# taz.de -- Nach Trumps Diesel-Deal mit Putin: Rückhalt für Selenskyj
       
       > Der ukrainische Präsident nennt Trumps Diesel-Abkommen „Investition in
       > den Krieg“. Der ging mit einem heftigen Angriff auf Saporischschja
       > weiter.
       
 (IMG) Bild: Saporischschja am Samstagmorgen: Rettungskräfte suchen in den Trümmern eines zerstörten Wohnhauses nach Überlebenden
       
       Die Beziehungen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem ukrainischen
       Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj haben am Wochenende einen neuen Tiefpunkt
       erreicht. Selenskyj machte gegenüber den Medien seinem Ärger über Trumps
       Vereinbarung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin Luft: russische
       Diesellieferungen in die USA sollen bis April 2027 in steigendem Umfang
       wieder möglich sein. Auf Telegram schrieb Selenskyj: „Die Erlaubnis für
       Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg
       (gegen die Ukraine), den man beenden und nicht verlängern muss.“ Moskau
       werde mit weiterem „Terror und Gemeinheiten“ danken.
       
       Für zusätzlichen Unmut in Kyjiw sorgt, dass Trump seine Entscheidung
       verkündete, während sich zeitgleich eine ukrainische Verhandlungsdelegation
       in Miami aufhielt, um über Bedingungen für ein Ende des Kriegs mit Russland
       zu sprechen.
       
       Auch Trumps Äußerung vom Samstag, die Ukraine brauche möglicherweise einen
       neuen Präsidenten, stieß in der ukrainischen Präsidialadministration auf
       scharfe Kritik. Außenminister Andrij Sybiha schrieb am Abend auf der
       Plattform X, Selenskyj genieße die Unterstützung des ukrainischen Volkes
       und dieses habe das Recht, selbst zu entscheiden. „Äußerungen aus dem
       Ausland bestätigen nur, dass er seine Aufgabe gut erfüllt. Er verdient
       Unterstützung.“ Eine Wahl zu Kriegszeiten ist in der Ukraine
       verfassungsrechtlich ausgeschlossen.
       
       ## „Terror und Gemeinheiten“
       
       Unterdessen gehen „Terror und Gemeinheiten“, wie Selenskyj mit Blick auf
       den russischen Aggressor formulierte, unvermindert weiter: Bei einem
       russischen Luftangriff auf Saporischschja sind am Samstag 20 Menschen
       getötet worden, darunter vier Kinder.
       
       „Die ganze Stadt stand unter Schock“, sagt Alexej Garkusa, Pastor einer
       mennonitischen Gemeinde. „Der russische Luftangriff traf das Zentrum der
       ukrainischen Großstadt. In einem Umkreis von etwa 500 Metern gingen
       Fensterscheiben zu Bruch, zahlreiche Menschen wurden verletzt“, so Garkusa
       zur taz.
       
       Die Rettungskräfte hätten auch die Zivilbevölkerung zur Mithilfe
       aufgefordert. Für viele sei dieser Einsatz zur Bergung von Toten und
       Rettung von Verletzten eine traumatische Erfahrung geworden, berichtet
       Garkusa. „Für jemanden, der noch nie Tote geborgen hat, ein enormer
       Schock.“ Dass auch Kinder zu den Opfern gehören, erschüttert die Stadt
       besonders.
       
       Ljuba Starodworska, Chefredakteurin der in Saporischschja erscheinenden
       Zeitung Goroschanin, ist besonders erschüttert über das Schicksal einer
       Familie aus der 12 Kilometer von Saporischschja entfernten Ortschaft
       Kuschuhum. Die Familie war von dort nach Saporischschja geflohen, weil sie
       sich in der Metropole mehr Sicherheit erhoffte. Nun sei die ganze Familie
       tot.
       
       ## Dialyseklinik sorgt sich um Personal
       
       Wie sehr [1][die anhaltenden Angriffe das Leben in Saporischschja]
       beeinträchtigen, zeigt sich auch in einer Dialyseklinik. Der Ingenieur
       Serhij Makarenko arbeitet im Nephrologischen Zentrum der Stadt und ist
       zugleich selbst einer von rund 200 Patienten, die dort dreimal pro Woche
       eine Dialyse erhalten.
       
       Makarenko sorgt sich um die Beschäftigten der Klinik. Einige
       MitarbeiterInnen seien bereits aus umliegenden Dörfern nach Saporischschja
       geflohen, um sich vor den Angriffen in Sicherheit zu bringen. Aber auch
       Saporischschja sei da womöglich nur eine Durchgangsstation. „Wenn das so
       weitergeht, werden wir unsere besten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
       verlieren“, befürchtet er – und die Region das einzige bisher zuverlässig
       arbeitende Dialysezentrum weit und breit.
       
       11 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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