# taz.de -- Zusammenarbeit von BSW und AfD: Spaltet sich das BSW am Umgang mit der AfD?
> Das perfekte Kreml-Dinner von BSW und AfD in Sachsen-Anhalt sorgt weiter
> für Ärger. Ex-linke Gewerkschafter fordern Konsequenzen auf dem
> Bundesparteitag.
(IMG) Bild: „Was tatsächlich ja nicht sehr gelungen war“: BSW-Parteiheilige Sahra Wagenknecht
Für Sahra Wagenknecht ist das vertraute Abendessen ihrer
Parteikolleg:innen in Sachsen-Anhalt mit der AfD abgehakt. „Es gab ein
Skandal-Dinner bei Compact, was tatsächlich ja nicht sehr gelungen war,
aber ich denke, darüber ist alles gesagt“, moderierte die BSW-Gründerin in
einem Video die Sache nun ab.
Ihre Gesprächspartnerin Claudia Wittig, das prominenteste BSW-Gesicht aus
Sachsen-Anhalt, nickte beflissen. Statt dem Dinner widmete sich der
Videotalk dem mit der AfD im Landtag durchgebrachten [1][Antrag für eine
Bundesratsinitiative zur Kapitulation der Ukraine].
[2][Zu den Bildern der AfD-BSW-Party] auf Einladung des rechtsextremen
Compact-Magazins vor gut zwei Wochen hatte Wagenknecht aber auch zuvor
nicht viel gesagt. Außer: „Gemeinsame Dinner sind völlig daneben.“
Nicht wenigen im BSW ist das zu dünn. „Jede Art von Kumpanei und
Verbrüderung mit der AfD, ob sie öffentlich wird wie das gemeinsame Dinner
beim rechten Querfrontmagazin Compact in Sachsen-Anhalt oder intern bleibt,
ist inakzeptabel“, heißt es in einer Stellungnahme des
Gewerkschafter-Flügels um das BSW-Vorstandsmitglied Ralf Krämer.
Die Rede ist von „roten Linien“ zur „völkischen und prokapitalistischen
Rechten“, die die Wagenknecht-Partei deutlich machen müsse. Spätestens beim
BSW-Bundesparteitag Ende November in Dresden müsse „eine deutliche
Kurskorrektur“ und ein „Neustart“ erfolgen. „Sonst stellt sich die Frage
nach der weiteren Mitarbeit und Unterstützung des BSW.“ Ähnlich hatte es
BSW-Vorstand Klaus Ernst formuliert.
## Distanzierung allerorten
Auch jenseits solcher Austrittsdrohungen sorgten die Compact-Bilder für ein
kleines Beben in der Partei. Parteichef Fabio De Masi distanzierte sich
ebenso wie sein Vize Christian Leye. „Sollte jemand den Kurs des BSW auf
Kumpelei mit der AfD verschieben wollen, sollte es eine Debatte mit offenem
Visier geben“, so Leye.
Auch der niedersächsische BSW-Landesvorsitzende Holger Onken schoss gegen
die Parteikolleg:innen in Magdeburg. Deren Verhalten sei ein
„Desaster“, so der Lebensgefährte von Co-Parteichefin Amira Mohamed Ali,
„reine Postenjagd ist nicht gesund für das BSW.“ Hintergrund sind Gerüchte,
Claudia Wittig könnte in einem wie auch immer gearteten Bündnis mit der
extremen Rechten in Magdeburg Bildungsministerin werden. Wittig selbst
dementiert das.
Im Jugendverband JSW kann es manchen mit [3][der Rechtsoffenheit] dagegen
nicht weit genug gehen. Hier fordern einige schon länger die Zusammenarbeit
mit der AfD-Jugend. Beim nächsten Compact-Dinner möchte man auch eingeladen
werden. Innerparteiliche Kritiker:innen werden dort teils als „linke
Kader“ bezeichnet. Diese „Teile vom BSW“ könnten „abgestoßen werden“, wenn
man nun in Sachsen-Anhalt Kurs halte, hofft etwa Marlon Borchers, der
ehemalige stellvertretende Bundeschef des JSW.
