# taz.de -- Die Linkspartei in Nordrhein-Westfalen: Den Landtag fest im Blick
> Nach 14 Jahren hat die Linke in NRW gute Chancen auf eine Rückkehr ins
> Parlament. Ihre Mitgliederzahl hat sie schon mal verdreifacht.
(IMG) Bild: „NRW bezahlbar“ – das Motto der Linken in Nordrhein-Westfalen
[1][Die Linkspartei] hatte auf ihrem Personalparteitag am Samstag in Hagen
allen Grund zu feiern. Bei 10 Prozent sieht eine aktuelle Umfrage die
Partei ein halbes Jahr vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen.
Landeschefin [2][Kathrin Vogler] stellte dann auch prompt den Antrag, 50
statt 40 Genoss:innen auf die Landesliste zu wählen. „Wir haben so
wahnsinnig viele coole Kandidat:innen“, macht Vogler, die von 2009 bis zur
Wahl 2025 Teil der Bundestagsfraktion war, Stimmung.
Realistisch ist das nicht – ein Stimmenanteil von 10 Prozent würde den
Einzug von etwa 20 Linken in den Landtag bedeuten. Glaubt man der Umfrage,
kämen die Regierungsparteien CDU und Grüne nur noch auf 26 und 16 Prozent.
Mit Schwarz-Grün wäre damit in NRW Schluss – doch weil die SPD mit 18
Prozent schwächelt und die rechtsextreme AfD bei 21 Prozent liegt, würde es
auch für Rot-Grün-Rot nicht reichen.
Manch erfahrene Genossin wirkt darüber nicht traurig. Denn die Partei, die
bisher nur in der Zeit der rot-grünen Minderheitsregierung von Hannelore
Kraft (2010 bis 2012) im Landtag saß, fehlt die parlamentarische Erfahrung.
Zwar hielt der einstige Fraktionschef Wolfgang Zimmermann ein Grußwort –
doch danach machte der 76-Jährige der taz klar, dies sei sein „letzter
öffentlicher Auftritt“ für die Partei gewesen.
Die einstige [3][Parlamentarische Geschäftsführerin Özlem Demirel], heute
Europaabgeordnete, sieht ihre Zukunft in Brüssel. Die Spitzenkandidatin für
die Landtagswahl 2022, Carolin Butterwegge, verließ die Linke in Richtung
BSW. Und der Ex-Parlamentarier Michael Aggelidis versucht, mit der
Coronaschwurbler-Partei „Die Basis“ Politik zu machen.
## Themen wie in Berlin
Stattdessen soll ein Spitzenduo die Partei zurück in den Landtag führen:
Ohne Gegenkandidatin mit 90 Prozent auf Platz 1 gewählt wurde die
Kulturmanagerin Alexandra Mehdi – aktuell arbeitet die 47-Jährige aus
Solingen als Büromanagerin von Özlem Demirel in Brüssel. Co-Spitzenkandidat
ist der 46-jährige Landesgeschäftsführer Sebastian Merkens aus
Mönchengladbach.
Wie in Berlin will Mehdi mit bezahlbaren Mieten punkten, einer
landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft und der Vergesellschaftung großer
Wohnungskonzerne. Nötig sei auch ein „Perspektivwechsel in der
Migrationsdebatte“, so Mehdi – „Vielfalt“ sei „eine Stärke, die wir
verteidigen müssen“. Hart ging sie auch die grüne Vize-Ministerpräsidentin
Mona Neubaur an, die neue Jobs mit der Rüstungsindustrie schaffen will –
die Grünen gelten im Kampf um Wähler:innen als Hauptgegner. Neubaurs
Politik sei „ein Geschäft mit dem Tod“, kritisierte Mehdi.
Auch Co-Spitzenkanddat Merkens forderte eine Enteignung großer
Immobilienkonzerne und staatliche Investitionen, etwa zur Sanierung von
Schulen und Straßen. Dazu müsse die Bundesregierung die
[4][hochverschuldeten Städte] durch eine Vermögenssteuer entlasten. Er
wurde wie Mehdi mit Standing Ovations gefeiert.
Auf den Listenplätzen drei und vier konnten sich mit 75 und 86 Prozent die
erfahrenen Parteimitglieder Sonja Baumann und Nils Böhlke durchsetzen.
Baumann engagiert sich beim Bündnis „Essen stellt sich quer“, das Proteste
gegen die AfD und andere Rechtsextreme organisiert. Als Innenpolitikerin
will die Gewerkschaftssekretärin für die Abschaffung des
Verfassungsschutzes streiten – ersetzt werden soll der durch eine „eine
unabhängige Beobachtungsstelle zu Autoritarismus und Menschenfeindlichkeit“
– schließlich mache „jede Antifa-Gruppe bessere Recherchearbeit als unser
Verfassungsschutz“, so die 34-Jährige.
## Mitgliederzahl verdreifacht
Gewerkschaftssekretär ist auch der 47 Jahre alte Nils Böhlke. Bei Ver.di
unterstützt der Ehemann von Özlem Demirel den Kampf um einen Tarifvertrag
bei Amazon. In NRW, wo fast jede vierte Kind von Armut bedroht ist, will er
Politik für Menschen machen, die um ihren Job fürchten – und das bedeute
„Klassenkampf“.
Erst auf Listenplatz fünf konnte sich mit der 27 Jahre alten Kölnerin Sarah
Niknamtavin eine Unter-Dreißigjährige durchsetzen. Dabei wird die Partei
von jungen Leuten dominiert: Seit dem Abgang Sahra Wagenknechts hat sich
die Mitgliederzahl in NRW auf knapp 25.000 mehr als verdreifacht.
Dass die nicht alle glücklich mit dem Durchmarsch des Partei-Establishments
sind, zeigt der Fall des langjährigen Dortmunder Ratsfraktionschefs Utz
Kowalewski: Wie Merkens und Böhlke ist der 55-Jährige noch Teil des
Landesvorstands – doch bei der Wahl für Listenplatz sechs entschieden sich
nur 15 von 199 Delegierten für den Biologen. Auf der Liste fehlt damit ein
erfahrener Umweltpolitiker, was manche Genossen kritisch bewerten: „Wer
gegen die Grünen antreten will, muss auch Leute haben, die sich auskennen“,
ärgert sich einer.
Vermieden wurde am Samstag eine Diskussion um Palästina und Gaza. Die hat
die [5][Linke in Berlin] fast die Regierungsfähigkeit gekostet. In Hagen
warb Co-Bundeschefin Ines Schwerdtner in ihrer Eröffnungsrede für
Geschlossenheit – und beklagte eine „Hetzkampagne“. Über die Berliner Linke
werde nur diskutiert, „weil wir uns mit den Reichen und Mächtigen anlegen“,
so Schwerdner. „Kritik an der israelischen Regierung“ sei „kein
Antisemitismus“. Deren Vorgehen in Gaza aber bleibe „ein Völkermord“,
erklärte Schwerdner – und erhielt dafür den stärksten Applaus während ihrer
Rede.
18 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Die-Linke/!t5007994
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(DIR) [3] /Linken-Politikerin-Demirel/!6012497
(DIR) [4] /Finanzsorgen-von-Gemeinden/!6202627
(DIR) [5] /Einigung-auf-Enteignungen-in-Berlin/!6222301
## AUTOREN
(DIR) Andreas Wyputta
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