# taz.de -- Bundestagsabgeordneter Steffen Kotré: AfD pflegt deutsch-polnische Beziehungen – mit Antisemiten
       
       > Mehrere AfD-Männer werben in Lubmin gemeinsam mit polnischen
       > Rechtsextremen für russisches Gas. Das ist ein Schulterschluss mit
       > offenen Antisemiten.
       
 (IMG) Bild: Alles für Putin: AfD-Mann Steffen Kotré kuschelt mit dem Antisemiten und polnischen Rechtsextremisten Grzegorz Braun (Augenklappe)
       
       Zu einem etwas bizarr anmutenden Pressetermin trafen sich sechs deutsche
       und polnische Rechtsaußen-Politiker am 1. Oktober in [1][Lubmin
       (Mecklenburg-Vorpommern), direkt am stillgelegten Nordstream-Terminal].
       Angeführt von dem brandenburgischen Bundestagsabgeordneten Steffen Kotré
       (AfD) und dem polnischen Europaparlamentarier Grzegorz Braun habe man sich
       zu Gesprächen über die „europäische Wirtschaftspolitik“ getroffen, wie es
       in einer Mitteilung heißt.
       
       In ihren Reden vor der einsamen Industrielandschaft, aufgezeichnet per
       Video, machten die Politiker deutlich, dass die vorgebliche
       „Wiederherstellung der Energiesicherheit in Europa“ für beide Länder vor
       allem die Wiederherstellung der Lieferung von russischem Gas durch die
       dortige Pipeline bedeute.
       
       Neben [2][Kotré, energiepolitischer Sprecher der AfD-Fraktion], und Braun
       waren zwei weitere Mitglieder der extrem rechten Partei Konföderation der
       Polnischen Krone (Konfederacjy Korony Polskiej), Roman Fritz und Sławomir
       Ozdyk, anwesend. Dazu zwei AfD-Abgeordnete im Landtag von
       Mecklenburg-Vorpommern, Stephan Reuken und Kevin Kurtze.
       
       Wenig Neues aus Lubmin also, könnte man auf den ersten Blick meinen. Jedoch
       begaben sich Kotré und seine AfD-Kollegen mit diesem Treffen in die
       Gesellschaft bekannter und ausdrücklicher Antisemiten. Grzegorz Braun
       betreibt seit Langem rabiate antisemitische Propaganda. Erst Mitte
       September hatte das EU-Parlament Brauns Immunität aufgehoben, um ein
       Ermittlungsverfahren des polnischen Generalstaatsanwaltes gegen den
       Politiker zu ermöglichen. Braun hatte öffentlich die Existenz von
       [3][Gaskammern in dem deutschen Vernichtungslager Auschwitz] bestritten.
       
       ## Mittendrin: Berliner Sicherheitsunternehmer
       
       Gezielte Provokation gehört zu Brauns Politik: im Dezember 2023 erstickte
       er mit einem Feuerlöscher die Kerzen eines Chanukka-Leuchters im polnischen
       Parlament, wie so häufig vor laufender Kamera für die mediale Reichweite
       und mit der Begründung, er habe den „Satanismus“ dieses jüdischen Festes
       beenden müssen. Braun schüre in seinen Videos und Posts seit Jahren
       Aggressionen gegenüber Juden, Muslimen, Flüchtlingen und LGBTQ-Personen,
       wie die polnische antirassistische Organisation Never Again berichtet.
       
       Bemerkenswert auch die Teilnahme von Sławomir Ozdyk. Ozdyk ist Unternehmer
       in der Sicherheitsbranche, darunter seit mehreren Jahren mit einer
       Dependance in Berlin. Darüber bietet er laut der Firmenwebseite
       Personenschutz und Waffentrainings an, letztere auf einer eigenen „Training
       Facility“ in Polen.
       
       Bei den letzten polnischen Präsidentschaftswahlen 2025 beteiligte sich
       Ozdyk an den Kampagnen der Konföderation und des Kandidaten Braun. In
       diesem Jahr hatte er sich mit einem eigenen Textbeitrag an einem
       antisemitischen Buchprojekt von Marcin Rola mit dem Titel „Garbate Nosy –
       Kulisy Judaizacji“ (in etwa „Gekrümmte Nasen – Hintergründe der
       Judaisierung“) beteiligt, auf dem Cover mit dem altbekannten
       antisemitischen Stereotyp bebildert.
       
       An dem Buch, das im öffentlichen Buchhandel kaum erhältlich ist, sind auch
       die beiden Parteikollegen Braun und Fritz mit eigenen Beiträgen beteiligt.
       Ozdyks Beitrag lautete: „Nieder mit der Judenkommune!“ Bereits im Jahr 2016
       war Ozdyk aufgefallen, als er an Treffen mit Vertretern europäischer
       neonazistischer Parteien, darunter der NPD und der italienischen Forza
       Nuova teilgenommen hatte.
       
       Direkt nach den letzten Wahlen zum EU-Parlament 2025 hatte AfD-Chefin Alice
       Weidel es noch zur Bedingung gemacht, dass offene Antisemiten aus der neuen
       Fraktion in Brüssel herausgehalten werden. Darunter auch Grzegorz Braun.
       Dass nun Kotré seine wenig innovative Initiative zur Energiepolitik offen
       mit solchen antisemitischen Politikern betreibt, setzt ihn in der AfD zwei
       Jahre später vermutlich nicht einmal unter Druck.
       
       9 Oct 2026
       
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