# taz.de -- Fußball über alles: Kloppnation Deutschland
> Im Rummel um den neuen Bundestrainer Jürgen Klopp geht alles andere unter
> – auch der Sport.
(IMG) Bild: Noch ein bisschen mehr Jürgen Klopp geht immer
In Deutschland regiert der Sport. Da können Faschisten über den Sieg an den
Wahlurnen ein Land erobern, da mag die Bundesregierung unter der Last eines
überforderten Bundeskanzlers taumeln und die Welt angeheizt von Klimawandel
und Kriegen brennen – wenn der Trainer der Fußballnationalmannschaft auch
nur eine Pressekonferenz ankündigt, gibt es nur noch ein großes Thema:
Jürgen Klopp.
Schon gut eine Woche bevor die DFB-Auswahl unter Deutschlands
Fußball-Messias ihr erstes Spiel bestreiten wird, wurden die ersten
Nominierungen publik. Dass Deniz Undav, [1][Deutschlands wohl beliebtester
WM-Versager,] nicht zu den zwei Teams gehören wird, die Klopp für die
anstehenden vier Spiele in der europäischen Nations League berufen hat,
wurde schon heftig diskutiert, da hatte Jürgen Klopp sich noch lange nicht
[2][hinter die Mikrofone am DFB-Campus in Frankfurt am Main gesetzt.]
Die Kraft des Sports, alle anderen Themen mit irgendwelchen Nichtigkeiten
zu überdecken, ist selten so sichtbar geworden wie in dieser Woche der
Nominierung von Klopps erstem Nationalmannschaftskader. Da könnte man glatt
auf die Idee kommen, Deutschland sei eine wahre Sportnation. Beim Schärfen
des Blicks auf die Sportwahrnehmung im Land wird indes schnell klar, dass
davon wahrlich nicht die Rede sein kann. Nur drei Tage nach dem
Nations-League-Auftakt der Deutschen gegen die Niederlande in Amsterdam
entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund darüber, mit welchem Ort sich
Deutschland für die Austragung von Olympischen Sommerspielen 2036, 2040
oder 2044 bewerben wird. Doch darüber spricht kaum jemand. Deutschland mag
eine Fußballnation sein, eine Sportnation sind die Deutschen gewiss nicht.
Auch wenn Landes- und Bundespolitiker sowie Spitzenfunktionäre des
deutschen Sports nicht müde werden, zu betonen, dass es doch endlich wieder
einmal Zeit sei, das größte Sportfest der Menschheit nach Deutschland zu
holen, ist eine deutsche Bewerbung dafür ein Nischenthema im öffentlichen
Diskurs. Dabei gäbe es spannende Fragen rund um die Ringe zu diskutieren.
Fragen, die weit darüber hinausgehen, welche der drei Bewerbungen nun die
chancenreichste beim Internationalen Olympischen Komitee ist: die aus
München, die aus Berlin oder jene aus Nordrhein-Westfalen mit Köln als
Aushängeschild.
## Jede Menge Streitthemen
Man könnte sich etwa über den Sinn des Olympismus streiten, zu dessen
Wesensmerkmal die quasireligiöse Verehrung von sportlicher Leistung gehört.
Darüber, wie ein derartiges Megaevent so gestaltet werden könnte, dass es
nicht mehr ganz so leicht für nationalistische Propaganda
instrumentalisiert werden kann.
Auch eine ganz grundsätzliche Debatte darüber könnte man führen, ob
Sommerspiele in Zeiten der Klimakatastrophe immer noch nach den gleichen
Mustern geplant werden sollten wie in den vergangenen Jahrzehnten. Und im
Kleinen täte eine Auseinandersetzung darüber ganz gut, wie sinnvoll es war,
in Zeiten meist leerer kommunaler Kassen mehrere Städte ins teure Rennen um
den Titel einer Bewerberstadt zu schicken. Über Kosten der Spiele und die
Macht des IOC kann man eh gar nicht genug reden.
Stattdessen erfahren wir, dass Pep Lijnders, der niederländische Co-Trainer
von Jürgen Klopp, eine Woche ins Kloster gegangen ist, um sich auf seine
neue Aufgabe beim DFB vorzubereiten. Und während die ganze Nation nun den
Namen von Felix Keidel kennt, dem Neuberufenen aus dem Bundesligadorf
Elversberg, dürften viele nicht wissen, wer Thomas Weikert ist. Thomas
Weikert? Kleiner Tipp: Er ist der Präsident des Deutschen Olympischen
Sportbundes.
18 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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