# taz.de -- Obdachlosigkeit in Hamburg: Tod im Altpapier
       
       > In Hamburg kam ein Mann in einer Altpapierpresse ums Leben. Die Polizei
       > vermutet, dass er in einem Papiercontainer schlief. Das kommt öfter vor.
       
 (IMG) Bild: Hier lauert Gefahr, weshalb die Mitarbeiter der Stadtreinigung anklopfen, bevor sie einen Papiercontainer leeren
       
       Einen grausamen Fund haben Mitarbeitende eines privaten Unternehmens für
       Altpapierverarbeitung an der Hamburger Borsigstraße am vergangenen Freitag
       gemacht. Sie fanden die Leiche eines Mannes im gepressten Altpapier. „Der
       Leichnam konnte mithilfe einer Fingerabdruck-App auf dem Dienst-Smartphone
       der eingesetzten Polizeikräfte identifiziert werden“, berichtet
       Polizeisprecher Patrick Schlüse. Es handle sich bei dem Verstorbenen um
       einen 37-jährigen Slowaken, der [1][vermutlich obdachlos] war.
       
       Der Fall wird nun vom für ungeklärte Todesfälle zuständigen Kommissariat
       414 des Landeskriminalamts untersucht. Nach bisherigen Erkenntnissen, so
       der Sprecher, gingen die Ermittler davon aus, dass der Mann vermutlich in
       einer Altpapiertonne schlief, bei deren Leerung in das Fahrzeug des
       Unternehmens geriet und zum Betriebsgelände gebracht wurde. Schlüse: „Es
       besteht der Verdacht, dass er bereits im Rahmen der Papierpressung im
       Fahrzeug verstorben sein könnte.“
       
       Zuerst hatte das [2][Hamburger Abendblatt] über den Fall berichtet und
       geschrieben, dass die Ermittler von einem Unglücksfall und einer tragischen
       Verkettung von Ereignissen ausgingen. Der Mann habe identifiziert werden
       können, weil er wegen zurückliegender Straftaten erkennungsdienstlich
       erfasst wurde.
       
       Denkbar ist, dass der Mann in der Altpapiertonne Schutz vor der Kälte
       suchte, gab es in der ersten Oktoberwoche doch schon nachts kühle
       Temperaturen um die acht bis neun Grad. Dass dies vorkommt, bestätigt auch
       die [3][Stadtreinigung].
       
       ## In den Containern ist es trocken und windgeschützt
       
       „Es ist ein tragischer Fall, es macht es nicht besser, dass wir als
       Stadtreinigung Hamburg nicht beteiligt waren“, sagt deren Sprecher Kay
       Goetze. Doch auch die öffentlich zugänglichen Container für Papier, Pappe
       und Kartons der Stadtreinigung Hamburg hätten teilweise große Klappen. „Es
       kam schon vereinzelt vor, dass Menschen sich darin aufgehalten haben und
       wir da jemand geweckt haben“, berichtet Goetze. Denn in den Containern sei
       es trocken und windgeschützt.
       
       „Unsere Mitarbeitenden machen sich grundsätzlich bemerkbar und klopfen
       dagegen, bevor sie sie an den Haken nehmen und entleeren“, sagt Goetze zum
       Vorgehen. Sie machten auch Sichtkontrollen. So wolle man ausschließen, dass
       ein Mensch nicht bemerkt wird.
       
       Vor etwa zwei Jahren habe es einen ähnlichen Fall gegeben, aufgrund dessen
       auch kurzzeitig mal Fahrzeuge stillgelegt worden seien. Es sei nicht
       auszuschließen, dass sich auch Straftaten dahinter verbergen könnten, sagt
       Goetze. „An neuralgischen Punkten wie etwa dem Hansaplatz stellen wir keine
       Papiercontainer mit großen Klappen hin.“
       
       Ronald Kelm vom ehrenamtlichen Gesundheitsmobil sagt: „Gerade die
       Übergangszeit zwischen dem Sommer und dem Start des Winternotprogramms ist
       für Obdachlose schwierig, weil es zu wenig Übernachtungsplätze gibt.“ Auch
       gebe es inzwischen zu wenig warme Kleidung und Schlafsäcke, die Helfer an
       die Obdachlosen verteilen können.
       
       Interessant wäre, ob der Tote zuvor im Hilfesystem bekannt war. Hamburgs
       [4][Sozialbehörde] erklärt, danach gefragt, sie könne aus
       Datenschutzgründen zu diesem Einzelfall nichts sagen.
       
