# taz.de -- Besteuerung von Unternehmenserben: Absurde Bevorzugung
> Weil die Erbschaftsteuer beim Erben großer Unternehmen sehr hoch wäre,
> werden Erb:innen meist völlig verschont. Die Besserstellung ist nicht
> vermittelbar.
(IMG) Bild: Wer ein Unternehmen erbt, muss kaum Erbschaftsteuer bezahlen, um das Unternehmen und die Arbeitsplätze nicht zu gefährden
Am liebsten würden Unternehmen gar keine Steuern zahlen. Keine
Körperschaftsteuer, keine Gewerbesteuer, keine Grundsteuer. Dafür gäbe es
sicher auch gute volkswirtschaftliche Gründe. Denn wenn das Unternehmen
Steuern zahlen muss, kann es weniger investieren, verliert deshalb den
Anschluss und am Ende sind die Arbeitsplätze gefährdet.
Was wie linke Satire klingt, ist bei der Erbschaftsteuer rechtliche
Realität. [1][Wer ein Unternehmen erbt, muss kaum oder gar keine
Erbschaftsteuer bezahlen, um das Unternehmen und die Arbeitsplätze nicht zu
gefährden.] Das ist gesetzlich ausdrücklich so geregelt. [2][Und diese
Argumentation hat das Bundesverfassungsgericht bereits 2014 gebilligt.]
Auch nach der mündlichen Verhandlung am gestrigen Dienstag zeichnet sich
nicht ab, dass das Bundesverfassungsgericht bald anders entscheiden wird.
Warum aber sind Politik und Justiz bei der Erbschaftsteuer so viel
großzügiger als bei sonstigen Steuern? Es ist die Höhe der Steuer, die den
Unterschied macht. Wer ein Unternehmen erbt, müsste eigentlich 30 Prozent
des Wertes als Erbschaftsteuer an den Staat abgeben. Nicht 30 Prozent des
Gewinns oder des Jahresumsatzes, sondern 30 Prozent des Unternehmenswertes.
Das ist eine enorme Belastung, auch wenn sie auf zehn Jahre gestreckt
werden kann. Dass es deshalb für Unternehmenserben Ausnahmen gibt, ist
nachvollziehbar und kein Skandal.
Die allgemeinen Verschonungsregeln für Unternehmenserben sehen vor, dass
diese nur etwa 5 Prozent Erbschaftsteuer bezahlen müssen, wenn sie das
Unternehmen fortführen. Bei Erben großer Unternehmen (mit einem Wert von
über 26 Millionen Euro) gilt diese Regel jedoch nicht, hier wird
ausdrücklich geprüft, ob die Erben wirklich nicht zahlen können. [3][Dies
sollte eigentlich dazu führen, dass Großunternehmenserben mehr
Erbschaftsteuern zahlen. Unter dem Strich wurde jedoch das Gegenteil
erreicht, dass sie fast gar keine Steuern mehr zahlen.]
Für diese nochmalige Besserstellung gibt es keinen Grund.
Großunternehmenserben sollten wenigstens so viel Steuern bezahlen wie
andere Unternehmenserben auch. Das würde auch den inzwischen weit
verbreiteten Eindruck korrigieren, dass Firmenerben ganz absurd bevorzugt
werden.
14 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Christian Rath
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