# taz.de -- Trumps Ukraine-Politik: US-Präsident spricht von „Energie-Waffenruhe“
> Trump schließt mit Putin einen Diesel-Deal – und attackiert den
> ukrainischen Präsidenten hart. Fragezeichen über mögliche
> „Energie-Waffenruhe“.
(IMG) Bild: Ihn freut es, wenn Donald Trump seine Forderungen übernimmt: Wladimir Putin
Nach [1][seinem Diesel-Deal mit Kremlherrscher Wladimir Putin] scheint
US-Präsident Donald Trump erst begriffen zu haben, worauf er sich
eingelassen hat im Gegenzug zum teilweisen Aufheben der
Russland-Sanktionen: Moskau kann aktuell nicht die Dieselmengen bieten, die
es auf dem Weltmarkt bräuchte, um die Spritpreise zu senken.
Darüber wurde Trump offenbar so sauer, dass er von der Ukraine verlangte,
die Angriffe auf russische Raffinerien sofort einzustellen. Und er forderte
den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der sich dieser Forderung
verweigerte, zum Rücktritt auf. „Wir haben Selenskyj gesagt: ‚Mach, was du
willst, aber lass den Diesel in Ruhe.‘ Und was macht er? Er greift die
Dieselkraftstoffversorgung an“, ereiferte sich Trump am Sonnabend vor einem
Flug nach Tennessee. Am Sonntag sprach Trump dann von einer
„Energie-Waffenruhe“ zwischen Russland und Ukraine „mit sofortiger
Wirkung“, ohne zunächst weiter ins Detail zu gehen. Eine Bestätigung aus
Kyjiw oder Moskau gab es zunächst nicht.
„Ich denke, es ist an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten
bekommt. Ich schlage vor, dass sie einen neuen Führer bekommen, der in der
Lage ist, Vereinbarungen zu schließen“, sagte der US-Präsident vor
Journalisten vor dem Weißen Haus. Zuvor hatte der ukrainische Staatschef
über seinen Telegram-Kanal den Trump-Putin-Deal kritisiert: „Er spielt
Russland in die Hände – dass es mehr töten, den Krieg länger führen,
Amerika noch weniger respektieren und der Welt noch größere Verluste und
Schäden zufügen wird.“
Da hatte das US-Finanzministerium nach der Zusage Putins, russischen Diesel
auf den Weltmarkt zu exportieren, die geltenden US-Sanktionen gegen
Käuferländer von russischen Ölprodukten bereits ausgesetzt. Einen
entsprechenden Erlass bis April veröffentlichte die zum Finanzministerium
gehörende US-Sanktionsbehörde Ofac am Sonnabend.
## In Russland fehlt der Diesel in der Landwirtschaft
Danach zeichnete sich allerdings ab, dass Russland den von Trump als
„Weltproblem“ bezeichneten Dieselmangel kaum mildern kann. Denn seit den
nunmehr fast täglichen Angriffen mit ukrainischen Drohnen auf russische
Raffinerien muss Russland, der nach den USA und vor Saudi-Arabien
zweitgrößte Ölförderer der Welt, selbst Treibstoff importieren. Erst am 30.
September hatte die russische Regierung das seit Juli geltende
Diesel-Exportverbot verlängert.
Der für den Energiesektor zuständige russische Vizepremier Alexander Nowak
sagte derweil, Russland werde 300.000 Tonnen Diesel noch im Oktober
exportieren, 500.000 Tonnen im November und 1 Million Tonnen im Dezember.
Er wiederholte damit die Angaben Trumps.
Diese Mengen sind angesichts des [2][gewaltigen Sprit-Hungers der USA] nur
homöopathische Dosen: Täglich werden dort rund 520.000 Tonnen Diesel
verbraucht.
Wegen teilweise zerstörter Raffinerien klagen russische Farmen schon jetzt,
nicht genügend Diesel für Traktoren und Mähdrescher während der Ernte zu
haben, und an vielen Tankstellen sind Diesel und Benzin kaum oder nur noch
mengenmäßig begrenzt erhältlich. Denn den Löwenanteil des Diesels
verbraucht die russische Armee in ihrem Angriffskrieg in der Ukraine. Um
überhaupt genügend Diesel zu haben, wird in Indien, Belarus und Kasachstan
zugekauft. Zuvor waren die russischen Diesel-Exporte schon um über 80
Prozent eingebrochen.
## China fehlt iranisches Öl
Woher die von Trump und Nowak in Aussicht gestellten russischen
Diesel-Exporte von „perspektivisch“ 3 Millionen Tonnen monatlich kommen
sollen – wie 2025 –, ist fraglich: „Hauptaufgabe ist die Wiederherstellung
der zuvor beschädigten Werke“, unterstrich Nowak noch am 2. Oktober. Erst
wenn die Produktion weiter steige, könne auch wieder an Exporte gedacht
werden, sagte er vor dem russischen Oberhaus.
Hauptproblem für den globalen Dieselmarkt ist neben der langen Sperrung der
Straße von Hormus vor allem, dass Iran wegen der [3][US-Seeblockade] kaum
noch Öl exportieren kann. Seit dem 26. September ist kein Tropfen
iranisches Öl mehr in China angekommen. Peking kämpft nun auch auf den
Ölmärkten um Lieferungen von Öl und Diesel.
Im US-Kongress formiert sich derweil Widerstand gegen Trumps Deal. Der
republikanische Abgeordnete Brian Fitzpatrick kündigte am Samstag an, dass
er einen parteiübergreifenden Gesetzentwurf einbringen wolle, der Präsident
Trump hindern soll, die erst kürzlich verabschiedeten Sanktionen gegen
russisches Öl aufzuheben. Sowohl Demokraten als auch mehrere Republikaner
haben ihren Unmut über Trumps Diesel-Deal mit Putin zum Ausdruck gebracht.
„Auch wenn ich den Wunsch nach niedrigeren Dieselpreisen verstehe, mache
ich mir Sorgen, dass die Aufhebung der Sanktionen gegen russisches Öl
lediglich die Kriegsmaschinerie des Kremls finanzieren und zu weiterer
Gewalt und Zerstörung ermutigen wird – wie wir es in den letzten Tagen
erlebt haben“, sagte der republikanische Abgeordnete Michael McCaul aus
Texas.
Ein erst vor wenigen Wochen verabschiedetes Sanktionsgesetz hatte dem
US-Präsidenten weitreichende Befugnisse erteilt, den wirtschaftlichen Druck
auf Russland zu erhöhen. Doch die Entscheidung, diese Maßnahmen auch
anzuwenden, liegt laut Gesetz allein beim Präsidenten. Der Diesel-Deal
steht laut Kritikern zwar in direktem Widerspruch zum Sanktionsgesetz. Doch
Trump hat freie Handhabe, das Importverbot für russische Ölprodukte aus dem
Jahr 2022 kurzfristig außer Kraft zu setzen.
11 Oct 2026
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