# taz.de -- Frauen retten die SPD: Alternative zu Arschgeigen
> Männer haben die Volksparteien abgewirtschaftet, lebenserfahrene Frauen
> könnten sie wieder aufbauen. Oder besser gleich ganz eine Partei
> übernehmen.
(IMG) Bild: Lösungsorientierte Frauen* Fachfrauen gesucht – wie seinerzeit mit Kanzlerin Angela Merkel
Hätte ich mir vorstellen können, dass ich mal Mitleid mit der CDU haben
würde? Dass ich, weit überraschender, ihren Niedergang mit Sorge betrachten
würde? Natürlich nicht. Die CDU stand in meinem Leben für die, zu denen man
Abstand suchte. Und selbst der Umstand, dass sie Frauen* in ihren Reihen
hat, machte die Partei nicht besser. Im Gegenteil. Bis auf Rita Süssmuth
und eventuell drei andere schienen diese Frauen* das Vorrecht der Männer
auf die Ausgestaltung der Welt akzeptiert zu haben. Ihr Handeln orientierte
sich an deren Vorgaben. Ex-Kanzlerin Angela Merkel machte da keine
Ausnahme. Allein ihre Überlegenheit machte den Unterschied.
Anders die SPD. [1][Etliche Sozialdemokratinnen* hatten maßgebliche
gesellschaftliche Entwicklungen initiiert] und vorangebracht, das Recht auf
Abtreibung und körperliche Selbstbestimmung verteidigt, Gleichstellung
gefordert. Ihr Denken und Handeln machte [2][an der Grenzziehung ihrer
Parteigenossen] nicht halt. Selbst die FDP hatte fortschrittlichere Frauen*
als die CDU, dort wurde aber auch sehr früh das Internet verstanden.
## Politik, die sich jetzt rächt
Was diese drei Pfeiler der Demokratie in diesen Tagen eint, ist der
Umstand, dass die Frauen* in der Führung so wenig zu melden hatten, dass
die Jungs eine Politik verfolgen und umsetzen konnten, die sich jetzt
rächt. Und zu Vergeltungsgelüsten innerhalb der Bevölkerung führt, dass
diese sogar bereit ist, die Lektionen der Geschichte und die Vergehen ihrer
Vorfahren zu vergessen und sich den Demokratiefeinden in die Arme zu
werfen.
Weil auf die Linke als Gegengewicht nicht wirklich Verlass ist und die
Grünen, ja, was eigentlich tun?, ist die SPD in ihrem Kern – in Besinnung
auf ihre Werte und in der Tradition wagemutiger Sozis – wie geschaffen, den
Rechten das Wasser der Zustimmung abzugraben. Wie kann das gelingen? Wie
kann eine Partei, die wie die CDU mitunter an der Fünfprozenthürde kratzt
und bei 9 Prozent Zustimmung aufatmet, zu Größe und Kraft kommen? Wie
schafft sie es, eine Alternative zu den Arschgeigen zu werden? Die Antwort
ist einfach: Wir Frauen* entern sie, wir lebenserfahrenen Frauen*.
Die Idee: Fach- und sachverständige Frauen*, unabhängig von
Parteizugehörigkeit und der Frage, ob sie die SPD wählen, übernehmen den
Laden. Alle Männer werden aus allen Ämtern und Posten für fünf bis zehn
Jahre rausgeschmissen und durch lösungsorientierte Frauen* ersetzt.
Fachfrauen* aus allen Bereichen des Lebens: Städteplanung, IT-Sicherheit,
Finanzen, Migration, Landwirtschaft, Rüstung, Pflege, Außenpolitik,
Arbeitnehmerinnenschutz. Wir lebenserfahrene Frauen* können das. Gerade wir
bringen mit, was pragmatische Problemlösung ausmacht.
## Unsere Expertise ist eine mehrfache
Denn anders als die Herren auf den Posten mussten wir durch die Scheiße
durch. Wir haben einen Alltag, ein Leben deichseln müssen, das gespickt war
mit dem, was man heute als dringend veränderungsbedürftig erkannt hat: eine
Gesellschaft, deren Strukturen für männliche Bedürfnisse ausgelegt ist.
