# taz.de -- Gewalt bei Schulprotesten: Nur ein Symptom
       
       > Die heftigen Ausschreitungen sind eine Folge dessen, dass das Leben immer
       > unbezahlbarer wird. Und einer Hilflosigkeit, anders nicht gehört zu
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Die Gewaltfrage bei den Protesten in Frankreich, ein Symptom des Reichtums, vor allem gegen die Armut
       
       Am Abend vor der Großdemo gingen Emmanuel und Brigitte Macron auf ein
       Konzert von Céline Dion. Ihre Begleitung: Hélène Arnault, Frau des
       reichsten Manns Frankreichs. Wäre es nicht die Realität, man könnte es für
       eine Karikatur halten: hier der Luxus – draußen das wütende, kaputt
       gesparte Frankreich. Am nächsten Tag zündeten Demonstrant*innen Autos
       und das [1][Rathaus in Limoges] an, schlugen Fensterscheiben ein,
       plünderten Läden.
       
       Man könnte jetzt anbringen, dass die Proteste vielerorts friedlich
       verliefen. Dass Protestierende [2][eine Barrikade wegräumten, um die
       Feuerwehr durchzulassen]. Dass Teenager den [3][Cafés halfen, Tische
       reinzustellen]. Dass Plünderer [4][geklaute Hygieneartikel verteilten].
       Dass ein Mann, der Geschosse in die Menge warf und aussah wie ein
       Demonstrant, [5][als Polizist enttarnt wurde]. Man könnte die [6][enorme
       Polizeigewalt] hervorheben – Jugendliche verloren durch Granaten ein Auge,
       eine Hand.
       
       All das sind wichtige Kontextualisierungen. Und sie zementieren auch eine
       scheinbare Dichotomie – diese Gewalt entweder „gut“ oder „schlecht“ finden
       zu müssen. Falsche Frage. Bessere Frage: Wofür steht die Gewalt? Die
       Ausschreitungen drücken etwas über die Gesellschaft aus, die sie
       hervorbringt. Sie sind Symptom eines gewaltvollen Spätkapitalismus, der uns
       allen die Lebensgrundlagen entzieht. Sie sind Produkt eines
       undemokratischen Parlamentarismus, in dem man ein Schild hochhalten oder
       ein Kreuz machen darf, was aber nichts bewirkt.
       
       Macron regiert per Dekret und hat den linken Sieg der letzten
       Legislativwahlen übergangen, [7][eine Premierministerin der Umverteilung
       verhindert]. Die Gewalt ist auch Ausdruck einer extremen Marginalisierung
       etwa in Pariser Vorstädten. Kimberly Jones brachte es bei den
       Black-Lives-Matter-Protesten auf den Punkt. „Ihr fragt: [8][Warum brennt
       ihr eure eigene Nachbarschaft nieder? Es ist nicht unsere! Wir besitzen
       nichts]!“ Und: Wem das brennende Rathaus in Limoges mehr wehtut als die
       Lage der Menschen in den Banlieues, der sollte mal kurz innehalten.
       
       19 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Krawalle-statt-Demos-in-Frankreich/!6222308
 (DIR) [2] https://bsky.app/profile/antyfaszysta.bsky.social/post/3my5phbcte22r
 (DIR) [3] https://bsky.app/profile/bakou924.bsky.social/post/3my55dnki4s2r
 (DIR) [4] https://bsky.app/profile/antyfaszysta.bsky.social/post/3my5stfxuak2r
 (DIR) [5] https://france3-regions.franceinfo.fr/grand-est/marne/reims/l-homme-interpelle-par-le-depute-anthony-smith-etait-bien-policier-confirme-le-procureur-3427749.html
 (DIR) [6] https://www.spiegel.de/ausland/schuelerproteste-frankreich-hat-ein-massives-gewaltproblem-und-das-faengt-bei-der-polizei-an-a-3bfbb1db-ffcc-4a38-811c-1a19b2e351fa
 (DIR) [7] /Macron-betruegt-die-WaehlerInnen/!6029845
 (DIR) [8] https://www.youtube.com/watch?v=sb9_qGOa9Go
       
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 (DIR) Lea Fauth
       
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