# taz.de -- Trump-Gegnerin Ilhan Omar: Hausdurchsuchung kurz vor den Wahlen
       
       > Die somalischstämmige Abgeordnete Ilhan Omar wird regelmäßig von
       > US-Präsident Donald Trump beleidigt. Hat er die Justiz
       > instrumentalisiert, um sie einzuschüchtern?
       
 (IMG) Bild: Die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar
       
       Bundesbeamte des US-Heimatschutzministeriums haben [1][drei Wochen vor den
       Kongresswahlen] die Wohnung der demokratischen Abgeordneten Ilhan Omar in
       der US-Hauptstadt Washington, D.C., durchsucht. Die 44-jährige Omar
       kandidiert derzeit in ihrem Wahlkreis in Minnesota für eine fünfte Amtszeit
       fürs Repräsentantenhaus. Sie gehört dem linken Flügel der Demokraten an,
       ist die einzige somalischstämmige Abgeordnete in den USA, zusammen mit
       Rashida Tlaib aus Michigan die einzige Muslima im Haus – und eine Hassfigur
       für Präsident Donald Trump.
       
       Trump hegt gegen Somalia und alle somalischstämmigen Personen eine
       besondere, extrem rassistisch unterlegte Wut. Bei Wahlkampfveranstaltungen
       beleidigt er schon mal das ganze Land, [2][nennt alle Somalier „Müll“].
       Somalia ist eines der Länder, die Trump sowohl während seiner ersten als
       auch in seiner zweiten Amtszeit mit einem Einreiseverbot belegten.
       
       Während der Fußballweltmeisterschaft ließen seine Behörden nicht einmal
       einen von der Fifa bestellten [3][somalischen Schiedsrichter einreisen].
       Über Ilhan Omar log Trump schon 2019, sie habe nach den Anschlägen vom 11.
       September 2001 gefeiert und getanzt – was ihr serienweise Morddrohungen
       einbrachte und sie ernsthaft gefährdete. Omar, forderte Trump, gehöre
       „verdammt nochmal aus dem Land geschafft“.
       
       Angeblicher Grund der Hausdurchsuchung am Montag seien Hinweise darauf,
       dass es bei der Einwanderung ihrer Familie 1995 und der anschließenden
       Einbürgerung nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Das behaupten
       republikanische Politiker öffentlich, seit Omar vor gut zehn Jahren die
       nationale politische Bühne betrat. Beweise bislang: null.
       
       ## ICE-Kritikerin im Visier der MAGA-Clique
       
       Ilhan Omar wurde 1982 in Mogadischu geboren. 1990 flohen ihre Eltern mit
       den insgesamt acht Kindern vor dem somalischen Bürgerkrieg zunächst nach
       Kenia. 1995 erhielten sie Asyl in den USA, im Jahr 2000 erhielt Ilhan Omar
       die US-Staatsbürgerschaft. Sie studierte Politikwissenschaft und
       Internationale Beziehungen. Ihren Werdegang hat Omar selbst unter dem Titel
       „This Is What America Looks Like: My Journey from Refugee to Congresswoman“
       aufgeschrieben, das Buch wurde 2020 veröffentlicht.
       
       Als die von der Trump-Regierung losgeschickten Truppen der Ausländerpolizei
       ICE im Januar dieses Jahres in Minneapolis [4][die Protestierende Renee
       Good erschossen], verurteilte Omar das als Mord, forderte eine umfassende
       Untersuchung und letztlich die Auflösung der Behörde, die immer wieder
       durch Übergriffe und tödliche Gewalt auffällt. Forderungen, mit denen Omar
       keineswegs alleinsteht – die sie aber dennoch zur besonderen Zielscheibe
       der MAGA-Führung um Donald Trump machen.
       
       Schon im vergangenen Jahr hatte [5][Tom Homan, Trumps sogenannter
       „Grenz-Zar“], gegenüber dem rechten Sender Newsmax bedauert, dass frühere
       Ermittlungen gegen Omar nicht weit genug gegangen seien. Im März dieses
       Jahres behauptete Vizepräsident J. D. Vance gegenüber dem rechten Podcaster
       Benny Johnson, man wisse ganz sicher, dass Omar nur durch Betrug an die
       US-Staatsbürgerschaft gelangt sei – jetzt gehe es nur noch darum, die
       richtigen rechtlichen Schritte einzuleiten, um „Gerechtigkeit für das
       amerikanische Volk“ walten zu lassen. Stephen Miller, der ewige
       Scharfmacher der MAGA-Clique und heute stellvertretender Stabschef im
       Weißen Haus, stieß ins gleiche Horn.
       
       ## Demokraten: „Missbrauch der Justiz“
       
       Beweise für ihre Behauptungen liegen bis heute nicht vor. Stattdessen nun
       aber eine öffentlichkeitswirksame Hausdurchsuchung nur 22 Tage vor den
       diesjährigen Midterm Elections. Auch das ist ein Bruch mit den
       Gepflogenheiten: Eigentlich untersteht das Justizministerium dem Gebot,
       öffentlichkeitswirksame Aktionen gegen Kandidat*innen für politische
       Ämter ab 60 Tagen vor einer Wahl nicht mehr durchzuführen, sofern nicht
       unmittelbare Gefahr im Verzug ist. Trump selbst hatte sich bitter
       beschwert, als der damalige Sonderermittler Jack Smith im September 2024
       die [6][gesammelten Beweise für Trumps Rolle beim Kapitolsturm] im Januar
       2021 vorgelegt hatte.
       
       Heute verteidigt Trump die Aktion der Behörden, behauptet aber, rein gar
       nichts damit zu tun zu haben: „Ich verstehe, dass sie sich sie sehr genau
       anschauen. Sie kommt aus einem Land, das keines ist. Und dann kommt sie
       hierher und beschwert sich über unsere Verfassung. Ich denke, sie ist eine
       schreckliche Person. Aber das ist wirklich Sache des Justizministeriums.“
       Er habe damit nichts zu tun.
       
       Omar selbst hat stets erklärt, sie sei in keiner Hinsicht besorgt über die
       Ermittlungen, weil die Vorwürfe frei erfunden seien. Die demokratischen
       Fraktionsvorsitzenden verurteilten die Durchsuchung am Montag scharf als
       einen „skrupellosen Machtmissbrauch“. Die Durchsuchung sei „zutiefst
       verstörend und werfe ernsthafte Fragen über den fortdauernden Missbrauch
       der Justiz gegen Donald Trumps Gegner auf“.
       
       13 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Pickert
       
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