# taz.de -- Hinrichtung im Livestream: US‑Politiker und UNO fordern Verzicht
> Es wäre wohl die erste Militärexekution in den USA seit mehr als 60
> Jahren – per Livestream übertragen. Letzteres war wohl nicht Trumps
> Entscheidung.
(IMG) Bild: Pete Hegseth hat angekündigt, die geplante Erschießung eines Attentäters öffentlich stattfinden zu lassen
afp/dpa | In den USA wächst der Druck auf Verteidigungsminister Pete
Hegseth, auf die angekündigte Liveübertragung der Hinrichtung eines zum
Tode [1][verurteilten Attentäters] zu verzichten. US-Vizepräsident J. D.
Vance äußerte am Freitag Zweifel und sagte, er werde sich einen Livestream
nicht anschauen. Republikaner wie auch Demokraten im Kongress erklärten,
eine öffentliche Hinrichtung erinnere an autoritäre Regierungen und
Extremisten. Das UN-Menschenrechtskommissariat sprach von einer Art
„Folter“.
Hegseth hatte die geplante Liveübertragung von Nidal Hasans Hinrichtung am
Donnerstag angekündigt. Der Attentäter werde von einem militärischen
Erschießungskommando hingerichtet, „und wir werden dafür sorgen, dass die
Leute zusehen können, dass es öffentlich ist“.
Ein Pentagon-Mitarbeiter bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, dass die
Exekution auf dem Militärstützpunkt Fort Hood in Texas am 3. Dezember live
übertragen werden soll. Es wäre die erste Hinrichtung durch die US-Armee
seit rund 65 Jahren und die erste öffentliche Exekution in den Vereinigten
Staaten seit mehr als 90 Jahren.
Vance äußerte Zweifel, ob die Liveübertragung überhaupt stattfinden wird.
Auf die Frage eines AFP-Reporters, wie der Plan mit seinem christlichen
Glauben vereinbar sei, antwortete der Vizepräsident: „Wenn es live
übertragen wird, werde ich es mir nicht anschauen.“
## Trump war offenbar nicht an Entscheidung beteiligt
US-Präsident Donald Trump ist eigenen Angaben nach nicht an der
Entscheidung für einen Livestream der für Dezember geplanten
Militärhinrichtung in Texas beteiligt gewesen. „Sie wollen das machen, weil
sie [2][ein Exempel statuieren wollen]“, sagte Trump am Rande einer
Wahlkampfveranstaltung in Syracuse im US-Bundesstaat New York in einem vom
Weißen Haus verbreiteten Video. „Ich war nicht involviert in die
Entscheidung, aber ich verstehe die Entscheidung.“
Trump fügte hinzu: „Ich nehme an, sie wollen, dass es als Beispiel dient,
und das kann ich sehr gut nachvollziehen.“ Zuvor hatte er bekräftigt, dass
er die Hinrichtung genehmigt habe.
Der frühere US-Armeepsychiater Hasan war im Jahr 2013 zum Tode verurteilt
worden, weil er in Fort Hood 13 Menschen erschossen und rund 30 weitere
verletzt hatte. Der muslimische US-Bürger palästinensischer Herkunft
feuerte nach eigenen Angaben 2009 auf seine Kameraden, weil diese in
Afghanistan Krieg gegen andere Muslime führten. Weil er bei seiner Tat an
der Wirbelsäule verletzt wurde, ist der heute 56-Jährige auf den Rollstuhl
angewiesen.
„Die Liveübertragung einer Hinrichtung ist gleichbedeutend mit einer
öffentlichen Hinrichtung und würde gegen das absolute Folterverbot
verstoßen“, erklärte der UN-Menschenrechtsbeauftragte Volker Türk. Unter
Berufung auf die UN-Antifolterkonvention betonte er, öffentliche
Exekutionen stellten „eine Form von grausamer, unmenschlicher oder
erniedrigender Behandlung oder Bestrafung“ dar.
Öffentliche Exekutionen sind sonst aus autoritären Ländern wie dem Iran,
Afghanistan oder Nordkorea bekannt. Aus dem US-Kongress gab es deshalb
parteiübergreifend Warnungen, sich nicht auf dieselbe Stufe wie solche
Staaten oder Extremistengruppen zu stellen.
## Bereits 30 Todesurteile in diesem Jahr vollstreckt
Der republikanische Abgeordnete Austin Scott sagte, er unterstütze zwar
Hasans Hinrichtung, aber eine Liveübertragung erinnere an Islamisten.
„Amerika ist besser als das“, erklärte Scott. Der Trump-kritische Senator
Thom Tillis bezeichnete die geplante öffentliche Erschießung als „mehr als
ekelhaft“. Dies sei etwas, „was unterdrückerische Diktaturen wie im Iran
oder in Afghanistan machen. Es sollte nicht in Amerika geschehen.“
Politiker der oppositionellen Demokraten kritisierten die Pläne als
„mittelalterlich“ und „barbarisch“.
Trump hatte das Erschießungskommando für Hasan zu Wochenbeginn gebilligt.
Der Rechtspopulist ist ein Anhänger der Todesstrafe und hatte mehrfach
deren Ausweitung gefordert.
[3][In den USA] wird seit der fehlgeschlagenen Hinrichtung der
Todeskandidatin Christa Pike wieder intensiv über die Todesstrafe
diskutiert. Die verurteilte Mörderin hatte am Mittwoch vergangener Woche in
Nashville im US-Bundesstaat Tennessee zwei Injektionen mit dem
normalerweise tödlichen Mittel Pentobarbital überlebt.
In diesem Jahr wurden in den Vereinigten Staaten bereits 30 Todesurteile
vollstreckt. Im vergangenen Jahr waren 47 Menschen hingerichtet worden –
die höchste Zahl seit 2009.
10 Oct 2026
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