# taz.de -- Von Trump verkündete Energie-Waffenruhe: Kreml plötzlich wortkarg
> Die russische Regierung hat zu der von Trump verkündeten
> Energie-Waffenruhe nichts zu sagen. Auf eine längere Unterbrechung der
> Kampfhandlungen werde man sich nicht einlassen.
(IMG) Bild: Kremlchef Wladimir Putin spielt auf Zeit
Solange es um rein profitorientierte Absprachen geht, sind sich Donald
Trump und Wladimir Putin schnell einig. Dass der US-Präsident seinem
russischen Amtskollegen für dessen Bereitstellung von über 1,8 Millionen
Tonnen Dieseltreibstoff für den US-amerikanischen Markt ausdrücklich
dankte, war den russischen Medien eine Extrameldung wert. Andere
Initiativen des selbst ernannten Friedensbringers aus Übersee treffen in
Moskau hingegen auf weitaus weniger Begeisterung.
[1][Trumps am vergangenen Sonntag in seinem sozialen Netzwerk Truth Social
mit „sofortiger Wirkung“ erklärte „Energie-Waffenruhe“ zwischen Russland
und der Ukraine blieb ungehört]. Darauf hätten sich angeblich beide Seiten
geeinigt, hatte es geheißen. Kremlsprecher Dmitri Peskow äußerte sich dazu
nur knapp dahingehend, dass der Kontakt aufrechterhalten werde. Im Moment
gebe es dazu jedoch nichts zu sagen. Die russischen Streitkräfte
attackierten die ukrainische Energieinfrastruktur jedenfalls unbeirrt
weiter.
Dafür frohlockte der russische Sondergesandte und Leiter des staatlichen
Anlagenfonds RFPI Kirill Dmitrijew auf X nach [2][Trumps Äußerung, die
Ukraine brauche einen neuen Präsidenten]. Das sei ein „symbolträchtiger und
historischer Moment“. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gab
sich schlagfertig und stellte Neuwahlen in Aussicht unter der Bedingung,
dass diesen eine 60-tägige Waffenruhe vorausgehen müsse.
„Ich glaube nicht, dass er sich eine Verschnaufpause verdient hat“, gab
Russlands Außenminister Sergei Lawrow seine Meinung zum russischen Umgang
mit Selenskyj zum Besten. Dass Russland sich auf eine lange Unterbrechung
der Kampfhandlungen nicht einlassen wird, dürfte der ukrainische Präsident
bei seinem Angebot mit einkalkuliert haben.
## Spiel auf Zeit
Peskow bestätigte am Montag, dass sich die Haltung des Kremls zu dieser
Frage nicht verändert habe. „Wir wollen keinen Waffenstillstand, wir wollen
langfristigen Frieden und sind bereit, alles nur Erdenkliche dafür zu tun“,
erklärte er, ohne die Öffentlichkeit allerdings auch nur ansatzweise
darüber aufzuklären, woran sich Russlands Friedensbemühungen erkennen
lassen. Wie zum Hohn fügte er hinzu, sollte Kyjiw tatsächlich ernsthaft an
Präsidentschaftswahlen interessiert seinen, sei Putin bereit, das Feuer
einzustellen – allerdings nur am Wahltag.
Russland spielt auf Zeit. Trump kommt diesem Bedürfnis entgegen, indem er
durch die flexible Handhabung geltender Sanktionen und durch den Ankauf
russischer Dieselexporte dem Kreml rund 5 Milliarden US-Dollar an
zusätzlichen Einnahmen garantiert. Das verschafft Putin zumindest
übergangsweise etwas Luft, Friedensfördernd ist die Trump-Diplomatie
hingegen nicht. Da kann der Mann in Washington noch so oft wiederholen,
dass der Ukrainekrieg nie hätte geschehen dürfen.
12 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Diesel-Deal-mit-Putin/!6220524
(DIR) [2] /Trump-und-die-Midterms/!6216808
## AUTOREN
(DIR) Vera Bessonova
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Donald Trump
(DIR) Waffenstillstand
(DIR) Russland
(DIR) Wladimir Putin
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Mutmaßliche Saboteure in Deutschland festgenommen
Zwei Verdächtige, die einen Brandanschlag in Polen verübt haben sollen,
sind in Deutschland gefasst worden. Trump beharrt auf „Energie-Waffenruhe“.
(DIR) Nach Trumps Diesel-Deal mit Putin: Rückhalt für Selenskyj
Der ukrainische Präsident nennt Trumps Diesel-Abkommen „Investition in den
Krieg“. Der ging mit einem heftigen Angriff auf Saporischschja weiter.
(DIR) Russischer Angriff auf Brücke in Kyjiw: „Die Drohne flog direkt über mich hinweg“
Schon wieder hat Russland in Kyjiw eine Brücke über den Dnipro beschossen.
Zum Glück wurden die Stahlträger nicht getroffen, sagt eine Augenzeugin.
(DIR) Deutsche Kooperation mit der Ukraine: Mehrfacher Luftalarm bei Merz-Besuch in Kyjiw
Merz verspricht, dass Deutschland bei Unterstützung der Ukraine nicht
nachlassen werde. Milliarden für Rüstungshilfe und Reparatur von
Kraftwerken.