# taz.de -- Unser Fenster nach Belarus: Pässe, Exil und Widerstand
> Exil endet nicht an der Grenze: Belarussische Stimmen diskutieren über
> Passentzug, Repression und die Kraft unabhängiger Medien.
Viele belarussische Journalist:innen, Autor:innen und Oppositionelle
mussten [1][nach den Protesten von 2020] ihre Heimat verlassen. Für viele
von ihnen endet das Exil jedoch nicht an der Grenze. Denn seit einer
Gesetzesänderung können Belaruss:innen ihre Pässe nur noch in Belarus
verlängern lassen.
Für Regimekritiker:innen bedeutet das ein kaum lösbares Dilemma: Wer
zurückkehrt, riskiert Verhaftung. Wer im Ausland bleibt, verliert
möglicherweise seine gültigen Ausweisdokumente.
Über diese Form der Repression diskutieren in dieser Podcastfolge der
Jurist und Schriftsteller Maxim Znak, der Journalist und Fotograf Sergei
Balai aus Berlin sowie die belarussische Journalistin Alena, die heute in
Norwegen lebt. Moderiert wird das Gespräch von Tigran Petrosyan.
## Die große Lücke zwischen Bürokratie und Realität
Maxim Znak lebt derzeit im Rahmen eines [2][Literaturstipendiums am LCB in
Berlin. Er wird duch die taz panterstiftung gefördert].
Znak macht deutlich, dass das Problem inzwischen auch auf europäischer
Ebene anerkannt ist: „Es gibt eine Resolution und Empfehlungen des
Europarates. Darin wird festgestellt, dass der Umgang mit Pässen eine Form
grenzüberschreitender Repression ist.“
Znak ergänzt, der Europarat empfehle den europäischen Staaten deshalb,
dieses Vorgehen des belarussischen Staates als rechtswidrig anzusehen und
betroffenen Belarussinnen und Belarussen Reiseausweise sowie andere
Dokumente auszustellen.
Doch zwischen politischen Empfehlungen und der bürokratischen Realität
liegt oft eine große Lücke. Vielen Betroffenen wird geraten, Asyl zu
beantragen, wenn sie politisch verfolgt werden. Doch auch dieses Verfahren
kann lange dauern und schafft nicht sofort Rechtssicherheit.
## Exil als Kraftquelle
Trotz aller Hürden entstehen im Exil weiterhin neue Bücher, Medienprojekte
und kulturelle Initiativen. [3][Kreativität wird zu einer Form des
Widerstands].
Znak arbeitet derzeit an Büchern, die er während seiner Haft im Kopf
bewahrt hat: „Alles, was ich in meiner Zelle schrieb, blieb im Gefängnis.
Als ich freikam, hatte ich jedoch eine Art Gedächtniskarte im Kopf. Darauf
sind diese Bücher nur noch bruchstückhaft gespeichert. Jetzt versuche ich,
sie zu rekonstruieren.“
Auch unabhängige Medien bleiben für viele Menschen in Belarus eine der
wenigen verlässlichen Informationsquellen. Darauf weist Sergei Balai,
Gründer und Chefredakteur der Fotoagentur „LookByMedia“, hin: „Die Medien
im Exil sind für die Menschen in Belarus das letzte einigermaßen
zugängliche Fenster zur Welt geblieben. Wenn wir den unabhängigen Medien
die Unterstützung entziehen, spielen wir damit vor allem der offiziellen
russischen und belarussischen Propaganda in die Hände. Und das beschleunigt
leider nicht die Demokratisierung von Belarus, sondern seine Auflösung im
russischen Herrschaftsraum.“
Die drei Podcastgäste haben vom 6. bis zum 8. Juli am dritten Exil-Workshop
der taz panterstiftung in Berlin teilgenommen.
[4][Osteuropa gehört zu den Schwerpunkten der taz panterstiftung], die
dorthin blickt, wo der Zugang zu Informationen immer schwieriger wird –
Russland und Belarus gehören dazu. Am letzten Tag im Monat erscheint eine
neue Podcastfolge von „Unser Fenster nach u. a. Russland/Belarus“ im
Podcastformat „Freie Rede“ der [5][taz panterstiftung].
31 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /5-Jahre-Revolution-in-Belarus/!6102663
(DIR) [2] https://lcb.de/gaeste/maxim-znak/
(DIR) [3] /Exil-Workshops-2026/!vn6191007/
(DIR) [4] /stiftung/osteuropa
(DIR) [5] /panter-stiftung/vom-wort-zur-tat/!v=e4eb8635-98d1-4a5d-b035-a82efb835967/
## AUTOREN
(DIR) Tigran Petrosyan
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