# taz.de -- Neuwahlen in Spanien: Die Wohnungskrise entscheidet die nächsten Wahlen
> Dass Spaniens Premier Sánchez die Parlamentswahlen vorzieht, ist ein
> schlauer Schachzug. So kann er die Rechten als Bremser entlarven. Doch
> ein Risiko bleibt.
(IMG) Bild: Pedro Sanchez verkündet Neuwahlen in einer Fernsehübertragung
Pedro Sánchez [1][zieht die Parlamentswahlen um mehr als ein halbes Jahr
vor]. Das ist ein kluger Schachzug: Der politische Überlebenskünstler sieht
mit dem Thema Mietenkrise das Momentum auf seiner Seite. Die Wut im Land
ist groß, [2][aber die Dekrete für mehr Mieterschutz bekam seine linke
Minderheitsregierung] nicht durch das Parlament. Der Sozialist dürfte zudem
die sozialen Errungenschaften ins Feld führen, die ein Bündnis aus Rechten
und extremen Rechten zunichte machen würden.
Und da hat Sánchez einiges vorzuweisen: eine Arbeitsmarktreform, die dafür
sorgt, dass immer mehr Menschen einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben,
die deutliche Anhebung des Mindestlohnes, Rentenerhöhungen und ein längerer
Elternzeit-Anspruch sind seiner Regierung zu verdanken. Und dennoch haben
große Teile der Bevölkerung den Eindruck, dass vieles fehlt – vor allem auf
dem Wohnungsmarkt. Denn die Frage des erschwinglichen Wohnraums ist die
soziale Frage schlechthin – auch in Spanien.
So ist es kein Zufall, dass ausgerechnet diese zu Massendemonstrationen,
Protestcamps und letztlich zum vorzeitigen Ende seiner Regierung führte.
Acht Jahre und nichts gemacht, ist der Eindruck, den viele haben. Doch fair
ist dies nicht.
Denn tatsächlich wurden Maßnahmen auf nationaler Ebene verabschiedet, die,
wenn auch nur als Tropfen auf den heißen Stein, dort funktionieren, wo sie
auch angewandt werden. So wurden Zwangsräumungen vorübergehend ausgesetzt,
Mietverträge – die in Spanien alle befristet sind – automatisch verlängert.
## Die Regionen bremsen
Und ein Gesetz der Linkskoalition aus dem Jahr 2023 ermöglicht es,
Stadtteile und Gemeinden, in denen die Bewohner durchschnittlich mehr als
30 Prozent des Familieneinkommens für Miete ausgeben, zu Gebieten mit
„angespannter Wohnungslage“ zu erklären, um die Miete zu deckeln.
Doch Wohnungsangelegenheiten liegen in der Kompetenz der Regionen. Wo die
rechte Volkspartei (PP) mit oder ohne die rechtsextreme Vox regiert, wendet
sie das Gesetz nicht an. Der Markt ist ihnen heilig und der eigene Nutzen
erst recht. So mancher Politiker aus ihren Reihen ist mit Immobilienfonds
verbandelt.
Sánchez ist es bisher nicht gelungen, diese Boykotthaltung der Rechten ins
öffentliche Bewusstsein zu rücken. Wenn es Sánchez und seinen
linksalternativen Koalitionspartnern gelingt, dieses Thema zum
Wahlkampfthema Nummer 1 zu machen, und wenn sie ein ernstzunehmendes
Programm gegen die Wohnungskrise vorlegen, könnte es gelingen, die Stimmung
noch zu drehen. Nach dem Motto: Wir haben keine Chance, nutzen wir sie.
5 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Mietenkampf-in-Spanien/!6218820
(DIR) [2] https://www.tagesschau.de/ausland/europa/spanien-wohungsgesetze-gescheitert-100.html
## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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