# taz.de -- Treibstoffdeal zwischen USA und Russland: Trump fordert Ablösung Selenskyjs
       
       > Drei Wochen vor den Kongresswahlen verkündet der US-Präsident einen Deal
       > mit Putin, um günstig an Sprit zu kommen. Für die Ukraine fordert er
       > einen „neuen Präsidenten“.
       
 (IMG) Bild: Wendehals und bereit, für günstigen Sprit sogar bei Kriegstreibern zu kaufen: US-Präsident Trump
       
       dpa/ap/afp | US-Präsident Donald Trump hat nach einem Gespräch mit
       Kremlchef Wladimir Putin eine Vereinbarung zu Lieferungen von
       Hunderttausenden Tonnen an Diesel aus Russland verkündet. Die USA heben
       dafür vorübergehend Sanktionen gegen russischen Diesel auf. Der Kreml
       bestätigte den Deal, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj
       kritisierte ihn mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen sein Land
       scharf. Trump steht in den USA angesichts [1][gestiegener Spritpreise] vor
       den wichtigen Zwischenwahlen in weniger als einem Monat aktuell stark unter
       Druck.
       
       Daraufhin forderte Trump die Ablösung Selenskyjs. Russland, das seit
       Februar 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, begrüßte Trumps
       Forderung umgehend. Es sei „an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen
       Präsidenten bekommt“, der bereit sei, den Krieg mit Russland zu beenden,
       sagte Trump am Samstag am Weißen Haus. Der Wirtschaftsberater des
       russischen Präsidenten Wladimir Putin, Kirill Dmitrijew, begrüßte Trumps
       Forderung im Onlinedienst X als „ikonisch und historisch“.
       
       Trumps Ankündigung sorgt auch deshalb für Aufruhr, weil er erst im
       September ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz unterzeichnet hatte, das
       ihm weitreichende Befugnisse für neue [2][Sanktionen gegen Russland] in die
       Hand gibt. Neben direkten Strafmaßnahmen gegen russische Politiker und
       Firmen zielte das Gesetz darauf ab, die russischen Öl- und Gas-Exporte
       stärker einzudämmen, mit denen Russland seinen Krieg gegen die Ukraine
       finanziert. Der nun von Trump verkündete Schritt geht in die gegenteilige
       Richtung.
       
       Der US-Präsident teilte nach dem Telefonat mit Putin auf seiner Plattform
       Truth Social mit, er habe mit dem russischen Präsidenten vereinbart, dass
       „umgehend“ mehr als 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt zur
       Verfügung gestellt würden. Im Laufe des Novembers soll laut Trump eine
       weitere halbe Million Tonnen Diesel freigegeben werden sowie eine Million
       Tonnen „sofort danach“.
       
       „Abhängig vom Zustand seiner Dieselraffinerien“ wolle Russland zudem
       innerhalb kurzer Zeit drei Millionen Tonnen Diesel liefern. Trump
       spezifizierte zunächst nicht die Zeiträume dafür. Später bezeichnete er die
       Vereinbarung vor Journalisten am Weißen Haus als „große Sache“ und sagte:
       „Ich möchte Präsident Putin danken“.
       
       Das US-Finanzministerium stellte wegen der bestehenden Sanktionen gegen
       Russland für die mit Putin getroffene Vereinbarung eine temporäre Erlaubnis
       aus. Dadurch seien der Verkauf, die Lieferung, das Entladen und der Import
       von Diesel aus Russland bis zum 7. April 2027 genehmigt.
       
       ## Russland erfreut, Ukraine empört
       
       Putin bestätigte den Deal. „Bei der Diskussion der Situation auf dem
       weltweiten Energiemarkt bestätigte die russische Seite ihre Bereitschaft,
       Erdöl und Erdölprodukte auf den amerikanischen und die Weltmärkte zu
       liefern“, hieß es in einer schriftlichen Erklärung von ihm. Das werde sich
       positiv auf die „gesamte Weltwirtschaft“ auswirken.
       
       [3][Dagegen reagierte Selenskyj] mit scharfer Kritik: „Die Erlaubnis für
       Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg
       (gegen die Ukraine), den man beenden und nicht verlängern muss“, schrieb er
       bei Telegram. Moskau werde mit weiterem „Terror und Gemeinheiten“ danken.
       
       In einem Interview des US-Nachrichtenportals „Axios“ verschärfte Selenskyj
       seine Kritik. Die Vereinbarung sei „nicht fair und nicht ehrlich“, sagte
       er. Besonders verärgert zeigte er sich darüber, dass Trumps Gesandte Steve
       Witkoff und Jared Kushner parallel zu der Vereinbarung mit Putin in Miami
       mit ukrainischen Unterhändlern über ein mögliches Ende des Krieges
       verhandelten. Von dem geplanten Diesel-Abkommen sei dabei keine Rede
       gewesen.
       
