# taz.de -- Reform der Notfallversorgung: Gut, aber nicht gut genug
       
       > Rettungsdienste sind mittlerweile selbst Notfälle: überlastete
       > Einsatzkräfte, übervolle Notaufnahmen. Neue Notfallzentren sollen Abhilfe
       > schaffen.
       
 (IMG) Bild: Die Notfallversorgung in Deutschland ist selbst zum Notfall geworden
       
       Das medizinische Notfallsystem ist überlastet: viele Einsätze, erschöpfte
       Rettungskräfte, überfüllte Notaufnahmen. Eine Reform soll jetzt Abhilfe
       schaffen, der Bundestag [1][hat am Donnerstag ein entsprechendes Gesetz
       beschlossen]. Vielerorts ähnelt ein 12-Stunden-Dienst auf dem Rettungswagen
       Leistungssport: Pausen sind selten, Essen nur zwischendurch möglich. Kaum
       steht das Fahrzeug in der Garage, geht der Pieper erneut los. In der
       Notaufnahme setzt sich die Überlastung fort: Personal ist überarbeitet,
       Wartezimmer sind überfüllt.
       
       Das Problem wird verschärft durch Patient:innen, die einen Arzt brauchen,
       aber keine Notfälle sind. Nur wissen sie nicht mehr, wohin sie sich wenden
       sollen, weil sie wochenlang vergeblich auf einen Termin in der ambulanten
       Versorgung warten. Oder erst gar nicht als Patienten angenommen werden. So
       ist ein Ansatz der Notfallreform, den Rettungsdienst mit der Ambulanz zu
       vernetzen; es sollen integrierte Notfallzentren geschaffen werden. Dort
       sollen Patient:innen sowohl eine Notaufnahme als auch eine
       Notdienstpraxis vorfinden.
       
       Klingt gut, birgt aber eine Gefahr: Medizinisches Personal soll künftig
       entscheiden, wer ambulant versorgt werden kann und wer einen Rettungswagen
       braucht – eine große Verantwortung, bei der kein Fehler unterlaufen darf.
       Gleichwohl könnten sich die Arbeitsbedingungen der Einsatzkräfte leicht
       verbessern, wenn [2][eine bessere Steuerung der Patient:innen] zu
       weniger Einsätzen führt.
       
       Insgesamt ist die Reform ein erster Schritt, um die medizinische Versorgung
       der Bevölkerung zu verbessern. Allerdings konterkarieren andere
       Gesetzesvorhaben die Ziele der Notfallreform. So sorgt die
       [3][Krankenkassenreform, mit der die Finanzlücke der Kassen verringert
       werden soll,] für neue Lücken bei der ambulanten Versorgung. Manche
       Ärzt:innen, die dann weniger verdienen würden, haben bereits angekündigt,
       künftig weder neue Patient:innen aufzunehmen, noch zusätzliche Dienste
       anzubieten. Salopp formuliert: vorn aufgebaut, hinten wieder eingerissen.
       
       15 Oct 2026
       
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