# taz.de -- Unser Fenster nach Russland: Was kommt nach den Wahlen in Russland?
       
       > Radio-Echo-Chefredakteur Maxim Kurnikov über die politische Lage nach der
       > Wahl, eine mögliche weitere Ausreisewelle und die Arbeit russischer
       > Exilmedien in Berlin.
       
       Im September [1][hat Russland gewählt]. Die Regierungspartei „Einiges
       Russland“ von Wladimir Putin hat die Wahl erneut gewonnen. Eine
       Überraschung war das für niemanden. Doch uns interessiert vor allem: Was
       kommt danach? Was bedeuten diese Wahlen für Russland – und welche
       Entwicklungen sind jetzt zu erwarten?
       
       Darüber spricht Maxim Kurnikov, Chefredakteur von Radio Echo, einem
       kritischen russischsprachigen Exilmedium mit Sitz in Berlin. Gastgeber des
       Podcasts „Freie Rede“ ist Tigran Petrosyan.
       
       Nach Einschätzung von Kurnikov könnte es nach den Wahlen zu einer weiteren
       Verschärfung des Regimes, einer Zunahme der Repressionen und einer
       Eskalation des Krieges kommen.
       
       ## Schwierige Wirtschaftslage in Russland
       
       Gleichzeitig befindet sich Russland derzeit in einer sehr schwierigen
       wirtschaftlichen Lage, erklärt Kurnikov. Der russische Staat müsse von
       seinen eigenen Bürger:innen immer mehr Geld einnehmen, um seine
       Militärausgaben zu finanzieren.
       
       „So steigen die Kosten für Wohnen, Heizung und Strom erheblich. Und wissen
       Sie, für welches Datum diese Erhöhungen angesetzt wurden? Für den 1.
       Oktober. Das heißt: Zuerst finden die Wahlen statt, und danach werden die
       Menschen mit Tarifen konfrontiert, die teilweise fast anderthalb- oder
       sogar doppelt so hoch sind wie zuvor“, sagt Kurnikov.
       
       Auch die Angst vor einer möglichen Mobilmachung beschäftigt viele Menschen.
       Nach Kurnikovs Beobachtungen und den Recherchen seines Redaktionsteams gibt
       es eine neue Welle von Menschen, die Russland verlassen und in Länder
       reisen, für die sie kein Visum benötigen – also dorthin, wo sie kein
       Schengen-Visum brauchen: nach Armenien, Serbien oder Georgien.
       
       Dabei unterscheide sich diese neue Ausreisewelle deutlich von früheren,
       berichtet Kurnikov: „Wir sehen, dass die Menschen dieser neuen
       Ausreisewelle deutlich weniger wohlhabend sind als diejenigen, die 2022 und
       2023 gegangen sind. Sehr häufig handelt es sich um sehr junge Menschen, die
       kaum Erfahrung mit einem freien, selbstständigen Leben haben. Ihre Eltern
       schicken sie weg. Sie sind 18 oder 19 Jahre alt. Die Eltern haben Angst,
       dass ihre Kinder einfach zur Armee eingezogen werden und keine Zukunft
       haben“.
       
       ## Berlin für russische Exiljournalist:innen
       
       Kurnikov, der selbst in Berlin lebt, erzählt außerdem die Geschichte von
       Radio Echo und Echo Moskwy und erklärt, warum Berlin für ihn heute die
       wichtigste Stadt der Welt für den russischen Journalismus ist.
       
       Dabei zieht er auch eine Parallele zur Emigration aus der Sowjetunion:
       „Wenn wir unsere Situation mit der Emigration aus der Sowjetunion
       vergleichen, befinden wir uns deshalb in einer wesentlich privilegierteren
       Lage. Wir stehen ständig mit Menschen in Verbindung, die sich innerhalb
       Russlands befinden.“
       
       Zum Schluss geht es um die Arbeit des Echo-Verlags. Kurnikov stellt Bücher
       vor, die der Verlag herausbringt und die seiner Einschätzung nach sogar für
       die aktuellen Verhandlungen von Bedeutung sein könnten.
       
       [2][Osteuropa gehört zu den Schwerpunkten der taz panterstiftung], die
       dorthin blickt, wo der Zugang zu Informationen immer schwieriger wird –
       Russland und Belarus gehören dazu. Am letzten Tag im Monat erscheint eine
       neue Podcastfolge von „Unser Fenster nach u. a. Russland/Belarus“ im
       Podcastformat „Freie Rede“ der [3][taz panterstiftung].
       
       30 Sep 2026
       
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