# taz.de -- Angriff auf US-Demokratin: Mann sprüht Abgeordneter Omar Substanz ins Gesicht
> Die Kongressabgeordnete Ilhan Omar ist seit Langem Ziel von Trumps
> Verbalattacken. Kurz nach neuen Schmähungen wird sie körperlich
> angegriffen.
(IMG) Bild: Als mutmaßlichen Täter identifizierte die Polizei den 55-jährigen Anthony K
ap/dpa | Ein Mann sprühte der US-Kongressabgeordneten Ilhan Omar in
Minneapolis mit einer Spritze eine unbekannte Substanz ins Gesicht.
Daraufhin wurde der Mann bei der Town-Hall-Veranstaltung am Dienstag
(Ortszeit) zu Boden gebracht. Das Publikum jubelte, während er fixiert
wurde und seine Arme auf den Rücken gebunden wurden. In einem Video von der
Veranstaltung ist jemand aus der Menge zu hören, der sagt: „Oh mein Gott,
er hat ihr etwas ins Gesicht gesprüht.“
Kurz zuvor hatte Omar, eine Demokratin, [1][die Abschaffung der
US-Einwanderungsbehörde ICE] und den Rücktritt von Heimatschutzministerin
Kristi Noem gefordert. „ICE kann nicht reformiert werden“, sagte sie.
Nach dem Spritz-Angriff habe ein starker, essigartiger Geruch in der Luft
gelegen, berichtete ein Journalist der AP, der vor Ort war. Fotos der
Spritze, die zu Boden gefallen war, zeigten eine offenbar hellbraune
Flüssigkeit im Inneren. Von offizieller Seite gab es zunächst keine Angaben
dazu, um welche Substanz es sich handelte. Unter den etwa 100 Besuchern der
Veranstaltung zeigte zunächst niemand eine erkennbare körperliche Reaktion
auf die Substanz.
Das Stadtratsmitglied von Minneapolis LaTrisha Vetaw sagte, ein Teil der
Substanz sei auch mit ihr und einem Mitglied des Senats des Bundesstaates
Minnesota, Bobby Joe Champion, in Kontakt gekommen. Sie bezeichnete den
Vorfall als zutiefst verstörend.
## Angreifer festgenommen und identifiziert
Als mutmaßlichen Täter identifizierte die Polizei den 55-jährigen Anthony
K. Der Mann sei wegen Körperverletzung festgenommen und in das
Bezirksgefängnis gebracht worden. Zudem hätten forensische Ermittler den
Tatort untersucht, erklärte Polizeisprecher Trevor Folke.
Omar setzte die Town-Hall-Veranstaltung nach Angaben der Polizei noch etwa
25 Minuten fort, nachdem der Mann von ihrem Sicherheitsteam aus dem Raum
geführt worden war.
## Omar: „Ich lasse mich nicht von Mobbern einschüchtern“
Beim Verlassen des Veranstaltungsortes sagte Omar, sie sei etwas aufgewühlt
gewesen, aber nicht verletzt worden. Sie sollte noch von einem
medizinischen Team untersucht werden. Später schrieb sie auf der Plattform
X: „Mir geht es gut.“ Sie habe überlebt und „dieser kleine Provokateur“
werde sie nicht davon abhalten, ihre Arbeit zu tun. „Ich lasse mich nicht
von Mobbern einschüchtern.“
Das Weiße Haus reagierte am Dienstagabend zunächst nicht auf eine Anfrage
nach einer Stellungnahme. Omar hat Wurzeln in Somalia und ist in der
Vergangenheit mehrfach zur Zielscheibe des US-Präsidenten Donald Trump
geworden. Wiederholt hat er somalische Migranten in den USA, ihr Heimatland
sowie Omar selbst beleidigt und dabei sein Augenmerk auf Minneapolis
gerichtet, wo eine große somalischstämmige Gemeinde zu Hause ist. Während
einer Kabinettssitzung im Dezember bezeichnete er Omar als „Müll“ und fügte
hinzu: „Ihre Freunde sind Müll.“
## Trump heizt in Iowa ein
Nur wenige Stunden vor dem Angriff auf Omar teilte der Präsident bei einem
Auftritt vor einer Menschenmenge in Iowa erneut gegen die muslimische
Kongressabgeordnete aus. Er sagte, seine Regierung werde nur Einwanderer
ins Land lassen, die „zeigen können, dass sie unser Land lieben“.
„Sie müssen stolz sein, nicht so wie Ilhan Omar“, sagte er. Als er ihren
Namen nannte, gab es laute Buhrufe. Er fügte hinzu: „Sie kommt aus einem
Land, das eine Katastrophe ist.“ Er glaube, Somalia sei „nicht einmal ein
Land“, behauptete der Präsident.
