# taz.de -- Trump, Selenskyj und Europa: Ukraine, verkauft und im Stich gelassen
       
       > Immer offener paktiert der US-Präsident mit dem Kremlchef. Die EU setzt
       > die Hoffnungen auf die Midterms, derweil wird die Ukraine heftig
       > beschossen.
       
 (IMG) Bild: Bombenangriff auf Kyiv am 21.10.2026 – die Ukraine wird täglich von Hunderten von Bomben und Drohnen getroffen
       
       Es ist erbärmlich, wie US-Präsident Donald Trump die Ukraine verkauft und
       wie die Europäer hilflos danebenstehen, wo sie doch längst viel mehr hätten
       tun können. Worauf warten sie nur? Zwar erklärte Wladimir Putins
       außenpolitischer Berater nach dem Treffen mit Donald Trumps Sondergesandtem
       Steve Witkoff, man sei zu Gesprächen zwischen der Ukraine und Russland
       unter Vermittlung der USA bereit – aber nur über Sicherheitsgarantien für
       beide Konfliktparteien nach einem Friedensschluss und erst im kommenden
       Monat.
       
       Ob Trumps Geduld so lange hält? Die Halbwertzeit seiner Aussagen wurde
       zuletzt immer kürzer. Putin möchte Trump dafür gewinnen, bei einem
       Dreiertreffen mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping über einen
       Waffenstillstand zu verhandeln. Ohne Beisein der Ukraine. Während Trump die
       Verbündeten verrät und immer offener mit Putin paktiert, spielen der Kreml
       und Europa auf Zeit: Die EU wartet auf den Ausgang der [1][Midterm-Wahlen
       in den USA] Anfang November und hält vorläufig still. Putin will bis April
       warten, in der Hoffnung, dass die rechtsextreme Marine LePen die Wahlen
       gewinnt und die Einigkeit für EU-Ukrainehilfen dann ein baldiges Ende hat.
       
       Derweil taumelt die Ukraine, jeden Tag getroffen von Hunderten russischen
       Raketen und Drohnen, auf einen katastrophalen Winter zu. Trumps
       schändlichem Verrat setzt Europa bisher nur Heuchelei entgegen. Zwar wird
       mit Geld und Waffen geholfen. Doch die militärischen Rüstungsgüter, die die
       Ukraine wirklich bräuchte, um Putins Soldateska tief im Hinterland zu
       attackieren, werden nicht geliefert.
       
       Seit der russischen Vollinvasion im Februar 2022 haben EU-Staaten rund 239
       Milliarden Euro mehr für fossile Energieträger in Moskaus Kriegskasse
       gezahlt als der Ukraine an Unterstützungsleistungen. Längst hätten die
       [2][210 Milliarden Euro russischer Zentralbankgelder], die beim belgischen
       Zahlungsdienstleister Euroclear eingefroren sind, konfisziert werden
       können, um sie der Ukraine zur Verfügung zu stellen. Denn eigenständig
       Milliarden verdienen können Kyjiws Exporteure aktuell nicht – seit Moskau
       das Schwarze Meer für Frachter mit ukrainischem Getreide blockiert.
       
       Polen, Rumänien und die Slowakei lassen Eisenbahnwaggons voller Weizen und
       Mais an der EU-Außengrenze vergammeln. Solange das so bleibt, sind Europas
       warme Worte für Selenskyj reine Verlogenheit. Und am Ende werden wir ein
       Vielfaches zahlen müssen für unsere Sicherheit vor Russland.
       
       21 Oct 2026
       
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