# taz.de -- Rot-Rot-Grün will koalieren: Schwerin ist nicht Berlin
       
       > Anders als in der Bundeshauptstadt einigen sich SPD, Linke und Grüne in
       > Mecklenburg-Vorpommern geräuschlos auf Koalitionsverhandlungen. Was haben
       > sie vor?
       
 (IMG) Bild: Kann sich freuen: Manuela Schwesig (SPD) wird wohl wieder Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern
       
       Während Rot-Rot-Grün in Berlin am Freitag Sondierungsgespräche aufgenommen
       hat, sind die drei Parteien in Mecklenburg-Vorpommern bereits damit fertig.
       Nach drei Wochen hinter verschlossenen Türen empfehlen die
       Verhandlungsleiter ihren Parteigremien nun, Koalitionsverhandlungen
       aufzunehmen, wie es in einer gemeinsamen Erklärung aus Schwerin heißt. Ziel
       sei eine Koalition, „die auf Verlässlichkeit, Stabilität und Vertrauen
       setzt“.
       
       In dem Sondierungspapier, das der taz vorliegt, verständigten sich die drei
       Parteien auf zentrale Punkte: Kitas sollen beitragsfrei bleiben, alle
       Krankenhausstandorte wollen sie erhalten und mehr Bürgerbeteiligung
       ermöglichen. Vereinbart haben sie auch einen parlamentarischen
       Untersuchungsausschuss zu rechtsextremen Netzwerken. Die Mehrwertsteuer in
       der Gastronomie und Hotellerie soll bei 7 Prozent bleiben und die Akzeptanz
       für erneuerbare Energie soll gestärkt werden.
       
       „Das Papier ist ein starkes Signal und enthält wichtige Grundsätze, mit
       denen man arbeiten kann“, findet [1][Wenke Brüdgam, stellvertretende
       Bundesvorsitzende der Linken] und Mitglied des Landtags von
       Mecklenburg-Vorpommern. „Das wurde geschafft durch ein vertrauensvolles
       Verhältnis der Beteiligten“, sagt sie.
       
       Bei einigen neuen Ideen stellt sich die Frage, weshalb die vergangene
       rot-rote Landesregierung diese nicht bereits umgesetzt hat. Zum Beispiel
       die verbindliche Sprachförderung für Vorschulkinder, mehr Geld aus der
       Windenergie für die Menschen vor Ort oder einem Jugendtarif für das
       Deutschlandticket.
       
       ## Kein Feminismus, mehr Polizei
       
       Darüber hinaus wollen SPD, Linke und Grüne dem Papier zufolge 6.200 neue
       Stellen für die Polizei schaffen und eine „moderne technische Ausstattung“.
       Das Papier enthält ein „Bekenntnis zu klein- und mittelständischen
       Unternehmen“, eine Absicht zur finanziellen oder regulatorischen Förderung
       allerdings nicht. Ebenso wenig enthält das Papier Ideen, wie die Sicherheit
       von Menschen vor Rassismus und Antisemitismus angesichts des eklatanten und
       gewaltbereiten Rechtsextremismus im Land erhöht werden soll. Von
       feministischen Maßnahmen, Schutz queeren Lebens oder Gleichstellung steht
       ebenfalls nichts im Sondierungspapier.
       
       Die Landesvorstände von SPD und Linken treffen sich noch am Freitagabend.
       Die Grünen wollen am Samstag auf einem außerordentlichen kleinen
       Landesparteitag in Rostock offiziell über die Aufnahme der
       Koalitionsgespräche entscheiden. Die Satzung der Linken verlangt keine
       Basisabstimmung, doch auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es Linke, die
       einer Regierungsbeteiligung kritisch gegenüber stehen. Ein Argument: Als
       kleinere Partnerin in einem Bündnis mit der stärkeren SPD besteht die
       Gefahr, dass linke Positionen erdrückt werden. Brüdgam mahnt deshalb: Bei
       allem Vertrauen zu SPD und Grünen, sei es wichtig, dass ihre Partei jetzt
       „ein klar linkes Profil“ durchsetze. „Damit wir in fünf Jahren noch
       sichtbar sind.“
       
       Kommt es zur rot-rot-grünen Regierung, ist die AfD die einzige
       Oppositionspartei. Doch Rot-Rot-Grün ist [2][die einzig mögliche
       Konstellation, in der demokratische Parteien regieren]. Nach der Wahl vom
       20. September haben die bisherigen Regierungspartner SPD und Linke keine
       eigene Mehrheit mehr und sind auf die Grünen als dritten Partner
       angewiesen. Zusammen verfügen die drei Fraktionen im Landtag über 39 von 71
       Sitzen.
       
       Bei der Wahl war die [3][AfD mit 38,2 Prozent stärkste Kraft] geworden.
       [4][Die rechtsextreme Partei kuschelt auch dort mit Antisemiten], so trafen
       sich die Landtagsabgeordneten Stephan Reuken und Kevin Kurtze gerade erst
       mit dem polnischen Rechtsextremisten Grzegorz Braun, angeblich um über
       Wirtschaftspolitik zu sprechen. Eine Zusammenarbeit mit den Braunen
       schließen sowohl SPD als auch Linke und Grüne kategorisch aus.
       
       An zweiter Stelle landete die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig
       mit 35,5 Prozent. Die Linke erreichte nur 6,5 Prozent und die Grünen 5,7
       Prozent. Die CDU scheiterte erstmals in ihrer Geschichte mit 4,9 Prozent an
       der Fünfprozenthürde.
       
       Anders als nach den Wahlen in Berlin, wo die Linke die Wahl gewonnen hat,
       sind die Sondierenden in Mecklenburg-Vorpommern geräuschlos zu einer
       Einigung gekommen. Das erklärt die stellvertretende
       Linken-Bundesvorsitzende Brüdgam so: „[5][Die Hetzjagd auf die Linke
       Berlin] und der Druck von außen haben es nötig gemacht, dass die drei
       Parteien sich in Berlin sich erst genauer verständigen.“ Sie findet
       wichtig, [6][dass dort über Antisemitismus gesprochen wurde]. „Ich wünsche
       den Berlinern, dass sie es jetzt auch schaffen, sich auf eine Koalition zu
       einigen, um gemeinsam Berlin gerechter zu machen“, so Brüdgam. (Mit
       Agenturen)
       
       9 Oct 2026
       
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