Hat Sahra Wagenknecht ihren Laden noch im Griff? Jetzt mal halblang, sagt
BSW-Generalsekretär Oliver Ruhnert zur taz. „Die Bilder von dem Dinner sind
nicht gut, ich finde die auch nicht richtig. Dass aber auch Leute im
Bundesvorstand versuchen, das zu instrumentalisieren, ist komplett unnötig
und angesichts der klaren Stellungnahme des Vorsitzenden und von Sahra
Wagenknecht unangemessen.“
Die unterstellte Nähe zu völkisch-nationalistischen Positionen sei
„völliger Humbug“, sagt Ruhnert. „Ansonsten wären wir in der AfD und nicht
im BSW.“ Er rechne zwar mit „größeren Diskussionen“ auf dem Parteitag in
Dresden, mit denen der „innerparteiliche Diskussionsprozess“ aber abgeräumt
werden könne.
## Claudia Wittig lernt dazu
Sachsen-Anhalts stellvertretende BSW-Fraktionschefin Claudia Wittig ist
unterdessen wieder eingenordet. Hatte sie die Compact-Fete zunächst
verteidigt – Motto: Man wird ja wohl noch saufen dürfen –, gestand sie nach
dem Rüffel von Sahra Wagenknecht einen „Fehler“ ein, den sie bedaure, und
versprach: „So etwas wird sich nicht wiederholen.“
Auf Nachfrage der BSW-nahen Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung sagte sie:
„Der medialen Wirkung war ich mir nicht bewusst. Aber auch ich lerne dazu.“
Einen für Sonntag in Magdeburg geplanten gemeinsamen Bandauftritt mit
AfD-Fraktionschef Oliver Kirchner (Gitarre und Gesang) hatte Wittig (Bass)
kurz zuvor abgesagt. Der Auftritt war im Rahmen der Veranstaltung
„Kriegstüchtigkeit gegen Russland wurde abgewählt“ angekündigt.
Wittig findet, jetzt könne wieder nach vorne geschaut werden: auf die für
Mitte Dezember anberaumte Wahl des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt.
Die Partei bleibe bei ihrer Ansage: Die fünf Abgeordneten würden den
AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund [4][nicht mitwählen]. So steht es auch im
Leitantrag des Bundesvorstands für den Parteitag im November.
Sollte der Rechtsextremist Siegmund seinerseits bei seiner Linie bleiben
und nur im ersten Wahlgang antreten und die brandmauerwacklige CDU-Fraktion
wie angekündigt [5][den Saal verlassen], könnte es in Magdeburg chaotisch
werden.
## Comeback der Bürgerregierung
Das BSW glaubt, dann mit ihrer alten [6][Idee einer Bürgerregierung samt
überparteilichem Ministerpräsidenten] reingrätschen zu können. Scheitert
Siegmund, „kann man die Gespräche wieder auf den Tisch bringen“, so Claudia
Wittig im Gespräch mit Wagenknecht. Der Vorschlag wäre dann „die Lösung“,
um Sachsen-Anhalt „überhaupt regierbar zu machen“. Wagenknecht nannte das
„sensationell“.
„Wir wollen weiterhin einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der mit
wechselnden Mehrheiten regiert“, sagte auch BSW-Generalsekretär Oliver
Ruhnert. „Das heißt aber auch, dass das ohne Einbindung der AfD keinen Sinn
macht.“ Dass die AfD davon offiziell nichts wissen will, nehme das BSW zur
Kenntnis. Aber: „Natürlich gibt es hier auch Signale.“
Bedingungen für einen überparteilichen Kandidaten hatte Claudia Wittig
schon am Tag nach der Landtagswahl im September genannt. Es dürfe
„definitiv kein Wessi“ sein und auch niemand, der „irgendwelche
zionistischen Projekte unterstützt“, sagte Wittig in einem Interview – im
Lieblingsmagazin des BSW: Compact.
18 Oct 2026
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