# taz.de -- Wahl der DOSB-Spitze: Nicht mein Präsident
> Der Deutsche Olympische Sportbund sucht einen neuen Präsidenten. Das
> interessiert kaum jemanden. Mit Demokratie hat die Wahl ohnehin nichts zu
> tun.
(IMG) Bild: Eingeschworen auf Olympia: Michael Mronz nach seiner Aufnahme ins IOC
Etwa 29 Millionen Mitglieder hat der Deutsche Olympische Sportbund
([1][DOSB]). Das ist viel, sehr viel. Unter dem Dach des [2][Deutschen
Gewerkschaftsbundes] beispielsweise sind 5,43 Millionen Menschen
organisiert. In der Evangelischen Kirche sind 17,4 Millionen, in der
Katholischen Kirche 19,22 Millionen Mitglieder. Und der [3][ADAC]
versammelt 22,7 Millionen. Der Sport ist also das Größte überhaupt.
Darum, wer Präsident dieser für die Bundesrepublik so wichtigen
Organisation DOSB sein soll, gibt es derzeit einen Wahlkampf. Es soll sogar
Leute geben, die ihn verfolgen. [4][Michael Mronz], der Präsident werden
will, sagt: „Das ist Demokratie.“ [5][Martin Engelhardt], der’s auch gern
wäre, sagt: „Das gehört zu einer Demokratie.“
Interessant. Denn an das Wort Demokratie denkt man ja eher nicht, wenn es
um Sportfunktionäre geht. Gewählt wird Anfang Dezember, und zwar von einem
Gremium, das sich DOSB-Mitgliederversammlung nennt. Doch für die Vermutung,
dass diese von den 29 Millionen Mitgliedern delegiert wurden, spricht
nichts. Stimmberechtigt sind etwa auch „persönliche Mitglieder“, zu denen
wie selbstverständlich die deutschen IOC-Mitglieder gehören, unter anderem
[6][Thomas Bach] und der zur Wahl stehende Michael Mronz.
Der eine, Bach, hat den anderen, Mronz, ins IOC geholt, denn das sucht sich
seine Mitglieder aus. So funktioniert ein solcher Verband. Der DOSB hält im
Dezember diese Wahl ab, die „ein gutes Beispiel dafür bieten wird“, so
formuliert es Mitbewerber Engelhardt, „dass im deutschen Sport offen und
demokratisch entschieden wird“.
## Antidemokratische Geschichte
Auch das ist interessant. Als 1945 das NS-Regime bezwungen wurde, war für
die Alliierten klar, dass auch die Sportverbände verboten werden müssen.
Nicht wenige ihrer Führer wurden verurteilt. Im Radsportverband hatte etwa
[7][Viktor Brack] amtiert – 1948 als Mittäter der NS-Euthanisie
hingerichtet. Den Alpenverein führte [8][Arthur Seyß-Inquart] – 1946 unter
anderem als NS-Statthalter für die Niederlande hingerichtet.
Es waren die Strukturen des vermeintlich unpolitischen Verbändesports, die
solche Typen nach oben brachten. Als die Fachverbände sich Ende der 1940er
wiedergründeten, bedurfte es der Einflussnahme der Alliierten, dass es
daneben noch eine weitere Säule im deutschen Sport gab, die
Landessportbünde, die, gründend auf der Tradition des von Nazis
zerschlagenen [9][Arbeitersports], für ein bisschen Demokratie sorgen
sollte.
Nicht zuletzt, um sich dem zu entziehen, bildete sich 1949 das Nationale
Olympische Komitee. Erster Präsident war Herzog Adolf Friedrich zu
Mecklenburg, letzter Gouverneur der [10][deutschen Kolonie Togo]. Er räumte
seinen Platz 1951 für [11][Karl Ritter von Halt], als der aus sowjetischer
Haft entlassen wurde. Halt war der letzte von Adolf Hitler berufene
NS-Reichssportführer. Es war das alte, ach so unpolitische Personal.
Der Exkurs in die Sportgeschichte ist hier zu Ende. Er handelte von
Strukturen und sollte zweierlei zeigen: Zum einen, dass die Lehren, die die
Alliierten nach 1945 zogen, auf die Demokratisierung des Sports abzielten,
um ihn wirklich sozial und human zu gestalten. Und zum anderen, dass und
warum die so wichtige Vorstellung, Sport müsse demokratisch organisiert
werden – und zwar zur Durchsetzung berechtigter Interessen –, erfolgreich
hintertrieben wurde.
Vielleicht vermittelt dies eine kleine Ahnung, warum dieser Wahlkampf um
das Amt des Präsidenten eines 30-Millionen-Mitglieder-Verbandes so
merkwürdig uninteressant erscheint. Und die Verwendung des Wortes
Demokratie hierbei so fremd.
24 Oct 2026
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## AUTOREN
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