Wenn wir Expertinnen für Biotechnologie, Finanzen, Lebensmittelsicherheit,
Darmkrebs, frühkindliche Prägung sind, dann ist unsere Expertise eine
mehrfache. Anders als die der männlichen Kollegen ist sie nicht im hohlen
Raum der Konzentration aufs Fach erarbeitet, weil in den meisten Fällen
zeitgleich eine Familie gemanagt werden musste. Obendrein müssen Frauen*
für die fachliche Anerkennung doppelt so viel leisten wie Menschen, die mit
einem Penis geboren wurden.
Gerade wenn wir Kinder großgezogen haben, haben wir gelernt, Situationen
augenblicklich zu erfassen, schnell und entschieden zu reagieren und
Verantwortung zu übernehmen. Wir brauchen nicht die Beteiligung fünf
weniger kompetenter Personen an der Entscheidungsfindung und müssen auch
keine drei Teams-Sitzungen abwarten, um zu wissen, was Sache ist. Wir
bringen mit, was anderen fehlt: Ich-Stärke und die Bereitschaft zum
Handeln. In einer Arbeitswelt, in der sich alle wegducken, sind wir bereit,
zu sagen: „Wir probieren das jetzt aus, ich nehme das auf meine Kappe!“
Warum wir uns das trauen? Weil wir wenig zu verlieren haben. Wir haben
unseren Stand erarbeitet, kennen uns aus und müssen wenig fürchten.
Beruflicher Aufstieg, den wir uns mit 58 verbauen? Gehaltskürzung? Wohl
kaum. Nein, die meisten von uns stehen selbstsicher und gesichert da. Und
sie wollen sich einbringen. Endlich ihre Expertise unter Beweis stellen und
diese von den Männern in die Scheiße gerittene Welt, dieses von Miesepetern
kleingeschimpfte Land dahin bringen, wo Frauen* es sehen: ein Land für
alle.
Nicht eines für Männer und ihre Bedürfnisse, sondern eines, das sich am
Wohl aller orientiert. Für das das Wohl der Gemeinschaft die Maßgabe ist
und nicht eines, in dem Menschen, die nicht männlich und möglichst weiß
sind, das nervige Hindernis. Der Stein am Hals der Selbstherrlichkeit, der
mitgeschleppt werden muss.
## Eitle Männer haben die SPD abgewirtschaftet
Natürlich könnte man sagen, es ist das Trümmerfrauenprinzip. Frauen* dürfen
ran, wenn Männer nicht mehr können, Frauen räumen auf, was Männer
abgewrackt haben. Ja, so kann man das sehen – und nicht handeln. Aus
Prinzip, denn wir wollen ja nicht die Doofen sein. Wir können aber auch
einfach die Gelegenheit ergreifen, unsere Schlauheit zeigen. Endlich
machen, statt auf Gnade zu hoffen, am Randes des Tisches dabeizusitzen.
Mit und [3][seit Gerhard Schröder haben eitle Männer die SPD
abgewirtschaftet] und ihr als ewiger Koalitionspartner das Profil
abgeschliffen. Die alte Tante liegt am Boden. Holen wir das Riechsalz
weiblichen Potenzials 47+, befreien sie von männlicher Denke und machen sie
zukunftsfähig. Allein, sie für Frauen und queere Menschen attraktiv zu
machen, reicht locker aus, sie in einen Prozentbereich zu bringen, der
deutlich höher liegen wird als die Sumpfebene, in die Männer sie geführt
haben. Und für alle, die jetzt das Heulen kriegen: Wer hoffen muss, die
Fünfprozenthürde zu nehmen, ist am Arsch. Der kann auch gern Frauen* das
Ruder überlassen. „Schlimmer“ kann es ja nicht mehr kommen.
Buchhinweis:
Zuletzt erschien von Silke Burmester „Leuchten, jetzt!“ über die Stärke
alternder Frauen – Wie lebenserfahrene Frauen ihre Welt verändern.
9 Oct 2026
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(DIR) Silke Burmester
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