# taz.de -- Ausschreitungen in Frankreich: Le Pens nützliche Idioten
       
       > Rechte und Konservative erklären die Krawalle in Frankreich zum
       > Kulturkampf. Derlei rassistische Ferndiagnosen sind wenig hilfreich.
       
 (IMG) Bild: Wütende Jugend: Vandalismus an der Statue der Gleichheit auf der Place de la République
       
       Für rechte Ideologen, aber auch manche Konservative ist längst klar, wer
       für die [1][Ausschreitungen in Frankreich] verantwortlich ist: Linksextreme
       und Migranten hat CSU-Innenminister Alexander Dobrindt als Schuldige
       ausgemacht, und so ähnlich tönt es einem aus Bild, FAZ und von angeblichen
       Experten wie Ahmad Mansour entgegen.
       
       Sie alle erklären die Krawalle zum Kulturkampf. Marine Le Pen und die AfD
       prangern eine angeblich „verfehlte Migrationspolitik“ an, mal wieder. So
       wie vor ihnen schon Donald Trump: Frankreich stehe in Flammen, weil „der
       Islam ein ehemals großartiges Land übernehmen will“, so der US-Präsident
       und forderte die Regierung in Paris auf, ihre Grenzen zu schließen.
       
       Je weiter man sich vom Ort des Geschehens entfernt, desto leichter fällt
       diese Ferndiagnose. Das gilt nicht nur für ländliche Regionen und die
       oberen Schichten in Frankreich, die mit Schrecken auf die Szenen der Gewalt
       in ihren Städten blicken. Das gilt erst recht für bürgerliche Beobachter
       und rechte Kreise, die aus dem Ausland auf das Land schauen, sich wohlig
       gruseln und dabei in ihren Ressentiments bestätigt sehen. Für sie ist das
       [2][brennende Rathaus von Limoges] das Symbol für den Untergang des
       Abendlands, den sie mit Angstlust beschwören.
       
       Besonnene Stimmen weisen darauf hin, dass Millionen Franzosen einen
       Migrationshintergrund besitzen, was in Großstädten wie Paris und Marseille
       besonders sichtbar ist. Sie sind nicht erst kürzlich ins Land gekommen,
       sondern Nachkommen von Einwanderern, nicht selten in der dritten
       Generation. Ihr Protest hat auch wenig mit Hautfarbe oder der Herkunft
       ihrer Eltern und Großeltern zu tun, sondern [3][mit sozialen Ursachen] –
       den Missständen an staatlichen Schulen und der Perspektivlosigkeit in den
       Vorstädten.
       
       Es ist auch nicht das erste Mal, dass Randalierer einen ursprünglich
       friedlichen Protest kapern, und gerade in Frankreich haben solche
       Ausschreitungen Tradition. Doch die Plünderungen und Zerstörungen vom
       Wochenende haben die berechtigten Anliegen der Protestierenden
       überschattet.
       
       In Frankreich fragt man sich, warum diese Exzesse nicht verhindert werden
       konnten. Warum hat die französische Polizei versagt? Schließlich ist sie
       nicht zimperlich, sondern bisher [4][eher durch Brutalität aufgefallen]. Am
       vergangenen Wochenende gab es zwar landesweit über 2.000 Festnahmen. Doch
       zugleich waren über eine halbe Million Demonstranten auf der Straße. Die
       Polizei war überfordert, Innenminister Nuñez räumte einen „Kontrollverlust“
       ein.
       
       Beides – das Versagen der Polizei und die rassistische Interpretation der
       Ausschreitungen – werden nun wohl auf das Konto von Le Pen einzahlen.
       
       20 Oct 2026
       
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