       Selenskyj erklärte weiter, Russland werde auf die Vereinbarung „mit
       weiterem Terror und weiterer Heimtücke“ reagieren. Er bezeichnete das
       Abkommen als eine Investition in den Krieg, die dessen Verlängerung
       ermögliche. „Das spielt Russland in die Hände – es ermöglicht dem Land,
       mehr zu töten, länger Krieg zu führen, noch weniger Respekt vor Amerika zu
       zeigen und der Welt noch größere Verluste und Schäden zuzufügen“, sagte er.
       
       Kritik an dem Deal kam auch von den Demokraten. Gregory Meeks, das
       ranghöchste Mitglied der Partei im Auswärtigen Ausschuss des
       Repräsentantenhauses, teilte mit Blick auf das erst kürzlich gegen Russland
       verabschiedete Sanktionsgesetz mit: „Wochen nach der Unterzeichnung eines
       Gesetzes, das Sanktionen gegen Käufer russischer Energie vorsieht, kündigt
       Trump an, dass die Vereinigten Staaten diese kaufen werden.“ Er verurteile
       diesen Kurswechsel.
       
       ## Bundesregierung: Auch weiterhin kein Öl aus Russland
       
       Als Reaktion auf eine Diesel-Vereinbarung von US-Präsident Donald Trump mit
       Kremlchef Wladimir Putin betont die Bundesregierung ihr uneingeschränktes
       Festhalten an den Russland-Sanktionen. „Die Bundesregierung hält an den
       Sanktionsbeschlüssen gegen Russland fest und arbeitet gemeinsam mit den
       europäischen Partnern an weiteren Sanktionen“, betonte Regierungssprecher
       Stefan Kornelius in Berlin. „Die Unterstützung der Ukraine in ihrem
       Abwehrkampf bleibt ungebrochen.“
       
       Eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)
       sagte in Berlin: „Deutschland steht uneingeschränkt zu den
       Sanktionspaketen.“ Russisches Öl und Rohölprodukte seien seit 2023 durch
       die EU sanktioniert. Deutschland beziehe seitdem kein Öl oder Ölprodukte
       aus Russland. „Unsere Versorgung ist hier diversifiziert, wir sind
       unabhängig von russischem Öl“, so die Sprecherin. Die Versorgungssicherheit
       sei seitdem gewährleistet.
       
       Kornelius teilte mit: „Die Bundesregierung hat die Entscheidung der USA in
       Bezug auf russische Diesellieferungen zur Kenntnis genommen.“ Entsprechend
       äußerte sich Reiches Sprecherin. Ihre Haltung und die der europäischen
       Partner hinsichtlich der Sanktionen seien jedoch eindeutig. „Die
       diplomatische Arbeit an einer Friedenslösung wird fortgesetzt“, so
       Kornelius weiter.
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Wirtschaftsministerin Reiche hatten
       erst Anfang Oktober in Begleitung von Unternehmern aus den Bereichen
       Rüstung und Energie die unentwegt von Russland angegriffene ukrainische
       Hauptstadt Kyjiw besucht.
       
       ## Russland kündigt Aufhebung seines Diesel-Exportverbots an
       
       Russlands Vizeregierungschef Alexander Nowak informierte unterdessen über
       die sofortige Aufhebung des bisher geltenden Verbots seines Landes für die
       Ausfuhr von Diesel. Er stellte noch für den Oktober einen Export von
       300.000 Tonnen Diesel in Aussicht, meldete die staatliche
       Nachrichtenagentur Tass. Im November und Dezember könnten weitere 500.000
       und 1.000.000 Tonnen Diesel folgen. Dies sei jedoch abhängig von
       Reparaturen an durch ukrainische Drohnenangriffen beschädigten Raffinerien.
       
       Im vergangenen Jahr lag die monatliche Dieselproduktion Russlands bei etwa
       7 Millionen Tonnen. Die Kapazitäten haben sich seither ungefähr halbiert.
       
       Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA liegt der Verbrauch von Diesel und
       anderen Destillat-Kraftstoffen in den USA derzeit bei durchschnittlich rund
       3,77 Millionen Barrel täglich. Das entspricht umgerechnet etwa 500.000
       Tonnen. Eine Menge von 300.000 Tonnen würde damit rechnerisch den
       US-Verbrauch für gut 14 Stunden decken.
       
