# taz.de -- Kunstsammlung der NVA zu sehen: Bekenntnisse unterm Hochdruckreiniger
       
       > Die DDR-Volksarmee hat Kunst gesammelt. Im Militärhistorischem Museum
       > Dresden arbeitet eine Ausstellung auf, unter welch ambivalenten
       > Verhältnissen das vor sich ging.
       
 (IMG) Bild: „Kraft des Kollektivs“ lautete der Auftrag der NVA, daraus entstand 1984 Ingo Arnolds „Gefechtsübung mit David“
       
       Der Auftakt im Museumsfoyer in Dresden gibt die Richtung vor: Harry Blumes
       farbenfrohem, großformatigem Bild im Stil des sozialistischen Realismus mit
       dem Titel „Kraftquell aller Erfolge ist die führende Rolle der Partei“
       hängt ein dystopisch wirkendes Gemälde in Grautönen gegenüber:
       „Wintereinsatz“ von Hans-Peter Müller soll eigentlich das Engagement der
       Nationalen Volksarmee der DDR (NVA) bei der Schneekatastrophe im Winter
       1978/79 würdigen, doch wirkt es weder wie eine heroische Selbstdarstellung
       noch wie ein Propagandagemälde.
       
       Die Ausstellung „Kunst auf Kommando?“ will eben diese stilistische und
       qualitative Bandbreite der Kunst abbilden, die sich in der Sammlung der NVA
       befand und nach 1990 in den Bestand des Militärhistorischen Museums der
       Bundeswehr überging.
       
       Er umfasst circa 45.000 Exponate und wird seit 2000 um „Werke, die
       seinerzeit den offiziellen Positionen zuwiderliefen und ungewohnte Blicke
       auf das Militär der DDR bieten“, ergänzt, wie Kuratorin Katja Protte in
       ihrer Eröffnungsrede bemerkt.
       
       Doch schon die Sammlung vor 1989 ist vielschichtiger als man erwarten
       könnte – neben Schlachtengemälden enthält sie eine Vielzahl an Arbeiten,
       die auch die weniger erbaulichen Seiten des Soldatenlebens einfangen. Und
       sie ist besser erforscht als beispielsweise der Kunstbestand des
       [1][Zentrums für Kunstausstellung (ZfK), der nach der Wende an die
       ifa-Galerie ging] und dort erst seit einigen Jahren systematisch
       aufgearbeitet wird.
       
       Protte, deren offizieller Titel „wissenschaftliche Oberrätin“ lautet, ist
       dagegen schon seit 2003 am Militärhistorischen Museum der Bundeswehr und
       widmet sich als Sachgebietsleiterin Kunst der Beforschung seiner Sammlung.
       Denn ja, die NVA hat auch Kunst gesammelt: Großplastiken, Gemälde, auch
       Grafiken und Plakate, ab den 1960er Jahren in Auftrag gegeben oder
       angekauft. Wie gründlich das nun beforscht wird, zeigt sich nicht zuletzt
       in dem umfangreichen Katalog, der zur Ausstellung erschienen ist.
       
       „Kunst auf Kommando?“ ist chronologisch aufgebaut und in mehrere Kapitel
       unterteilt, zeigt dicht gehängt eine exemplarische Auswahl, ergänzt um
       einige Leihgaben. Ihr Anliegen ist der genaue Blick – auf die
       unterschiedlichen Motive, die zum Teil doppelgleisigen
       Künstler*innenbiografien und mitunter widersprüchlichen
       Provenienzgeschichten der Werke – ohne dass die ideologische Komponente
       dabei unter den Tisch gekehrt wird. Auf diese Weise zeigt sich, wie
       differenziert die Kunst beurteilt werden muss.
       
       ## Triste Zeichnung abgehängt, aber trotzdem gekauft
       
       Ein Beispiel: Manfred Butzmann fertigte eine Serie von Grafiken an, die auf
       Skizzen basierten, die er 1976 bei seinem Reservedienst angefertigt hatte.
       Sie dokumentieren die triste wie monotone Kasernenumgebung und wurden
       trotzdem auf der offiziellen VIII. staatlichen Kunstausstellung der DDR
       1977/78 in Dresden gezeigt. Obwohl einige der Skizzen kurzfristig abgehängt
       wurden, hatte man sie ein Jahr später für die Sammlung erworben.
       
       Auf ein weiteres Spannungsfeld macht der Historiker Bernd Lindner in seiner
       Rede zur Ausstellungseröffnung aufmerksam: Zwar war es unter
       Künstlerkolleg*innen nicht besonders angesehen, für die NVA zu
       arbeiten, gleichzeitig lockte gute Vergütung. Lindner weist zudem auf die
       „feinen Finten“ hin, mit denen die Künstler*innen die offizielle Line
       und den konkreten Auftrag zu ihren Gunsten aufweichten. Offenbar gab es in
       der Motivwahl und Darstellungsweise gewisse Spielräume, obwohl sich die NVA
       vorenthielt, Nachbesserungen einzufordern oder Arbeiten zurückzugeben – und
       auf die Stasi zurückgriff, um Künstler*innen überwachen und
       gegebenenfalls zersetzen zu lassen.
       
       Der Verdienst der Ausstellung ist es, diese komplexe Kunstlandschaft
       abzubilden. Sie zeigt, wie unterschiedlich sowohl namhafte
       Künstler*innen der DDR, etwa Willi Sitte [2][oder Werner Tübke], als
       auch Laienkünstler*innen für die NVA arbeiteten. Es sind Schlacht- und
       Abschiedsszenen zu sehen, Soldaten, die als Befreier kamen und
       „Soldatenbilder[n], die dem Zeitgeist [der 1980er-Jahre] entsprechend
       Melancholie und Problembewusstsein ausstrahlten“, wie Protte im Katalog
       schreibt.
       
       ## Zwischen Panzern und Militärflugzeugen
       
       Die Erweiterung der Ausstellung in den Außenraum, die die Kuratorin Elke
       Neumann verantwortet, trägt einen wichtigen Teil zum differenzierten Blick
       auf die Sammlung bei. Neben Panzern und Militärflugzeugen, die dauerhaft
       vor dem Museumsbau platziert sind, steht nun ein Wachhäuschen [3][mit einer
       Videoarbeit von Sven Johne]. Es ist die Dokumentation einer Performance aus
       dem Jahr 2000, als Johne Student an der HGB Leipzig war. Darin steht er
       nackt vor einer Wand und hält den Strahlen eines Hochdruckreinigers stand,
       die ein Mann im Schutzanzug auf ihn richtet. Einem gewaltvollen Zugriff
       wird ein verletzlicher Körper entgegengestellt. Eindrücklich und pointiert
       macht Johne hier das ambivalente Verhältnis zum Militär (in der DDR)
       deutlich.
       
       15 Oct 2026
       
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