# taz.de -- Gerhard Schröder und die SPD: Partei fordert Rauswurf
> Schröder beschädige die Glaubwürdigkeit der Sozialdemokraten, so der
> Vorwurf. Anlass ist unter anderem der Geburtstagsbesuch bei Kremlchef
> Putin.
(IMG) Bild: Langjährige Freunde: Altkanzler Gerhard Schröder (l.) und Wladimir Putin beim WM-Eröffnungsspiel 2018
dpa/afp | Nach Gerhard Schröders [1][Besuch beim Geburtstag des russischen
Präsidenten Wladimir Putin] werden in der SPD wieder Rufe nach einem
Rauswurf des Altkanzlers laut. Der bayerische SPD-Bezirk Oberpfalz
beschloss auf dem Bezirksparteitag einstimmig einen entsprechenden Antrag,
wie die Bezirksvorsitzende Carolin Wagner sagte. Anlass seien die jüngsten
Einlassungen Schröders mit dem „Kriegstreiber Putin“. Zuvor hatte der
Tagesspiegel darüber berichtet. Auch die SPD-Landesvorsitzenden von
Baden-Württemberg und Bayern sprachen sich für einen Parteiausschluss aus.
„Ein Altkanzler, der auf Geburtstagspartys von Kriegsverbrechern geht,
macht sich nicht nur für die SPD unmöglich“, sagte der Co-Vorsitzende der
SPD Baden-Württemberg, Robin Mesarosch, dem Tagesspiegel. „Schröder ist
eine einzige Schande für das ganze Land.“ Der bayerische Co-Landeschef
Sebastian Roloff sagte dem Tagesspiegel, ein Erfolg eines neuen
Parteiausschlussverfahrens sei fraglich – er fügte aber hinzu: „Wenn es
eine Chance gibt, sollte es versucht werden.“
Im Oberpfälzer Antrag, dessen Text der Deutschen Presse-Agentur vorliegt,
wird der SPD-Parteivorstand aufgefordert, „auf Grundlage der neu
bekanntgewordenen Vorgänge unverzüglich ein erneutes
Parteiordnungsverfahren gegen Gerhard Schröder mit dem Ziel seines
Ausschlusses aus der SPD zu beantragen“. Dabei gehe es insbesondere um
Schröders Aufsichtsratsmandat bei der russischen Handelskette Hyperglobus
und den Besuch Schröders bei Kremlchef Wladimir Putin zu dessen Geburtstag.
## Widerspruch zu Grundwerten der Sozialdemokratie
Schröders öffentliche Nähe zu Putin stehe „in einem schwerwiegenden
Widerspruch zu den Grundwerten der Sozialdemokratie“ und beschädige die
Glaubwürdigkeit der Partei, hieß es in dem Antrag.
Wagner, die für die SPD auch im Bundestag sitzt, verwies auf den russischen
Angriffskrieg „mit Tausenden Toten, verschleppten Kindern und
Kriegsverbrechen“. Es könne nicht sein, dass man alles daran setze, diesen
Krieg zu beenden, und gleichzeitig stelle [2][der Altkanzler] „diese
Innigkeit zur Schau“. Das verstehe bei der SPD Oberpfalz „keiner mehr.“
Schröder ist seit seiner Kanzlerschaft von 1998 bis 2005 mit dem russischen
Präsidenten Putin befreundet. Er hat den russischen Angriff auf die Ukraine
zwar als Fehler bezeichnet, hält aber dennoch an seiner Freundschaft zu
Putin fest. Ein erstes Parteiausschlussverfahren gegen ihn scheiterte im
Jahr 2023.
## SPD-Spitzenkandidat in NRW skeptisch gegenüber Ausschlussverfahren
In der Debatte um einen Parteiausschluss von SPD-Altkanzler Gerhard
Schröder wegen seiner Nähe zu Kreml-Chef Wladimir Putin hat der
SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Jochen
Ott, Skepsis geäußert. „Die Hürden für einen Parteiausschluss sind hoch.
Ich bin deshalb zum jetzigen Zeitpunkt skeptisch, ob ein
Ausschlussverfahren gegen Gerhard Schröder Aussicht auf Erfolg hätte“,
sagte Ott dem Kölner Stadt-Anzeiger.
Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion in NRW hob hervor, Schröder sei in
seiner eigenen Partei inzwischen isoliert. „Seine Putin-Kumpeleien mögen
von der Meinungsfreiheit gedeckt sein, mit den Werten der SPD haben sie
aber wenig gemein“, sagte Ott.
## „Politisch unerträglich“
Ulf Kämpfer, SPD-Chef in Schleswig-Holstein und dort Spitzenkandidat der
Landtagswahl, sagte dem Berliner Tagesspiegel, „was ein neues
Parteiausschlussverfahren angeht, bin ich nach dem Scheitern aller
bisherigen Versuche skeptisch“.
Auch der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins im badischen Leutenbach, Pierre
Orthen, zeigte sich skeptisch. Sein Ortsverein hatte 2022 erfolglos ein
Ordnungsverfahren gegen Schröder angestrengt. „Aktuell planen wir kein
neues Parteiordnungsverfahren, weil wir gegenwärtig davon ausgehen, dass
der Besuch von Gerhard Schröder auf diesem Wege leider nicht sanktioniert
werden kann“, sagte Orthen dem Tagesspiegel.
Orthen kritisierte dabei aber den SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner, der
Verständnis für Schröders Besuch bei Putin geäußert hatte. „Da Schröders
private Reise und die damit verbundenen Auswirkungen auf die
außenpolitische Position der Bundesregierung von Ralf Stegner wiederholt
relativiert oder sogar positiv bewertet wurden, halte ich eine kritische
Auseinandersetzung mit diesen Äußerungen für angebracht.“ Dabei stelle sich
die Frage, „inwieweit diese Haltung der besonderen Verantwortung als
Mitglied des Auswärtigen Ausschusses gerecht wird“.
Die Grünen-Kovorsitzende Franziska Brantner nannte Schröders Besuch
„politisch unerträglich“. Alles andere als ein Parteiausschlussverfahren
wäre „ein fatales Signal, nicht nur an die Ukraine, sondern an die Menschen
und ihre Sicherheit in unserem Land“, sagte Brantner.
2022 sei ein Parteiausschluss noch gescheitert, sagte die Grünen-Chefin.
Seitdem habe sich die Lage verschärft: „Russland greift mit hybriden
Angriffen inzwischen sogar uns in Deutschland an. Schröder hat daraus
nichts gelernt. Ein neues Verfahren gehört auf den Tisch.“
Der SPD-Bezirk Oberpfalz strebt einen Parteiausschluss von Schröder an. Ein
entsprechender Antrag wurde auf dem Bezirksparteitag am Samstag einstimmig
beschlossen, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf Parteikreise
berichtete.
Kritik an Schröder übte auch der frühere Bundesarbeitsminister Hubertus
Heil (SPD). „Die herzliche Umarmung von Schröder und Putin in Moskau empört
mich zutiefst und wühlt mich auf“, sagte Heil dem Tagesspiegel. Mit einem
„Diktator“ zu feiern, dessen „mörderischer Imperialismus täglich
entsetzliches Leid“ verursache, sei „durch nichts zu rechtfertigen“.
11 Oct 2026
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