# taz.de -- Rückzug des SPÖ-Chefs: Zu wenig geliefert
> Österreichs Vizekanzler galt mal als linke Hoffnung. Davon ist wenig
> geblieben: Die SPÖ ist unführbar, und die Koalition engt sie zu sehr ein.
(IMG) Bild: Andreas Babler, Hoffnungsträger des österreichischen SPÖ muss sich aus seinem Amt verabschieden
Eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 32 Stunden, eine sechste
Urlaubswoche, Erbschafts- und Vermögenssteuern: Andreas Babler hatte im
[1][internen Rennen] um die SPÖ-Führung viel versprochen. Kaum etwas davon
konnte er halten. Drei Jahre später muss er sich als Vizekanzler und
SPÖ-Chef verabschieden – der interne Druck wurde zu groß.
Dabei ist seine Bilanz nach anderthalb Jahren in der Regierung keineswegs
nur schlecht: Babler holte fähige Leute ins Kabinett. Bankenabgabe,
Mietpreisbremse und die halbierte Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel
tragen eine klar rote Handschrift.
Angesichts anhaltender Inflation, schwachen Wachstums und Firmenpleiten
reihenweise lieferte die SPÖ aber sozialpolitisch zu wenig. Große Reformen,
von Gesundheit bis Bildung, von Renten bis Sozialhilfe, blieben aus.
Für manches kann Babler nichts. Da ist zum einen die SPÖ selbst, deren
komplizierte Machtstruktur und Zerrissenheit den Parteivorsitz zum
Schleudersitz machen. Viele Parteigranden, allen voran die drei roten
Landeshauptleute (Ministerpräsidenten), sind mehr um eigene Pfründen
besorgt als ums große Ganze.
Dazu kommt die Junior-Rolle der SPÖ in der Regierung: Als linker Partner
der konservativen ÖVP und der noch kleineren liberalen Neos tut sie sich in
Zeiten des Sparzwangs schwer. Selbst bei vermeintlich unstrittigen Themen
[2][wie der Wehrpflicht] gelingen nur müde Kompromisse.
All das fällt auf Babler zurück, der von Anbeginn mit Widerständen zu
kämpfen hatte. Kritiker und so manche Genossen hatten dem langjährigen
Bürgermeister ein zu klassenkämpferisches Auftreten vorgeworfen. Dass sich
seit Monaten die Boulevardblätter gegen ihn einschießen, tut ein Übriges.
Der Grund: Als Medienminister fuhr Babler die Regierungsinserate massiv
zurück, zudem will er die fehlgeleitete Medienförderung reformieren. Daran
immerhin kann er auch 2027 weiterarbeiten, denn Medienminister soll er
bleiben.
5 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Florian Bayer
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