# taz.de -- Angriffe auf Kühlanlagen: Eiskalt erwischt
> Die Cyberattacken zeigen, wie verwundbar unsere Versorgung mit
> Lebensmitteln ist. Und wie sehr der Schutz kritischer Infrastruktur
> vernachlässigt wird.
(IMG) Bild: In einem Supermarkt in Schweden wird geschmolzenes Eis entsorgt
Es gibt Attacken, die lassen uns kurz staunen und verschwinden dann wieder
aus der persönlichen Wahrnehmung. Und es gibt Attacken, die für
Hilflosigkeit und Verunsicherung sorgen. Letzteres haben die Täter:innen
hinter den [1][Cyberangriffen auf Kühlsysteme] in etlichen Supermärkten
Europas auf jeden Fall geschafft.
Unsere Versorgung mit Lebensmitteln ist verwundbar – und dies offenbar mit
recht einfachen Mitteln. In Frankreich wurden bereits Anfang Oktober
digitale Steuerungssysteme von Gefriertruhen und Kühlschränken in
Einkaufsläden aus der Ferne manipuliert. Jetzt folgen Schweden, Italien,
Belgien, Estland, Finnland [2][und Deutschland].
Statt gekühlt wurden die Lebensmittel eher gegart, auf soften 50 Grad. Die
Nahrungsmittel haben die Hitzeattacke nicht überlebt und mussten
größtenteils entsorgt werden. Der verursachte Gesamtschaden dürfte
Hunderttausende Euro betragen.
Die Lebensmittelversorgung und damit auch die Kühlketten zählen zur
kritischen Infrastruktur, die besonders im Fokus von Supermarktinhabern und
Firmen stehen müssen. So schreiben es entsprechende Gesetze vor. Doch
selbst in hoch digitalisierten Zeiten, in denen Begriffe wie hybride
Kriegsführung, Sabotageakte [3][oder Cyberkriminalität] zum
Standardrepertoire möglicher Gefahrenlagen gehören, ist die Sicherung
solcher Systeme offenbar noch immer nicht ganz oben auf der Agenda der
Unternehmen angekommen.
Gibt es unabhängige Netzwerke, die Versorgungskreise voneinander trennen?
Sind die Passwörter sicher, um auf die digitalen Systeme zuzugreifen, und
gibt es einen „doppelten Boden“, also eine alternative Überwachung der
Kühlung? Vielleicht sogar ganz menschlich, also in Form von Personal, das
die Temperaturen ab und an kontrolliert? Ganz zu schweigen von
Notfallplänen, wenn ein System ausfällt.
Erschreckend sind in den aktuellen Fällen sowohl die politischen Antworten
als auch die Äußerungen der Unternehmen, so naiv und hilflos, wie sie
daherkommen. Es brauche mehr Anstrengung beim Schutz von digitaler Gebäude-
und Betriebstechnik, sagt etwa Digitalminister Karsten Wildberger (CDU).
Und Firmen stellen überrascht fest, dass im KI-Zeitalter Attacken
diffiziler, schneller und durchschlagender werden. Tja, wer hätte gedacht,
dass [4][Digitalisierung nicht nur Personalkosten einspart], sondern auch
Nebenwirkungen hat.
Noch ist unklar, wer hinter den Cyberattacken steckt. War es Sabotage – gar
initiiert von „fremden Mächten“? War es gewöhnliche Kriminalität von
Täter:innen, die die Inhaber der Supermärkte erpressen wollen? Klar ist,
dass mehr Bewusstsein für den Schutz kritischer Infrastruktur nicht bloß
eine Option ist, sondern alternativlos.
3 Nov 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tanja Tricarico
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