# taz.de -- Landschaftsschutzgebiet Beverau: Der Esel soll bleiben
       
       > In Aachen will die Bundeswehr eine Kaserne ausbauen und dafür hektarweise
       > Natur zerstören. Ein neues Bundesgesetz spielt dabei eine wichtige Rolle.
       
 (IMG) Bild: Eselsweg in Aachen (Beverau)
       
       Einen weniger geeigneten Standort hätte sich die Bundeswehr kaum aussuchen
       können. Ausgerechnet im Landschaftsschutzgebiet Beverau im Südosten Aachens
       soll eine riesige Kasernenanlage entstehen. Versiegelung und
       Naturzerstörung auf 28 Hektar, das sind fast 50 Fußballplätze.
       
       Das Naherholungsgebiet Beverau, eine Wiesen- und Waldlandschaft kaum mehr
       als zwei Kilometer Luftlinie vom Zentrum der nordrhein-westfälischen Stadt
       entfernt, hat überragende ökologische Bedeutung, vor allem als wichtigste
       von drei Kaltluftschneisen Aachens. Messungen zeigen: Hier ist es im Sommer
       bis zu 7 Grad kühler als in der aufgeheizten City unten im Talkessel. Das
       Gebiet gilt als größte natürliche Klimaanlage der Kommune.
       
       Die geplante Erweiterung der kleinen Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne am Rande
       der Beverau um Schulungstrakte, Fahrzeughallen und einen
       Verkehrsübungsplatz, womöglich für Panzer, empört auch durch die lange
       Geheimnistuerei. Auf erste Meldungen im August durch die Aachener Zeitung
       reagierte die Stadtgesellschaft geschockt, inklusive Verwaltung, die
       [1][nichts Näheres gewusst haben will].
       
       Die Verhandlungen zum Verkauf der Wiesen von der bisherigen Eigentümerin,
       der Gut Schönthal GmbH, seien nun schon weit fortgeschritten, so die
       Bundeswehr. Und die Stadt? Oberbürgermeister Michael Ziemons (CDU) ließ
       sich mit dem Satz zitieren: „Die brauchen uns nicht, wir sind raus.“ Sobald
       das Bundeswehr-Infrastrukturbeschleunigungsgesetz in Berlin beschlossen ist
       – derzeit steht seine zweite Lesung im Bundestag bevor –, kann das Militär
       deutlich einfacher machen, was es will. Schon das allgemeine
       Infrastruktur-Zukunftsgesetz, vom Bundestag im Juni 2026 verabschiedet,
       gibt viele Möglichkeiten, [2][ökologische Fragen zu vernachlässigen], etwa
       wenn öffentliche Gebäude oder Autobahnschneisen gebaut werden.
       
       ## Wohnsiedlung wurde 2014 noch verhindert
       
       2014 war das noch anders: Da hatte die Gut Schönthal GmbH auf den
       Beverau-Wiesen eine Wohnsiedlung bauen wollen. Mit diversen Gutachten und
       ökologischen Gründen wurde das Begehren rigoros abgeschmettert – trotz
       Wohnungsnot. Jetzt aber droht Vernichtung – trotz Klimanot.
       
       Erst als Aachener Juristen vor Kurzem kleinteilig darlegten, wie sich die
       Stadt über Verwaltungsgerichte gegen das Vorhaben der Armee wehren könnte,
       kam politisch etwas Bewegung in die Sache. Im Stadtrat vor knapp einer
       Woche bildete sich zumindest [3][formal einhelliger Widerstand].
       Geschlossen verurteilten alle anwesenden Fraktionen das
       demokratiefeindliche Projekt gegen Rat, Verwaltung und Bürgerschaft.
       
       Ein CDU-Stadtrat rechnete derweil vor: Bei einem Platzregen in der
       asphaltierten Kaserne in Beverau, schon mit 50 Litern pro Quadratmeter,
       müssen fast 15 Millionen Liter Regenwasser irgendwohin. Sie würden über den
       Beverbach durch den Tierpark in die Stadt schießen. „Das Problem kann man
       nicht wegwägen“, sagte er trocken. Beim [4][Eifel-Hochwasser 2021] war
       Aachen nur teilbetroffen, trotzdem wurden genau über diese Wasserfront
       einzelne Stadtbereiche kurzzeitig überflutet. OB Ziemons, der nach einem
       Jahr Amtszeit als kundiger Fähnchendreher gilt, kündigte für November
       Gespräche mit den Militärs an.
       
       Derweil schwellen Bürgerproteste an: Die ersten Tausend haben sich in einer
       Gruppe im Messenger Signal zusammengeschlossen. Seit Anfang des Monats gibt
       es wöchentlich Strategietreffen – und viel Zulauf. Weil die Beverau über
       den Eselsweg bewandert und durchjoggt wird, hat sich die Initiative
       plakativ „[5][Eselsweg retten]“ genannt. Und weil Aachen exemplarisch für
       künftige Landraubzüge der Bundeswehr anderswo steht, wollen die BürgerInnen
       Petitionsausschüsse und Umweltministerien warnen und informieren. „Die
       Militarisierung der Gesellschaft darf nicht über alles gehen“, sagt ein
       Initiator.
       
       Am Freitag nun wollen sich Hunderte Eselsweg-RetterInnen zur Kundgebung am
       Aachener Neumarkt versammeln. Spätere Besetzungen sind nicht
       ausgeschlossen. Ein junger Mann hat schon angekündigt, als Erster mit dem
       Zelt auf die Beverau-Wiesen zu ziehen.
       
       21 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.aachener-zeitung.de/lokales/region-aachen/aachen/ob-ziemons-zu-plaenen-der-bundeswehr-wir-sind-raus-auf-unserem-eigenen-stadtgebiet/160319017.html
 (DIR) [2] /Schwarz-Rot-will-auf-die-Tube-druecken/!6157473
 (DIR) [3] https://www.aachener-zeitung.de/lokales/region-aachen/aachen/politik-einig-auf-der-beverau-soll-keinesfalls-eine-kaserne-gebaut-werden/163105152.html
 (DIR) [4] /5-Jahre-Ahrtal-Katastrophe/!6194337
 (DIR) [5] https://eselsweg-retten.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Müllender
       
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