskussionen. Die AfD versucht, daraus politisches Kapital zu schlagen.
       
 (DIR) Bündnis „Zusammen bewegen“ in MV: Aufwind für die Demokratie
       
       Mit einem Heißluftballon fährt Hans-Jörg Spies im Vorfeld der Wahlen über
       Mecklenburg-Vorpommern. Seine Botschaft: Zuhören und miteinander reden.
       
 (DIR) Wieder unterwegs im Park Babelsberg: Drinnen und draußen
       
       Warum es die Feldlerche so schwer hat, lässt sich beim Flanieren in Fürst
       Pücklers Park erahnen. Eine Rolle spielen Hundehalter und Landbevölkerung.
       
 (DIR) Zahlen des Zensus 2022: Fast zwei Millionen leere Wohnungen
       
       Trotz Wohnungsmangel gibt es laut Statistischem Bundesamt viel ungenutzten
       Wohnraum – besonders auf dem Land und in Ostdeutschland.