# taz.de -- Geldverschwendung bei der Aufrüstung: Die nationalen Süppchen sind ganz besonders teuer
       
       > Die Rüstungsbeschaffung in Europa ist alles andere als effizient, zeigt
       > eine Arte-Doku. Deutschland gibt besonders viel „stupid German money“
       > aus.
       
 (IMG) Bild: Von Rheinmetall aus Deutschland und ganz besonders teuer: Schützenpanzer Puma
       
       Wenn neun europäische Staaten Schützenpanzer von BAE Systems für 10
       Millionen Euro das Stück kaufen – warum kauft dann die Bundeswehr den Puma
       von Rheinmetall/KNDS für 21 Millionen Euro das Stück?
       
       Andreas Schwarz, SPD-Verteidigungsexperte im Haushaltsausschuss, sagt
       leicht gequält: „Dieser Panzer kommt noch aus einer Zeit, da hat man anders
       gedacht und wollte eben noch die sogenannte deutsche Goldrandlösung.“ Und –
       wer kennt es nicht – dann sind die Dinge auf ihrem Weg, und „irgendwann
       erreichen Sie einen Point of no Return. So wird es uns erklärt“, ergänzt
       Schwarz. Dann geht’s nicht mehr zurück.
       
       Allein diese Szene erklärt so vieles, was bei der europäischen Aufrüstung
       schiefläuft. Doch viel mehr noch an Material haben Harald Schumann und
       Árpád Bondy [1][für ihre Arte-Dokumentation „Viel Geld, wenig Sicherheit?
       Europa rüstet auf“] zusammengetragen. Schumann hat 2016 nach einer langen
       Karriere als Journalist bei taz, Spiegel und Tagesspiegel den europäischen
       [2][Rechercheverbund Investigate Europe] mitgegründet. Gemeinsam mit diesem
       Netzwerk befragt er im 90-Minüter „Viel Geld, wenig Sicherheit“ dutzende
       Verantwortliche aus Politik, Militär und Industrie dazu, warum Europa keine
       effiziente Rüstungsbeschaffung gelingt.
       
       Nun mögen deutsche Panzer bis zum Ukrainekrieg eher als
       Demonstrationsspielzeug gedacht gewesen sein: Sie sollten vor allem
       beweisen, was deutsche Ingenieure noch so alles können. Doch zeigt der
       Film, dass auch bei neuen Technologien vor allem nationale Süppchen gekocht
       werden. So haben mehrere europäische Länder je eigene Laserwaffen zum
       Drohnenabschießen geordert – raffinierterweise alle beim selben Konzern
       MDBA. Der kann also lauter getrennte Rechnungen ausstellen und verdient
       dadurch weit mehr, als wenn die Länder gemeinsam bestellten. In Deutschland
       ist Rheinmetall ebenfalls dabei.
       
       ## EU verliert bei jedem Euro 44 Cent
       
       Schumann befragt Andreas Schwer, Chef eines australischen Anbieters solcher
       Laserwaffen: „Wenn ein nationaler Konzern sagt, wir wollen das machen, dann
       kriegen die das auch?“ Rüstungsmanager Schwer war früher
       Rheinmetall-Vorstand. Er antwortet: „Es ist in der Tat so, dass die lokalen
       Rüstungsunternehmen unglaubliche Marktmacht haben und unglaubliche
       Lobbymacht in Berlin, Paris, London ausüben können.“
       
       Das ist nun nicht ganz überraschend. Doch müssten die europäischen Staaten
       angesichts zunehmend reizbarer Wahlpopulationen ja langsam ein Interesse
       entwickeln nachzuweisen, dass die ungeheuren Rüstungsgelder wenigstens
       kostenbewusst eingesetzt werden. Laut den Zahlen, mit denen Harald Schumann
       arbeitet, verliert die EU jedoch bei jedem Euro, den sie für Rüstung
       ausgibt, 44 Cent, weil sie sich nicht koordiniert. Rechnen Sie bitte selbst
       aus, was das bedeutet, wenn die 20 europäischen Nato-Staaten von 2025 bis
       2030 für mindestens 1,15 Billionen Euro Waffen kaufen wollen.
       
       Die viel besungenen europäischen [3][Beschaffungsinitiativen] haben dabei
       offenbar einen eher niedlichen Stellenwert. Deutschland mit dem erklärten
       Ziel, bis 2039 die [4][„konventionell] [5][stärkste] [6][Armee Europas“ zu
       haben] (Friedrich Merz), verpulvert mit Abstand am meisten. Mir drängt sich
       dazu das Wort vom „[7][stupid German money]“ auf – ein Begriff aus den USA
       über die deutsche Freude an unvorteilhaften Geldanlagen.
       
       Doch bleibt das Problem ein gesamteuropäisches – und ein ukrainisches. Im
       Film stehen irgendwo in der Nähe der Front maskierte ukrainische Soldaten
       am Waldrand und weisen freundlich darauf hin, dass Kriege demnächst
       vielleicht nicht mehr mit millionenteuren Panzern, sondern mit Drohnen
       gewonnen werden. Für 500 Euro das Stück.
       
       31 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.arte.tv/de/videos/129977-000-A/viel-geld-wenig-sicherheit-europa-ruestet-auf/
 (DIR) [2] https://www.investigate-europe.eu/de
 (DIR) [3] https://www.bmvg.de/de/aktuelles/eu-programme-safe-und-edip-staerken-europaeische-verteidigung-6053154
 (DIR) [4] https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw20-de-regierungserklaerung-merz-1064956
 (DIR) [5] https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw20-de-regierungserklaerung-merz-1064956
 (DIR) [6] https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw20-de-regierungserklaerung-merz-1064956
 (DIR) [7] https://www.stern.de/wirtschaft/stupid-german-money--studie-bestaetigt-vorurteil-gegen-deutsche-anleger-8788636.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ulrike Winkelmann
       
       ## TAGS
       
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