       „Es ist in der Tat ein sehr tragischer Fall“, sagt Sprecher Wolfgang
       Arnhold. Der Tod eines obdachlosen Menschen auf Hamburgs Straßen sei immer
       ein schwerer Einschnitt. „Damit wollen wir uns nicht abfinden“, versichert
       Arnhold. Auch wenn sich tragische Verläufe angesichts der oftmals sehr
       schlechten gesundheitlichen Situation langjährig obdachloser Menschen nicht
       in jedem Fall verhindern ließen.
       
       Das Thema „Tod auf der Straße“ stieß [5][vergangenen Winter auf großes
       Interesse], als es im ersten Quartal des Jahres eine zweistellige Zahl an
       toten Obdachlosen im öffentlichen Raum gab. Der [6][NDR berichtete]
       schließlich im Mai unter Berufung auf die Behörde von 27 Fällen von Januar
       bis März.
       
       Laut Wolfgang Arnhold gab es im zweiten Quartal des Jahres neun weitere
       Todesfälle im öffentlichen Raum und im dritten Quartal weitere drei.
       Obdachlose, die in Krankenhäusern versterben, sind hier nicht mitgezählt.
       Die Sozialbehörde werde künftig diese Zahlen im Winter monatsweise online
       veröffentlichen und im Sommer alle Vierteljahre, stellt Arnhold in
       Aussicht. Außerdem [7][arbeite die Sozialbehörde weiter kontinuierlich]
       daran, „Prävention, Schutz und Versorgung weiter zu verbessern“.
       
       Allerdings wurde gerade erst bekannt, dass Hamburg nun auch offiziell die
       Regeln für das am 1. November beginnende [8][Winternotprogramm mit knapp
       800 Plätzen] verschärft. So soll dort spätestens nach drei Übernachtungen
       die Teilnahme an einer Sozialberatung verpflichtend sein und mit einer
       „Identitätsprüfung“ verbunden werden.
       
       Wer keinen Anspruch auf Sozialleistungen in Deutschland hat, weil er aus
       einem anderen Herkunftsland kommt, erhält dann eine „Beratung zu einer
       freiwilligen Rückkehr“. Das Diakonische Werk sieht das kritisch.
       „Erfrierungsschutz darf nicht an Bedingungen geknüpft sein“, sagt deren
       Wohnungslosenexpertin Stefanie Koch. Es sei zu befürchten, dass sich diese
       Kunde schnell verbreitet und Menschen dem Notprogramm fernbleiben.
       
       „Der Umgang mit den obdachlosen Menschen wird immer autoritärer“,
       kritisiert die Linken-Abgeordnete Olga Fritzsche. So hätten ihr
       Parteimitglieder aus Eimsbüttel berichtet, dass dort ein Obdachloser mit
       der Polizei von seiner „Platte“ geräumt wurde.
       
       Sie hat nun in [9][einer Kleinen Anfrage] nachgefragt, wo überall dies in
       Hamburg noch passiert ist. Denn seit einer Neukonzeption der
       Straßensozialarbeit gibt es in vier der sieben Hamburger Bezirke gar keine
       Straßensozialarbeiter mehr. Fritzsches Befürchtung: Die Menschen werden
       dort physisch verdrängt.
       
       16 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Tote-Obdachlose-in-Hamburg/!6149281
 (DIR) [2] https://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg-mitte/article413423317/furchtbarer-tod-in-hamburger-papierpresse-wie-konnte-das-passieren.html
 (DIR) [3] https://www.stadtreinigung.hamburg/
 (DIR) [4] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/sozialbehoerde
 (DIR) [5] /15-Obdachlose-gestorben/!6150829
 (DIR) [6] https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/hamburg-27-obdachlose-in-diesem-jahr-auf-der-strasse-gestorben,obdachlose-192.html
 (DIR) [7] /Obdachlosenhilfe-in-Hamburg/!6153622
 (DIR) [8] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/sozialbehoerde/themen/soziales/obdachlosigkeit/winternotprogramm
 (DIR) [9] https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/lib/pdfjs/web/viewer.html?locale=de-DE&file=https%3A%2F%2Fwww.buergerschaft-hh.de%2Fparldok%2Fdokument%2F105577%2F23_05635_raeumung_von_schlafplaetzen_und_platten_von_obdachlosen_menschen#pagemode=none&search=Urheber:in%20Fritzsche&phrase=false&parldokSearchResults=Urheber:in%20Fritzsche
       
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