# taz.de -- Neuwahlen in Spanien: Linkes Wahlbündnis ohne Podemos
       
       > Spaniens großes Linksbündnis Frente Amplio muss bei den Wahlen Ende
       > November ohne die Partei Podemos auskommen. Das hebt die Chancen der
       > Ultrarechten.
       
 (IMG) Bild: Irene Montero von Podemos wurde nicht Spitzenkandidatin der Frente Amplio in Madrid. Auch deshalb ist Podemos raus
       
       Spaniens Linke wurde sich nicht einig. Podemos schließt sich – mit Ausnahme
       der Region Valencia und den Kanarischen Inseln der Frente Amplio (Breite
       Front) – einem Bündnis aus 15 Parteien – nicht an. Somit wird es in den
       meisten Regionen Spaniens bei den vorgezogenen [1][Neuwahlen am 29.
       November] links der sozialistischen PSOE von Ministerpräsident Pedro
       Sánchez mindestens zwei Kandidaturen geben.
       
       Dank des spanischen Wahlsystems, das auf Provinzebene die Sitze nach dem
       Verfahren D'Hont auszählt, hätte eine gemeinsame Kandidatur mehr Sitze
       erreicht als so. Um eine erneute fortschrittliche Regierung zu erreichen,
       wie dies die letzten acht Jahre der Fall war, ist jeder Sitz wichtig. Denn
       die Umfragen sehen derzeit die rechte Partido Popular (PP) gemeinsam mit
       der extrem rechten, neofranquistischen VOX deutlich vorn.
       
       Bei den letzten Wahlen 2023 schloss sich Podemos noch einer einheitlichen
       Kandidatur unter dem Namen Sumar an; stieg aber dann bald schon aus der
       Parlamentsfraktion aus, nachdem die Formation keinen Kabinettsposten in der
       Koalition mit den Sozialisten unter Sánchez bekam.
       
       Zu den 15 Partien der Frente Amplio gehören die postkommunistischen
       Vereinigten Linken (IU), die Bewegung Sumar und unterschiedliche regionale
       Parteien, wie Más Madrid oder En Comú aus Katalonien. Spitzenkandidatin ist
       die ehemalige Bürgermeisterin Barcelonas und Aktivistin gegen
       Zwangsräumungen von säumigen Kreditnehmern und Mietern, [2][Ada Colau].
       Podemos wird von der bisherigen Europaabgeordneten und einstigen
       Gleichstellungsministerin in der ersten Linkskoalition unter Pedro Sánchez,
       Irene Montero, angeführt. Montero wird gemeinsam mit der Republikanischen
       Linken Kataloniens Wahlkampf machen.
       
       ## Mieten und Wohnen wird das Hauptthema werden
       
       Die Einigung zwischen der Frente Amplio und Podemos scheiterte vor allem an
       Madrid. Montero wäre gerne Nummer 1 auf der hauptstädtischen Liste der
       Frente Amplio geworden. Doch diesen Platz nimmt Emilio Delgado,
       Regionalparlamentarier von Más Madrid ein. Die Regionalpartei, die einst
       aus Podemos hervorging, ist stärkste Oppositionskraft im Parlament der
       Hauptstadtregion und im Madrider Stadtrat, während Podemos in keinem der
       beiden vertreten ist.
       
       „Die Zeit, Parteien zu einen, ist vorbei; jetzt beginnt die Zeit, die
       Menschen zu einen“, erklärte Delgado am Samstag auf einer ersten
       Veranstaltung der Frente Amplio vor mehr als 1.500 Menschen in Madrid. „Ich
       weiß, dass es enttäuschte Menschen geben wird, und das tut mir leid. (…)
       Wir haben bis zur letzten Minute nicht aufgegeben und alles angeboten. Aber
       wenn sich jemand nicht an einen Tisch setzen will, kann man ihn dazu nicht
       zwingen“, erklärte Spitzenkandidatin Colau. Es gelte jetzt, nach vorn zu
       schauen.
       
       „Die breite Mehrheit der Gesellschaft hat das Thema Wohnen ständig im
       Kopf“, sagte Colau. „Wir sind die Mieter und kleinen Eigentümer, die
       Menschen aus den Stadtteilen und Dörfern; wir wissen, dass es bei diesen
       Preisen so nicht weitergehen kann“, fügte sie unter Applaus hinzu. Das
       Wohnungsproblem wird wohl dank der [3][Massenproteste], die seit Ende
       September anhalten, das Hauptthema des Wahlkampfes werden.
       
       Wenige Kilometer entfernt hielt Montero nach einer Vorstandssitzung ihrer
       Partei eine erste Rede als Spitzenkandidatin. Sie warf der Frente Amplio
       vor, die Nähe zu den Sozialisten zu suchen, statt mit Podemos eine
       entschlossene linke Politik zu verfolgen.
       
       Die Sozialisten und die Frente Amplio, die beide darauf hoffen, nach dem
       29. November eine neue Linkskoalition bilden zu können, haben eine erste
       Einigung erreicht. In 43 der 50 spanischen Provinzen werden sie gemeinsam
       zum Oberhaus des spanischen Parlaments, dem Senat, kandidieren. Dort zieht
       ein, wer in einem Wahlbezirk die meisten Stimmen erhält.
       
       2023 bekam die PP die absolute Senatsmehrheit und behinderte so manche
       Gesetzesinitiative des Kongresses. Außerdem boykottierte die PP immer
       wieder die Erneuerung hoher Gerichte, da sie dort aus Zeiten, als sie noch
       an der Regierung war, Mehrheiten hat. Eine gemeinsame linke Kandidatur soll
       eine erneute rechte Mehrheit verhindern.
       
       18 Oct 2026
       
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