# taz.de -- Investitionspolitik: Wie die EU Gelder in Aufrüstung steckt
> Die Europäische Investitionsbank hat eigentlich einen Fokus auf
> Klimaschutzprojekte. Doch ihre Gelder fließen nun auch zunehmend in
> Rüstung.
(IMG) Bild: Einfahrt zum Hauptquartier der Bundeswehr-Panzerbrigade im litauischen Rūdninkai
Beim litauischen Ort Rūdninkai entsteht aktuell eine Militärbasis. Nahe der
Grenze zu Weißrussland sollen dort schon bald tausende deutsche Soldaten
stationiert werden. Finanziell unterstützt wird der Bau von der
Europäischen Investitionsbank (EIB). Sie vergab dafür einen [1][Kredit von
mehr als einer halben Milliarde Euro.] „Das ist ein Meilenstein in unserem
Engagement für die Sicherheit Europas“, sagte EIB-Präsidentin Nadia
Calviño.
Was harmlos klingt, ist ein Novum für die Bank. Die Militärbasis in Litauen
ist die erste große Investition des öffentlichen Geldhauses in Sicherheit
und Verteidigung. Im Jahr 2025 sollten insgesamt 3,5 Prozent ihrer
Investitionen in Sicherheit und Verteidigung fließen, in diesem Jahr sollen
es bereits 5 Prozent sein.
Die EIB ist so etwas wie eine Hausbank der Europäischen Union. Sie gehört
den 27 Mitgliedstaaten der EU. Ihr Zweck ist es deshalb, politische Ziele
der Union voranzubringen. Mit Geld aus dem Kapitalmarkt vergibt sie
günstige Kredite oder langfristige Garantien. Zu den Bereichen, in denen
die Bank arbeitet, gehören traditionell etwa regionaler Zusammenhalt oder
Innovation. Mit dem 2019 von der Kommission präsentierten Green Deal, der
die EU bis 2050 klimaneutral machen sollte, rückte ein anderes Feld in den
Fokus: der Klimaschutz. Die Bank nennt sich seitdem selbst „Klimabank“. Bis
2030 will sie insgesamt 1 Billion Euro in Klima und Umwelt investieren.
## Prioritäten verschoben
Seit der russischen Invasion in die Ukraine im Februar 2022 haben sich die
Prioritäten der EU jedoch verschoben, im Zentrum stehen jetzt Verteidigung
und Sicherheit. Auch die EIB soll nun dabei helfen, diese Ziele zu
erreichen. Bis vor kurzem wären Investitionen wie die in Litauen noch
undenkbar gewesen. Bis 2024 durfte die Bank im Bereich Sicherheit nur in
Projekte mit Dual-Use-Charakter investieren, bei denen der zivile Nutzen
den militärischen überwog.
Doch seitdem wurden die Regeln mehrfach angepasst und gelockert – und die
Bank darf im Verteidigungsbereich in alles außer Waffen und Munition
investieren. „Die Gründe für diese Lockerungen waren sowohl echte
Bedrohungen als auch sehr gutes, aber unehrliches Lobbying der
Waffenindustrie“, sagt Bogdan-Alexandru Chelariu von der tschechischen NGO
CEE Bankwatch Network.
## Investitionen in Einklang mit den Klimazielen
Eigentlich will die EIB ihre Investitionen in Einklang mit den Pariser
Klimazielen bringen. Im Jahr 2021 hörte sie sogar offiziell auf, in fossile
Projekte zu investieren. Tatsächlich liegt der Fokus der Bank auch
weiterhin im Bereich Klima- und Umwelt, die Prioritäten verschieben sich
aber: Von insgesamt rund 100 Milliarden Euro flossen 2025 gut 60 Prozent in
grüne Projekte.
Die Bank sei weiterhin „keine Rüstungsbank“, betonte Präsidentin Nadia
Calviño in dem Kontext. Allerdings fließen jetzt unter dem Stichwort
Sicherheit auch zunehmend Gelder in ökologisch fragwürdigere Projekte wie
Weltraumforschung und Drohnen, in Helikopter für die italienische Armee
oder in die Vertiefung des Göteborger Hafens.
Verschiedene NGOs, aber auch einstige Mitarbeitende werfen der Bank schon
länger mangelnde Transparenz vor. Die Brüssler NGO Counter-Balance kommt in
einem Bericht zu dem Ergebnis, dass die Bank zumindest indirekt noch immer
fossile Projekte unterstützt. Zudem stelle sie privatwirtschaftliche
Interessen in den Vordergrund, während wichtige Themen wie die Anpassung an
den Klimawandel zu wenig Mittel bekämen.
Die Investitionen in Sicherheit und Verteidigung widersprechen eigentlich
den Klimaambitionen. Verschiedene Studien zeigen, dass höhere
Verteidigungsbudgets und Aufrüstung auch zu steigenden CO₂-Emissionen
führen. Ein [2][Bericht] der Organisation Scientists for Global
Responsibility schätzt etwa, dass je 100 Milliarden US-Dollar mehr etwa 32
Millionen zusätzliche Tonnen CO₂ freigesetzt werden. Rechnet man das auf
die zusätzlichen Rüstungsausgaben der EU um, kommt man zu einem
zusätzlichen CO₂-Ausstoß von mehr als 60 Millionen Tonnen im Jahr – das
entspricht etwa den jährlichen Emissionen von ganz Österreich.
Bogdan-Alexandru Chelariu sieht noch andere Probleme: „Mehr Geld in
Verteidigung zu stecken, heißt, dass es weniger Geld für Klimaschutz gibt.“
Gleichzeitig führt die sich zuspitzende Klimakrise dazu, dass weltweit
Sicherheitsbedrohungen und Instabilität zunehmen. „Kein Verteidigungsbudget
der Welt kann die Sicherheitsprobleme in einer um 2,5 Grad erwärmten Welt
ausgleichen“, meint Chelariu. Der starke Fokus auf Sicherheit führe
zunehmend dazu, dass die Bekämpfung der Klimakrise verdrängt werde.
## Noch ist Klimaschutz vorn
Bei der Europäischen Investitionsbank lässt sich diese Verdrängung noch
nicht direkt beobachten. Bei den Budgets in vielen europäischen Staaten
hingegen schon: So hat Großbritannien seine internationale
Klimafinanzierung [3][zurückgeschraubt], um mehr in Sicherheit zu
investieren. Auch Deutschland hat zuletzt deutlich weniger Geld für
internationale Klimafinanzierung ausgeben – statt der versprochenen 6
Milliarden Euro flossen 2025 nur 4,7 Milliarden. Zudem will die Regierung
Mittel aus dem Klimatopf KTF nutzen, um Haushaltslöcher zu stopfen.
Die Recherche wurde gefördert von Netzwerk Recherche und der gemeinnützigen
Umwelt-Förderorganisation Olin gGmbH.
13 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.eib.org/en/press/all/2025-249-eib-backs-new-military-base-in-lithuania-with-eur540-million-loan
(DIR) [2] https://www.sgr.org.uk/publications/military-spending-rises-and-greenhouse-gas-emissions-what-does-research-say
(DIR) [3] https://www.carbonbrief.org/analysis-uk-is-halving-its-climate-finance-for-developing-countries
## AUTOREN
(DIR) Lisa Kuner
## TAGS
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