# taz.de -- Krankenkassenreform: Mit der versteckten Kamera in der Psychatrie
> Dank der Krankenkassenreform wird es schwieriger, an einen Therapieplatz
> zu kommen. Für Menschen mit Behinderung braucht es mehr Plätze und
> Personal.
(IMG) Bild: Besuch in der Psychatrie
Christian Specht, Jahrgang 1969, ist politisch engagiert und setzt sich für
mehr Mitwirkungsmöglichkeiten von Menschen mit Beeinträchtigung in den
Medien ein. Seit 2017 ist er der erste Mensch mit Beeinträchtigung im
Vorstand der Lebenshilfe Berlin. Wenn er möchte, zeichnet er uns den
„Specht der Woche“.
Hier geht es um Therapie. Viele Menschen brauchen sie und es gibt viele
unterschiedliche Arten, zum Beispiel auch Kunsttherapie. Aber trotzdem
versuchen alle gerade bei dem Thema zu sparen. Das ist schlimm für die
Leute, die einen Therapieplatz brauchen. Die Wartelisten sind eh schon so
lang. Vor Kurzem war ich in einer Psychiatrie in Lichtenberg. Die hatten
die Lebenshilfe und mich eingeladen, damit wir uns das mal ansehen und
ihnen sagen, was wir von der Psychiatrie halten. Also haben wir uns
ausgetauscht.
Auch Menschen mit Behinderung sind in Psychiatrien und sie haben oft einen
anderen Unterstützungsbedarf. [1][Viele Einrichtungen sind darauf nicht gut
eingestellt.] Ich glaube, für viele Menschen mit Behinderung ist es in
einer Psychiatrie nicht gut. Und einige können das nicht mal sagen, weil
sie gar nicht oder nicht so gut reden können wie ich. Da, wo wir jetzt
waren, gibt es eine Gummizelle und auch einen Raum, wo Leute am Bett
festgeschnallt werden können, wenn sie für sich oder andere gefährlich
werden. Aber nur mit richterlicher Erlaubnis! Und wenn sie sich beruhigt
haben, dann werden sie wieder freigelassen.
Die Mitarbeiter waren alle sehr nett, aber ich finde, es war zu wenig
Personal. Vielleicht braucht es mal einen Podcast über Psychiatrien, damit
alle besser informiert sind. Es gibt nämlich einige gute, aber auch einige
schlechte.
Ich habe da selbst mal Erfahrungen gemacht. Im Gespräch haben sie immer nur
mit meiner Betreuerin geredet, dabei bin ich doch der Patient. Meine
Betreuerin war auch richtig wütend darüber. Eigentlich hätte ich mal Lust,
ein Praktikum in einer Psychiatrie zu machen. Oder man schleust mich dort
ein, mit versteckter Kamera. Dann kann ich mit den Patienten reden und ganz
geheim herausfinden, wie die Stimmung so ist. Protokoll: Johannes
Drosdowski
4 Oct 2026
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werden.