# taz.de -- Ungleich verteilte Erbschaften: Richtige Idee mit geringer Chance
       
       > Die Ostbeauftragte fordert, ungleiche Erbschaften in Ost und West
       > auszugleichen. Bayern will das Gegenteil. Willkommen in der deutschen
       > Einheit.
       
 (IMG) Bild: Ost-West Aus- und Vergleiche für die deutsche Einheit
       
       Der Zeitpunkt ist schlau gesetzt: Kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit
       fordert die [1][Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser] einen Ausgleich bei der
       Erbschaftsteuer zwischen Ost und West: Es müsse einen finanziellen
       Ausgleich geben zwischen den Bundesländern mit hohen Einnahmen aus der
       Erbschaftsteuer und jenen, die wenig einnehmen. Manche werden sich die
       Haare raufen: Was soll das denn? Andere mögen in die Hände klatschen:
       Endlich sagt’s mal eine. Dabei wandert Kaiser mit ihrer Idee schon seit
       längerer Zeit durch die Lande – nur hat sich bislang kaum jemand dafür
       interessiert.
       
       Dabei hat die Ostbeauftragte recht: [2][95 Prozent der Erbschaften landen
       bei Westdeutschen.] Oder anders dargestellt: Im Westen werden
       durchschnittlich 2.100 Euro pro Person vererbt, im Osten knapp 500 Euro.
       Das liegt nicht daran, dass etwa die Produktivität im Osten geringer wäre
       als im Westen, weil die faulen Ossis immer noch nicht geschnallt hätten,
       dass nicht mehr Sozialismus ist. Ebenso wenig hat es damit zu tun, dass im
       Westen ausschließlich die Kenner der globalen Wirtschaft sitzen. Vielmehr
       liegt das schlicht an der komplett unterschiedlichen Entwicklung der beiden
       deutschen Staaten nach 1949.
       
       Während Westdeutsche in der Marktwirtschaft 40 Jahre lang Zeit hatten,
       Vermögen aufzubauen, davon Immobilien zu kaufen und [3][damit weiteres
       Vermögen anzuhäufen], war Ostdeutschen all das nicht gegeben. Das konnten
       sie bis heute nicht aufholen, auch weil das Durchschnittseinkommen im Osten
       nach wie vor geringer ist.
       
       Kaisers Idee eines „föderalen Mechanismus“ könnte den strukturellen
       Nachteil des Ostens teilweise ausgleichen. Die Chancen indes, dass der
       Vorschlag irgendwo Gehör findet, sind nicht sonderlich gestiegen. Im
       Gegenteil: Bayern will mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht
       erzwingen, dass den Bundesländern mehr eigene Befugnisse bei der
       Erbschaftsteuer zustehen als bisher. Zugespitzt formuliert: Etwas abgeben
       will Bayern auf keinen Fall. Eine klare Botschaft zum Tag der Deutschen
       Einheit.
       
       30 Sep 2026
       
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 (DIR) Simone Schmollack
       
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