# taz.de -- SPD-Bundesparteitag im Januar: Für Klingbeil wird’s richtig eng
       
       > Nach dem Rücktritt von Bärbel Bas brodelt es in der mitgliederstarken
       > NRW-SPD. Führende Genoss:innen bringen Landtagswahl-Spitzenkandidat
       > Jochen Ott ins Spiel.
       
 (IMG) Bild: Das war’s, Lars?
       
       In Nordrhein-Westfalens SPD wächst nach dem Rücktritt von Bärbel Bas als
       Bundesarbeitsministerin und Co-Chefin der Bundespartei die Wut auf den
       verbliebenen SPD-Bundesvorsitzenden Lars Klingbeil. „Beim Parteitag können
       wir nicht durch die Reihen unserer Delegierten laufen, für Lars werben –
       und garantieren, dass er gewählt wird“, warnt ein führender NRW‑Genosse.
       
       Nicht unwahrscheinlich sei es also, dass der Vizekanzler und
       Bundesfinanzminister damit als Parteichef nicht mehr durchkommt. Denn beim
       von Klingbeil selbst angekündigten Bundesparteitag, der am 16. und 17.
       Januar in Bremen stattfinden soll, hat die NRW-SPD immensen Einfluss: Der
       Landesverband mit seinen rund 80.000 Mitgliedern wird knapp ein Viertel der
       Delegierten stellen.
       
       Bärbel Bas hatte [1][ihren Rücktritt am Montag] mit der Trauer um den Tod
       ihrer Stieftochter, aber auch mit „öffentlichen Angriffen auf mich, leider
       auch aus den Reihen des Koalitionspartners“ begründet.
       Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig warf Kanzler
       Friedrich Merz und seiner CDU daraufhin vor, sie verhielten sich
       „unmenschlich“ und „rücksichtslos“.
       
       Zwar nannte auch Klingbeil die CDU-Attacken „unanständig“. Doch nicht nur
       in NRW nehmen [2][besonders Frauen in der SPD] zur Kenntnis, dass mit Bas
       schon die zweite Co-Bundesvorsitzende an Klingbeils Seite zurückgetreten
       ist. Erst im Juni 2025 hatte sich Saskia Esken aus der Parteiführung
       zurückgezogen.
       
       ## SPD-Frauen wollen nicht zurückstecken
       
       Klar müsse sein: „Wenn eine starke Frau die politische Spitze verlässt,
       darf das nicht dazu führen, dass Frauen an Einfluss verlieren“, sagt die
       Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft SPD Frauen in NRW, Christin-Marie
       Stamm. „Gleichstellung ist kein Schönwetterversprechen, sondern muss gerade
       dann gelten, wenn Macht und Verantwortung neu verteilt werden“, fordert die
       Landtagsabgeordnete.
       
       Als undenkbar gilt deshalb, dass ein Mann die SPD allein führt. Klingbeil
       selbst kennt die Stimmung in der Partei und hat bisher offengelassen, ob er
       überhaupt noch einmal antreten will.
       
       In der NRW-SPD, die sich Ende April 2027 einer Landtagswahl stellen muss,
       wird deshalb intensiv nachgedacht. Denn an Rhein und Ruhr ist der Ärger
       groß, dass der mitgliederstärkste Landesverband nach Bas’ Rücktritt keinen
       Bundesminister, keine Bundesministerin mehr stellt. Auch unter den
       stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden ist mit Achim Post nur ein
       Nordrhein-Westfale. „Wir sehen unsere Position wegbrechen“, warnt ein
       führender NRW-Genosse.
       
       SPD‑Landtagsfraktionschef Jochen Ott, [3][der im April auch als
       Spitzenkandidat antritt], will mit einem Schwerpunkt auf die Alltagssorgen
       von Berufstätigen und Familien gegen CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst
       punkten. Es dürfe daher nicht der Eindruck entstehen, von der Bundes-SPD
       mitgetragene Reformen etwa bei Rente und Pflege seien „immer nur
       Sparmaßnahmen“, die einseitig zulasten sozialdemokratischer Wähler:innen
       gingen, heißt es aus Düsseldorf.
       
       ## Unterstützung für Schwesig – aber nicht für Heil
       
       Sollte Manuela Schwesig, die schon im eigenen Landtagswahlkampf die
       Berliner Kürzungspolitik massiv kritisiert hat, als SPD-Chefin antreten,
       wäre ihr die Unterstützung aus NRW deshalb wohl sicher. In Fragen, was dies
       für weitere Personalentscheidungen bedeute, „sortiere“ sich der
       Landesverband aber noch, ist nicht nur aus der Düsseldorfer
       Landtagsfraktion zu hören.
       
       Denn: Sollte Schwesig auf Klingbeil als Co-Vorsitzendem beharren, könnte
       dies dem Vizekanzler das Parteiamt retten. Nötig sei dann aber, dass die
       NRW-SPD mindestens zwei stellvertretende Bundesparteichefs stelle. Im
       Gespräch sind der SPD-Wahlsieger bei der Kommunalwahl 2025, [4][Hamms
       Oberbürgermeister Marc Herter], sowie die Bielefelder Bundestagsabgeordnete
       Wiebke Esdar.
       
       Sollte aber der in NRW als verbraucht geltende Ex-Bundesarbeitsminister
       Hubertus Heil als Bundesparteichef antreten wollen, wird in Düsseldorf
       bereits über Jochen Ott als „Kompromisskandidat“ nachgedacht. Zwar müsse
       sich Ott auf den Landtagswahlkampf konzentrieren. Dennoch könne ihm eine
       Präsenz auf Bundesebene massiv weiterhelfen: „Was hilft im Wahlkampf mehr“,
       fragt ein NRW-Spitzengenosse rhetorisch, „in Bochum Rosen in der
       Fußgängerzone zu verteilen oder bei Markus Lanz als Parteichef in der
       Talkshow zu sitzen?“
       
       15 Oct 2026
       
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