# taz.de -- Historische Minigolf-Anlage in Hamburg: Der Prototyp im Märchenwald
> Im Hammer Park in Hamburg steht die Mutter der Eternit-Minigolfanlagen in
> Deutschland. Um sie herum ist ein witziger Skulpturenpark entstanden.
(IMG) Bild: Irgendwas zwischen Kunst und Sportgerät: Minigolfanlagen haben ihren ganz eigenen Charme
Manchmal, erzählt Minigolfspieler Jonathan beim Rundgang über die Hamburger
Anlage Crazy Minigolf, kommen die Besucher*innen von weit her. Aus
Murnau am Staffelsee zum Beispiel: Das ist ein Ort im Voralpenland, der
sich dadurch auszeichnet, dass der örtliche Minigolfplatz einem
Minigolfverein gehört, der in der Minigolf-Bundesliga Süd spielt. Auf der
Minigolf-Landkarte [1][ist Murnau eine Metropole].
Wenn also jemand vom Minigolfclub Murnau am Staffelsee die weite Reise nach
Hamburg an der Elbe antritt, dann wird diese Person nicht nur die
Landungsbrücken und den Jungfernstieg besuchen. Sie wird mit der U-Bahn von
der Innenstadt sieben Minuten Richtung Osten fahren und an der Hammer
Kirche aussteigen.
## Vorbildhafte Bahn im Minigolf
Von dort geht es durch den denkmalgeschützten Hammer Park zur
[2][Minigolfanlage Crazy Minigolf], die einzigartig ist in Deutschland. Die
Anlage hat Minigolfgeschichte geschrieben: Sie wurde 1959 eröffnet als
Prototyp für jene Eternitbahnen, die in den Jahrzehnten danach in
Deutschland zum Standard wurden.
Das bedeutet: Die Hindernisse auf den Bahnen wie der Vulkan, der Rohrhügel
oder der Salto wurden dort erprobt. Ausgedacht haben sie sich Studierende
der späteren Hochschule für bildende Künste im Auftrag des Hamburger
Unternehmers Albert-Rolf Pless, der fortan standardisierte
Miniaturgolfanlagen verkaufte.
Allerdings bestehen die Bahnen im Hammer Park aus Beton, die später von
Pless vermarkteten Bahnen aber aus Eternit. Das mag für Normalsterbliche
lapidar klingen. Für Minigolfer*innen liegen zwischen Beton und
Eternit Welten, denn Minigolf ist ein Materialsport: Sportlich orientierte
Spieler*innen nutzen für jede Bahn einen speziell dafür geeigneten Ball
– mal muss der weich sein, um von Banden gut zurückzuspringen, mal hart, um
gut kontrolliert werden zu können. Eternitbahnen ermöglichen grundsätzlich
ein präziseres Spiel. Dafür darf man die Bahnen aus Beton betreten, die aus
Eternit aber nicht.
Mittlerweile gibt es laut dem [3][Deutschen Minigolfsport Verband] rund 220
Vereine und circa 2.000 Anlagen in Deutschland. Für Vereinsspiele und
Turniere braucht es Anlagen, die für den Sportbetrieb zugelassen sind. Das
bedeutet, dass auf diesen Anlagen ein berechnendes Spiel ohne Zufall
möglich sein muss. Es darf zum Beispiel keine Hindernisse geben, die sich
bewegen.
Eine Besonderheit im Hammer Park ist nun, dass es dort noch eine Bahn mit
Wippe als Hindernis gibt. Die Aufgabe ist, den Ball auf die Wippe zu
spielen, so dass die Wippe sich neigt und der Ball auf der anderen Seite
runterkullert. Als Minigolf zum Sport wurde, hat man so was aus dem
Hindernis-Katalog gestrichen.
Im Hammer Park gibt es die Wippe noch. Und so viel mehr: Die Betreiber
Dorota und Patrick Schreck haben die Bahn 2018 übernommen und erstmal einen
Künstler engagiert, der die Bahnen graffittimäßig besprüht hat. Für
Vereinspuristen ein No-Go, aber ein Verein wacht hier nicht über die Bahn,
weswegen es gestalterisch noch weiterging: Überall im Park stehen
Skulpturen von Tieren oder Menschen, wie sie auf Flohmärkten und in
Dekoläden angeboten werden.
## Ein Platz zum Ausruhen
Die Skulpturen sind wie die Bahnen bemalt und wie zum Beispiel die Katze im
Raumanzug gern von der schrägeren Sorte. Schön auch der Himmel aus
Quitscheentchen, das bunte Reh im überdimensionalen Vogelkäfig und der
Setzkasten mit Sumo-Ringern. Abgesehen davon gibt es viele Bänke zum
Verweilen.
Die findet zum Beispiel Erwin wichtig. Erwin ist über 80 und [4][spielt
seit über 40 Jahren Minigolf] auf der Bahn im Hammer Park. Er ist einer
derjenigen, die sich regelmäßig zum ernsthaften Spiel auf der Bahn treffen
– unorganisiert und doch mit einem gewissen Engagement. Erwin hilft zu
Beginn der Saison auch mit, die Schäden an den Bahnen wegzuspachteln, die
der Winter hinterlassen hat. Erwin kann das, er war Maler von Beruf.
Was er noch nie geschafft hat, ist, die 18 Bahnen mit 18 Schlägen zu
schaffen. 21 sei sein bestes Ergebnis gewesen, sagt er. Ihm sei niemand
bekannt, der die Bahn je mit 18 Schlägen geschafft hat: „Bei Eternitbahnen
gibt es das schon. Aber hier auf Beton gibt es zu viele Unebenheiten und
Löcher.“
Die Bahn habe eben Charakter, sagt Jonathan, der auch zum Stammpublikum
zählt. Er mag das Wilde, Unkonventionelle im Hammer Park. Denn das Crazy
Minigolf im Hammer Park ist auch noch etwas anderes: ein märchenwaldhaftes
Freiluftcafé unter hohen Bäumen. Die helfen bekanntermaßen gegen Hitze, was
dazu führt, dass sich viele Leute auf dem Platz treffen, ohne selbst zu
spielen. Diverse Sitzgelegenheiten stehen bereit. Die meisten davon bunt.
Übermalt wie die Bahnen, die historisch sind und dabei Teil von etwas
Neuem.
3 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.minigolf-murnau.de/termine/
(DIR) [2] https://www.crazy-minigolf.de/
(DIR) [3] https://www.minigolfsport.de/
(DIR) [4] /Comeback-des-Minigolfs/!6003469
## AUTOREN
(DIR) Klaus Irler
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damals Minigolf-süchtig wurde, ist Sieghardt Quitsch. Nach wie vor ist er
Vorsitzender des Hamburger Bahnengolf-Verbands. Und kämpft immer noch für
die Wahrnehmung der einstigen Freizeitbeschäftigung als Sport.