# taz.de -- Bud Spencer Museum in Berlin: Knall! Wumms! Klatsch!
> Wehmütig darf man eine Runde in dem Berliner Museum machen, das den
> Filmstar Bud Spencer würdigt. Das Museum schließt, es rechnet sich nicht
> mehr.
(IMG) Bild: Die Melone, der Bart … eindeutig, Bud Spencer
Was passt besser als ein alter Röhrenfernseher? Auf einem kleinen
Grundig-Gerät flimmern Ausschnitte aus alten Filmen mit Bud Spencer und
Terence Hill über den Bildschirm. Man darf die Tasten der acht
Programmplätze drücken und immer gibt es eine andere Filmsequenz. Meist in
miserabler Qualität, als ob hier alte VHS-Kassetten abgespielt würden, wie
früher.
Willkommen im [1][Bud Spencer Museum Berlin]! Das residiert seit Juni 2021
an einer der besten Adressen im Osten Berlins: Unter den Linden, also da,
wo sich die Touristenscharen tummeln. Dennoch geht dem Museum die Puste
aus, die Betreiber sehen wirtschaftlich keine tragfähige Perspektive für
eine Fortführung, es muss schließen.
An diesen Mittwoch Ende Oktober ist erstaunlich viel los. Die Nachricht,
dass das Museum zumachen muss, hat die Medien auf den Plan gerufen.
„Dadurch haben wir eine enorme Aufmerksamkeit bekommen“, sagt Michael
Maass, CEO der Betreibergesellschaft, „was natürlich auch dem Museum
hilft.“
Schon auf dem Gehsteig grüßt eine Bud-Spencer-Figur in Lebensgröße. Drinnen
massenhaft Kostüme und Requisiten (ein Auto, ein Motorrad) aus Filmen,
original und nachgebaut, dazu Drehbücher, Filmplakate, Fotos und
persönliche Erinnerungsstücke. Überall Bildschirme mit Ausschnitten aus
Spielfilmen des Duos und von TV-Auftritten, auch aus deutschen Shows.
[2][Bud Spencer] war ein Hüne. Das zeigt die riesige Ritterrüstung aus der
Filmkomödie [3][„Hector, der Ritter ohne Furcht und Tadel“] von 1975 gleich
hinterm Eingang, vis-à-vis gibt es Ausschnitte zu sehen. An einer Wand
hängen Filmschwerter und das entsprechende Filmplakat.
An jeder Ecke tönt es: Die Filme des schlagkräftigen Duos waren bekannt für
ihre teils nervige, teils kultige Filmmusik und die Geräuscheffekte –
Knall! Wumms! Klatsch! –, die ihre Schaukämpfe begleiteten. Ach, die
ausufernden Schlägereien, bester Slapstick, ihr großes Markenzeichen. Immer
die beiden gegen eine Übermacht von Ganoven. Zur Kunstform gereift sind
diese Prügelorgien mit ihrem Wechsel zur Westernkomödie (auch so ein
ausgestorbenes Genre) „Die rechte und die linke Hand des Teufels“.
## Comichafte Übertreibung
Trotz comichafter Übertreibung in Filmen wie [4][„Vier Fäuste für ein
Halleluja“] von 1971 – der Film trug in der DDR den Titel „Der Kleine und
der müde Joe“ –, wirkte das Ganze immer auch authentisch, was daran lag,
dass alles aufwendig choreografiert und geprobt wurde. Für eine Minute Film
wurden oft mehrere Tage benötigt – über QR-Code kann man sich das in der
Ausstellung erzählen lassen. Auch, dass Spencer und [5][Hill] echte
Athleten waren. Deshalb mussten sie nicht gedoubelt werden.
Und dann sind da die frühen Aufnahmen: Spencer, als Carlo Pedersoli in
Neapel geboren, steigt in einem Film von 1949 aus dem Wasser, er hat eine
Frau vor dem Ertrinken gerettet … die schwarz-weiße Sequenz zeigt einen
jungen und athletischen Mann, der sich als Schwimmer auch bei den
Olympischen Spielen einen Namen gemacht hatte, bevor er ins Schauspielfach
wechselte. Spencer hatte eigentlich keine Ambitionen, Schauspieler zu
werden – willigte aber ein, um Schulden tilgen zu können. Der Schuldschein
ist hier im Original zu sehen.
## Noch ohne seinen typischen Bart
In Badehose und noch ohne seinen typischen Bart ist der große, schlanke
Mann kaum zu erkennen. Na ja, an seinen Gesichtszügen aber schon. „Das ist
er!“, ruft eine Frau ihren beiden Freundinnen zu und lacht: „Der war in
jungen Jahren richtig gut gebaut und hot. Und später ein richtig süßer
Opa.“
In Vitrinen gibt es Zigaretten zu sehen, die Spencer in „Plattfuß am Nil“
rauchte, aber auch Filmpreise, dazu Schallplatten mit der Filmmusik, Comics
und Merchandising wie Federmappen für Kinder. Und im Museumsshop gibt es
Bohnen in Dosen, Gewürzmischungen, Bier, Tassen, Kalender, DVDs – immer mit
dem Konterfei der beiden.
Ach, es gibt viel zu lernen über zwei Schauspieler, die Jahrzehnte lang in
einem Atemzug genannt wurden. Über ihre Anfänge, die gemeinsame Karriere
und was danach kam, als sich ihre Wege trennten. Beide drehten TV-Serien,
meist erfolgreich. Lustig bis traurig die Werbespots, mit denen sich
Spencer über Wasser hielt, als seine große Zeit vorbei war: Für eine Bank
prügelt er sich durch die Stadt.
Hill lebt ja noch. Rührend die Szenen, die in der Ausstellung zu sehen
sind, wie er auf dem alljährlichen Bud-Spencer-Festival in [6][Cinecittà],
der Filmstadt im Rom, mit vielen Künstler:innen an seinen Buddy von einst
erinnert.
Da liegt Wehmut in der Luft. Und auch, weil das Bud Spencer Museum am 23.
Dezember in diesem Jahr zum letzten Mal öffnen wird.
Aber ihre Filme laufen ja immer noch in Spartenkanälen im Fernsehen, und
auch in Mediatheken. Und wer will, kann sich im digitalen Zeitalter ohnehin
bis in alle Ewigkeit von Bud Spencer und Terence Hill belustigen lassen.
Darauf ein Halleluja.
2 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.budspencer-museum.com/Bud-Spencer-Ausstellung
(DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Bud_Spencer
(DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Hector,_der_Ritter_ohne_Furcht_und_Tadel
(DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Vier_F%C3%A4uste_f%C3%BCr_ein_Halleluja
(DIR) [5] https://de.wikipedia.org/wiki/Terence_Hill
(DIR) [6] https://de.wikipedia.org/wiki/Cinecitt%C3%A0
## AUTOREN
(DIR) Andreas Hergeth
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