# taz.de -- Finanzieller Schutz gegen Klimaschäden: Versicherung gegen Klimaschäden soll besser werden
> Die Bundesregierung macht Vorschläge für eine bessere Risikoabsicherung.
> Unklar ist, wie hohe Beiträge verhindert werden, bemängeln
> Kritiker:innen.
(IMG) Bild: Überflutung im Ahrtal mit immensen Schäden: Aufräumarbeiten im Restaurant Lochmühle in Mayschoß im Juli 2021
Die Klimakrise kann jede:n Hausbesitzer:in treffen: Das
Bundesfinanzministerium und das Bundesjustizministerium wollen, dass sich
Eigentümer:innen gegen Schäden durch Überflutung und andere extreme
Wetterereignisse versichern. Künftig soll beim Abschluss einer
Wohngebäudepolice ein entsprechender Baustein standardmäßig angeboten
werden. Bei bestehenden Verträgen soll der sogenannte Elementarschutz
innerhalb eines Jahres aufgenommen werden. Das geht aus einem
Diskussionspapier hervor, das Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und
[1][Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD)] am Mittwoch vorgelegt
haben.
Verbraucherschützer:innen und die Bundesländer fordern seit Langem
die Einführung einer verpflichtenden Elementarschadenversicherung für
Wohngebäude. So soll auch der Schutz in Risikogebieten bezahlbar werden.
Aufgrund der Erderhitzung nehmen extreme Wetterereignisse wie Starkregen
oder Überschwemmungen zu. Die Schäden sind immens, wie etwa die
Ahrtal-Überflutung im Jahr 2021 gezeigt hat. Expert:innen diskutieren
zudem, ob Klimaschäden das Potenzial haben, Finanzsysteme zum Einsturz zu
bringen. Denn die möglichen Schäden drohen die kapitalkräftige
Versicherungswirtschaft zu überfordern. Ziehen sich die Gesellschaften
deshalb aus dem Geschäft zurück, könnten Gebäude ihren Wert verlieren, was
Auswirkungen auf Hypotheken und schlimmstenfalls die Stabilität von Banken
hätte.
Davon ist die Lage in Deutschland allerdings weit entfernt. Hierzulande
zahlen Versicherer für Schäden durch Überflutungen oder Starkregen nur
dann, wenn die Gebäudepolicen einen eigenen Elementarschadenzusatz haben.
In gefährdeten Gebieten ist das sehr teuer. Nach Angaben der
Bundesregierung haben in Deutschland nur 59 Prozent der Wohngebäude diesen
Zusatz. Haben Bürger:innen keinen Versicherungsschutz, springt bislang
der Staat oft nach einer Katastrophe ein.
Die Ministerien schlagen vor, dass künftig bei neuen Verträgen der
Elementarschutz Standard wird. Eine Eigenbeteiligung von bis zu 10 Prozent,
maximal bis zu 20.000 Euro pro Schadensfall, soll möglich sein. In bereits
bestehende Policen soll der Schutz in einer Übergangsphase von einem Jahr
aufgenommen werden. Danach wird der Zusatz automatisch aufgenommen. Bei der
Festsetzung der Beitragshöhe muss der Versicherer darlegen, von welchen
Risiken er ausgeht.
## Faktische Pflichtversicherung
Eine zentrale Frage lassen die Ministerien unbeantwortet: ob es die
Möglichkeit geben soll, dass Kund:innen den Elementarschutz ablehnen
können. Das will die Regierung prüfen. Bei einem Verzicht soll eine
Mindestversicherung ins Auge gefasst werden, bei der eine Eigenbeteiligung
von 50 Prozent des Versicherungsschutzes, maximal 100.000 Euro, vorgesehen
ist. In diesem Fall sollen Kund:innen darauf hingewiesen werden, dass sie
gegebenenfalls bei einer Katastrophe keine staatlichen Hilfen bekommen.
Die Verbraucherorganisation Bund der Versicherten bewertet das Papier
positiv. „Das ist ein wichtiger Schritt“, sagt Vorstand Stephen Rehmke.
„Das ist eine faktische Pflichtversicherung.“ Er rechnet damit, dass die
Prämien für Hausbesitzer:innen steigen werden. Für gut hält er, dass
Versicherungsgesellschaften ihre Preiskalkulation künftig darlegen müssen.
„Heute kann ein Kunde nicht nachvollziehen, wie die Beitragshöhe zustande
kommt“, erklärt er.
Das Papier sei enttäuschend, sagt dagegen [2][Anna Lena Samborski von der
Umweltorganisation Urgewald,] die die Finanzbranche beobachtet. „Es fehlt
eine einheitliche Linie“, sagt sie. Das Thema werde seit 25 Jahren
diskutiert. Die Bundesregierung lege sich aber immer noch nicht fest, ob
sie eine echte Pflichtversicherung wolle. Samborski kritisiert, dass in dem
Papier kein Mechanismus vorgesehen ist, mit dem die Beitragshöhe staatlich
reguliert werden kann. Möglich wäre das, wenn der Staat als Rückversicherer
in Erscheinung treten würde. Dann würde der Staat den Unternehmen, die die
Verträge mit Kund:innen abschließen, einen Teil der finanziellen Risiken
für den Katastrophenfall abnehmen. So wäre die Versicherung auch in
Hochrisikogebieten bezahlbar. „In Frankreich gibt es so ein Modell
bereits“, sagt sie.
Auch die Linksfraktion im Bundestag hält den Diskussionsvorschlag von
Klingbeil und Hubig für unausgereift. „Es bleibt komplett offen, wie diese
Versicherung für alle bezahlbar sein soll“, kritisiert der linke
Abgeordnete Aaron Valent. Die Versicherer sollen dem Papier zufolge die
Prämien weiter nach Risikolage festlegen können. Das sei unsolidarisch.
„Die Klimakrise und ihre Auswirkungen können sich schnell verändern und
damit auch die Risikobewertungen“, warnt er. Ein Haus, das vor 20 Jahren in
einem risikoarmen Gebiet gebaut worden sei, gelte heute möglicherweise als
gefährdet. Menschen dürften nicht dafür bestraft werden, dass sich das
Risiko erhöht habe.
## Staatliche Rückversicherung
Die Linksfraktion mahnt ebenfalls eine staatliche Rückversicherungslösung
an. „Wir schlagen ein nachhaltiges und solidarisches Modell mit einem
bundesweiten Elementarschaden-Fonds vor, der staatlich rückversichert ist“,
sagt Valent. Alle Eigentümer:innen sollen dort ihren Beitrag
einzahlen. „Außerdem sollen besonders klimaschädliche Unternehmen den Fonds
aufstocken“, fordert er.
Den Grünen fehlen ebenfalls klare Regeln, die für einen bezahlbaren
Versicherungsschutz für alle sorgen. Sie sehen in dem Papier einen Schritt
in die richtige Richtung, finden es aber insgesamt zu unverbindlich und
sozial unausgewogen. „Es drohen Schutzlücken und finanzielle Überforderung
für Privathaushalte im Schadensfall“, sagt der grüne Bundestagsabgeordnete
Lukas Benner.
21 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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