# taz.de -- Kampf um Technologieführerschaft: China kündigt Exportkontrollen für Schlüsseltechnologien an
       
       > Peking will die Ausfuhr von KI- und Solartechnik stärker überwachen. Die
       > Regierung begründet das mit Sicherheitsinteressen.
       
 (IMG) Bild: Qualitätscheck eines Solarmoduls in einer Fabrik in Xian, Shaanxi: China will Exporte von Photovoltaiktechnik stärker überwachen
       
       Die chinesische Regierung will den Export von 40 Schlüsseltechnologien aus
       den Bereichen [1][Künstliche Intelligenz (KI)], Photovoltaik und Biomedizin
       stärker kontrollieren. Bereits ab sofort gilt eine Registrierungspflicht.
       Für 14 Bereiche soll der Export künftig ganz verboten werden, für 26 gibt
       es Begrenzungen und bedarf es künftig einer ausdrücklichen Genehmigung.
       Dies sieht ein gemeinsamer Entwurf des Handelsministeriums und des
       Ministeriums für Wissenschaft und Technologie vor, der am vergangenen
       Freitag bekannt wurde.
       
       Im Unterschied zur bereits sofort eingeführten Registrierungspflicht für
       entsprechende Technologietransfers sind die Pläne noch nicht endgültig
       beschlossen. Vielmehr können noch bis zum 15. November Stellungnahmen bei
       den Ministerien eingereicht werden.
       
       Begründet werden die angekündigten Maßnahmen mit Chinas
       Sicherheitsinteressen. So könne KI für Angriffe auf wichtige Infrastruktur
       eingesetzt werden. Das Ziel sei, „der Gefahr vorzubeugen, dass Technologien
       außer Kontrolle geraten oder unsachgemäß verbreitet werden, während
       gleichzeitig der normale internationale Austausch und die Zusammenarbeit in
       Wissenschaft und Technologie geschützt werden,“ erklärte das
       Handelsministerium laut der Nachrichtenagentur Reuters.
       
       Schwerpunkt der Ankündigung sind 23 KI-Technologien, darunter Verfahren für
       große KI-Modelle und sogenannte KI-Agenten, die Aufgaben weitgehend
       selbstständig erledigen. Der Export von KI-Technologien mit besonders
       offensiven Cyber-Fähigkeiten soll verboten werden. Der Zugang zu
       KI-Diensten über Apps und Webseiten soll von den Kontrollen nicht betroffen
       sein. Ebenfalls sollen Technologien, die durch
       Open-Source-Veröffentlichungen oder wissenschaftliche Arbeiten öffentlich
       zugänglich sind, nicht betroffen sein.
       
       ## Exportkontrollen für Solartechnik
       
       Bei 12 Solartechnologien sei laut dem Handelsministerium etwa eine stärkere
       Aufsicht notwendig, da sie zunehmend in Bereichen wie der Luft- und
       Raumfahrt sowie der Landesverteidigung eingesetzt würden. Bei der
       Solartechnik soll die Ausfuhr von Technologien bestimmter dünner Wafer
       sowie besonders effizienter Perowskit- und Tandem-Technologien verboten
       werden, ebenfalls ein neues Verfahren [2][zur Herstellung von
       Polysilizium.]
       
       Die Exportkontrollen bei der Solartechnik umfassen keine fertigen
       Solarmodule. China ist in diesem Bereich mit großem Abstand Weltmarktführer
       und und spielt mit seinen günstigen Solarmodulen bei der Energiewende in
       Europa eine Schlüsselrolle. Peking dürfte mit den angekündigten Maßnahmen
       versuchen, die chinesische Vorherrschaft in dem Bereich zu verteidigen.
       
       Zwar betonte das Handelsministerium in Peking, dass sich die angekündigten
       Maßnahmen nicht gegen bestimmte Länder oder Unternehmen richteten. Doch
       befinden sich China und die USA nicht nur in einem technologischen
       Wettbewerb, [3][sondern auch in einem globalen Hegemoniekonflikt.] So haben
       auch die USA den Export besonders leistungsfähiger KI-Chips nach China
       verboten. China hatte 2025 bestimmte Verfahren zur Herstellung von
       Batterien wie zur Lithiumgewinnung beschränkt wie auch Exportkontrollen für
       bestimmte Seltene Erden eingeführt. Letztes war eine Reaktion auf Zölle
       durch die US-Regierung von Donald Trump.
       
       Chinas Exportüberschuss betrug in den ersten 9 Monaten 938 Milliarden
       US-Dollar. Das ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum eine Steigerung um 21,3
       Prozent. Wegen der weiter schwachen Nachfrage im Binnenmarkt ist der Export
       für viele Firmen ein Ausweg. Offen ist, wie sich die angekündigten
       High-Tech-Exportkontrollen auf den großen Exportüberschuss auswirken. Die
       Ausfuhren könnten kurzfristig unter den Kontrollen leiden, doch könnte eine
       wirksame Verteidigung von Technologievorsprüngen mittelfristig auch
       Exportvorteile bieten.
       
       19 Oct 2026
       
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