       ## Gestiegene Spritpreise setzen Trump und Republikaner unter Druck
       
       Die auch in den USA stark gestiegenen Spritpreise setzen Trump vor den
       wichtigen Zwischenwahlen in weniger als einem Monat unter Druck. Auch
       Republikaner machten zuletzt den Irankrieg in ungewöhnlicher Deutlichkeit
       für die hohen Preise verantwortlich.
       
       Trump wiederum machte in den vergangenen Wochen den ukrainischen
       Präsidenten Selenskyj für eine weltweite Dieselknappheit verantwortlich und
       rief ihn auf, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. „Er muss
       aufhören, die Dieselversorgung in Russland lahmzulegen“, sagte Trump etwa
       Mitte September in Irland. Der US-Präsident versuchte dabei, von den
       Auswirkungen seines Krieges gegen den Iran abzulenken.
       
       „Das liegt nicht am Nahen Osten, sondern an den Ereignissen in Russland und
       der Ukraine“, sagte er über die Dieselknappheit. Die USA hätten mit
       Selenskyj bereits darüber gesprochen. „Es gibt jede Menge andere Ziele. Er
       darf keine Dieselanlagen angreifen, denn das schadet der ganzen Welt.“
       
       Vor allem zu Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine vor
       mehr als viereinhalb Jahren trieb der Konflikt die Energiepreise weltweit
       deutlich in die Höhe. In den vergangenen Monaten verstärkte die Ukraine
       ihre Angriffe auf Objekte der Ölindustrie in Russland. Die Folgen sind dort
       deutlich spürbar.
       
       Selenskyj erneuerte nun die ukrainische Bereitschaft, Angriffe auf
       russische Raffinerien einzustellen, wenn Russland im Gegenzug die Attacken
       auf ukrainische Energieanlagen einstellt. „Wir haben eben Amerika eine
       solche Vereinbarung vorgeschlagen und finden, dass die Kräfte der
       Vereinigten Staaten ausreichend sind, um einen derartigen Kompromiss zu
       erreichen“, schrieb der Staatschef. Eine Abschwächung der
       Russland-Sanktionen sei ein Zeichen der „offensichtlichen Schwäche“.
       Russland werde die USA noch weniger ernst nehmen.
       
       ## Zwölf Menschen bei russischen Angriffen in Saporischschja getötet
       
       Russische Angriffe haben in der ukrainischen Region Saporischschja nach
       Behördenangaben mindestens zwölf Menschen das Leben gekostet. Unter den
       Todesopfern waren drei Kinder, wie der Militärgouverneur Mychajlo Semikin
       mitteilte. Russische Fliegerbomben hätten Wohngebäude in Saporischschja
       getroffen. Bei den Angriffen wurden zudem mindestens 14 Menschen verletzt,
       wie Iwan Fedorow, Co-Vorsitzender des Verteidigungsrats der Region,
       berichtete.
       
       10 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Energieversorgung/!6215545
 (DIR) [2] /Sanktionen-gegen-Russland/!6209415
 (DIR) [3] /Drohnenjagd-auf-Menschen-in-Cherson/!6219516
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Diesel
 (DIR) Tankrabatt
 (DIR) Wladimir Putin
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Trumps Ukraine-Politik: US-Präsident spricht von „Energie-Waffenruhe“
       
       Trump schließt mit Putin einen Diesel-Deal – und attackiert den
       ukrainischen Präsidenten hart. Fragezeichen über mögliche
       „Energie-Waffenruhe“.
       
 (DIR) +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Trump-Deal empört Ukraine
       
       Der US-Präsident erlaubt eine Öllieferung aus Russland. Außerdem drängt er
       auf eine Absetzung Selenskyjs. Die ukrainische Regierung weist diese
       Forderung zurück und kriegt Unterstützung aus der EU.
       
 (DIR) Fragen und Antworten zum Tankrabatt: 10 bis 11 Cent billiger
       
       Seit Mitternacht gilt der Tankrabatt, und die Preise gehen runter. Was
       müssen Autofahrer wissen? Und wie beurteilen Experten den Schritt der
       Regierung?
       
 (DIR) Energieversorgung: USA prüfen wegen hoher Spritpreise Exportstopp für Diesel
       
       Mitten im Wahlkampf steigen die Spritpreise in den USA stark. Die
       US-Regierung prüft eine Maßnahme, die auch Europa aufhorchen lassen dürfte.
       
 (DIR) Nach Tankrabatt-Aus: Spritpreise steigen massiv
       
       Mineralölkonzerne erhöhen Preise nach Auslaufen des Tankrabatts über
       Gebühr. Verbraucherschutzchefin Pop spricht von Abzocke.