Omar ist US-Staatsbürgerin. Sie floh im Alter von acht Jahren mit ihrer
Familie aus ihrem Geburtsland Somalia, als dort der Bürgerkrieg ausbrach.
Im Großraum Minneapolis/St. Paul leben rund 84.000 Menschen somalischer
Herkunft – das ist fast ein Drittel aller in den USA lebenden Somalier.
## Politiker verurteilen den Angriff
Der demokratische Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, zeigte sich dankbar,
dass Omar unverletzt geblieben sei, und schrieb auf X: „Unser Bundesstaat
ist im vergangenen Jahr durch politische Gewalt erschüttert worden. Die
grausame, aufhetzende und entmenschlichende Rhetorik unserer nationalen
Führungspersönlichkeiten muss sofort aufhören.“
Auch die republikanische Abgeordnete Nancy Mace aus South Carolina
verurteilte den Angriff. „Es erschüttert mich zutiefst zu erfahren, dass
die Abgeordnete Ilhan Omar heute bei einer Town Hall angegriffen wurde“,
schrieb Mace auf X. „Unabhängig davon, wie entschieden ich ihrer Rhetorik
widerspreche – und das tue ich –, sollte kein gewählter Amtsträger
körperlichen Angriffen ausgesetzt sein. Das sind wir nicht.“
Der demokratische Bürgermeister von Minneapolis Jacob Frey sagte:
„Inakzeptabel. Gewalt und Einschüchterung haben in Minneapolis keinen
Platz. Wir können unterschiedlicher Meinung sein, ohne Menschen in Gefahr
zu bringen.“
Bedrohungen gegen Mitglieder des US-Kongresses haben in den vergangenen
Jahren zugenommen. Die Zahl der Fälle erreichte 2021 und in der Zeit nach
dem Angriff auf das Kapitol am 6. Januar jenes Jahres ihren Höhepunkt, ging
anschließend leicht zurück und stieg dann erneut an, wie aus den jüngsten
Daten der US-Kapitolpolizei hervorgeht.
## Trump spricht nun von „Deeskalation“ in Minneapolis
US-Präsident Donald Trump stellt nach den tödlichen Schüssen in Minneapolis
[2][einen gemäßigteren Kurs seiner Regierung] in Aussicht. „Wir werden ein
wenig deeskalieren“, sagte Trump im Interview des Senders Fox News. Details
nannte er nicht. Damit blieb etwa offen, ob oder in welchem Umfang sich die
von Teilen der US-Bevölkerung scharf kritisierten Taktiken der
Einwanderungsbeamten ändern sollen. Einen Abzug der Einsatzkräfte aus dem
US-Bundesstaat Minnesota, in dem Minneapolis liegt, schloss Trump zunächst
aus.
Zwei US-Bürger sind seit Jahresbeginn in Minneapolis von Bundesbeamten
erschossen worden, [3][Anfang Januar Renée Good, zuletzt Alex Pretti.] Dazu
sagte Trump nun: „Unterm Strich war es schrecklich. Beide Vorfälle waren
schrecklich.“ Die tödlichen Schüsse auf Pretti am Wochenende hatten
landesweit Empörung ausgelöst und die US-Regierung in Erklärungsnot
gebracht, auch weil Videos den offiziellen Stellungnahmen widersprachen.
Good war Anfang Januar von einem ICE-Beamten erschossen worden.
## Kein Abzug der Einwanderungsbeamten
„Ich sehe darin keinen Abzug“, sagte Trump mit Blick auf den Rückzug des
umstrittenen Kommandeurs der Grenzschutzbehörde, Gregory Bovino, samt
einiger Grenzschutzbeamten aus Minneapolis. „Es ist eher eine kleine
Veränderung.“
Den Einsatz übernimmt nun stattdessen Tom Homan. Homan blickt auf eine
jahrzehntelange Karriere in Grenzschutzbehörden zurück und wird vor allem
mit dem Vorgehen gegen irreguläre Einwanderer während Trumps erster
Amtszeit in Verbindung gebracht. Umstritten ist er wegen seiner Rolle bei
der Trennung von Familien.
Die US-Regierung hatte Tausende Bundesbeamte in die Stadt Minneapolis und
den umliegenden Bundesstaat Minnesota geschickt. Die Einsätze sind Teil der
verschärften Abschiebepolitik Trumps. In dem Interview des Senders Fox
schien Trump den Einsatz grundsätzlich zu verteidigen: „Wir haben Tausende
unbelehrbare Kriminelle aus Minnesota entfernt“, sagte der Präsident.
28 Jan 2026
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