# taz.de -- Verbraucherschützer über Gasheizungen: „Als Mieter:in ist man in einer schwachen Position“
> Die Heizperiode beginnt – und die Gasspeicher sind auf einem Tiefstand.
> Verbraucherschützer Florian Munder erklärt, was das für Betroffene heißt.
(IMG) Bild: Gasspeicher: Sind sie nicht gut gefüllt, kann das Heizen mit Gas teuer werden
taz: Herr Munder, die deutschen [1][Gasspeicher sind so leer wie noch nie
um diese Jahreszeit]. Was heißt das im bevorstehenden Winter für
Verbraucherinnen?
Florian Munder: Man muss davon ausgehen, dass Gas teurer wird. Es ist ja
jetzt schon recht teuer auf den Weltmärkten, wenn auch nicht vergleichbar
mit der Situation zu Beginn des Ukrainekriegs. Mittlerweile sind wir
deutlich besser aufgestellt: Die Gasversorgung ist diversifiziert, wir
kriegen sehr viel Pipelinegas aus Norwegen, wir kriegen LNG über unsere
eigenen LNG-Häfen, die neu gebaut wurden, aber auch aus Belgien und den
Niederlanden.
taz: Wie lange dauert es, bis höhere Preise bei den Verbraucher:innen
ankommen?
Munder: Viele Endkund:innen spüren die höheren Preise noch nicht, weil
der klassische Gasliefervertrag so aufgebaut ist, dass man eine
Preisgarantie über die Erstlaufzeit von zwölf Monaten hat. Die sichert
einen ab. Wenn aber diese Preisgarantie im Winter ausläuft, dann kann es
sein, dass man einen neuen Vertrag nur zu deutlich höheren Preisen bekommt.
Wer also schon raus ist aus der Erstlaufzeit, sollte sich am besten jetzt
umschauen nach einem neuen Angebot mit Preisgarantie über den Winter. Aber
auch schon jetzt sind die Preise bei neuen Verträgen spürbar höher als noch
vor einem Jahr.
taz: Das können Menschen machen, die eine Gasetagenheizung haben oder im
Eigenheim mit Gasheizung leben. Was ist mit Mieter:innen, bei denen der
oder die Vermieter:in die Verträge abschließt?
Munder: Das ist tatsächlich der häufigste Fall. Über 50 Prozent der
Menschen in Deutschland wohnen zur Miete und die Gaszentralheizung ist die
häufigste Heizungsart. Die Verträge dafür schließen die Vermieter:innen
ab. Da kann man nur das Gespräch suchen und auf guten Willen hoffen. Als
Mieter:in ist man hier in einer schwachen Position. Es gibt durchaus
Vermieter:innen, die hier kooperativ sind – nur leider gibt es dafür keinen
Anreiz.
taz: Und wenn vor drei Jahren eine neue Gasheizung eingebaut wurde, hat man
einfach Pech?
Munder: Es gibt jedenfalls ein hohes Risiko, dass es über die Jahre
deutlich teuer wird. Immerhin gibt es bei der Biotreppe – also dem Anteil
Biomethan, den die Versorger ab 2028 dem fossilen Erdgas an beimischen
müssen – Vorgaben, dass die Mehrkosten zum Teil von den Vermieter:innen
übernommen werden müssen. Das gilt auch für die Netzentgelte, die mit der
Energiewende tendenziell steigen werden.
taz: Sind die absehbaren Preissteigerungen hausgemacht?
Munder: Soweit würde ich jetzt nicht gehen. Aber es stimmt schon, bei den
Haushalten ist Gas nach wie vor die wichtigste Energiequelle. Auch in der
Industrie wird es viel verwendet. Und die gesetzlichen Vorgaben zur Füllung
der Speicher funktionieren derzeit nicht.
taz: Wie kann das sein?
Munder: Zunächst mal wird weniger Gas eingespeichert als in den Jahren
davor, weil sich die klassische Preisdifferenz zwischen Sommer und Winter
deutlich verringert hat. Die Versorger haben also keinen Anreiz, im Sommer
Gas einzuspeichern, weil sie es dann nicht billig einkaufen und im Winter
teuer verkaufen können. Dazu kommt: Wer zu wenig Gas einspeichert, dem
drohen keine Sanktionen.
taz: Bräuchte es also andere Regeln?
Munder: Für das kommende Jahr gibt es immerhin den Plan, eine nationale
Gasspeicherreserve anzulegen. Noch liegt der Gesetzentwurf nicht vor. Aber
wenn das Vorhaben entsprechend rechtzeitig verabschiedet wird, könnte die
Bundesregierung im Winter 2027/28 stark steigende Markpreise abfedern,
indem sie selbst Gas auf den Markt gibt. Oder die Versorgung sichern, wenn
es zu einer Knappheit kommt.
taz: Müssen sich Verbraucher:innen denn da Sorgen machen?
Munder: Nein, private Haushalte gehören zu der besonders geschützten
Gruppe. Das heißt, bevor es bei ihnen kalt wird, werden eher
Industrieunternehmen verpflichtet, ihren Verbrauch einzuschränken.
taz: Was kann oder sollte tun, wer im Eigentum wohnt?
Munder: Wer im Eigenheim wohnt, hat eine deutlich bessere Ausgangslage,
weil man da selbst – oder in Absprache mit der Eigentümergemeinschaft –
über die Heizungsart entscheiden kann. Wir haben derzeit immer noch eine
attraktive Förderkulisse, auch mit einem Geschwindigkeitsbonus. Das heißt,
je früher ich eben umsteige von fossil auf erneuerbar, desto mehr bekomme
ich gefördert. Das Ganze braucht natürlich etwas Vorlauf und vor allem
sollte man sich gut überlegen, zu welchem Zeitpunkt der Umstieg gut passt.
Das hängt auch davon ab, wie alt die bestehende Heizung ist. Wenn man an
einem kalten Wintertag eine Havarie hat und schnell eine neue Lösung
hermuss, dann wird das wahrscheinlich nicht die günstigste.
taz: Ist für die meisten Gasumsteiger:innen eine Wärmepumpe die beste
Lösung?
Munder: Für die meisten wird sie das sein. Aber wir empfehlen, sich in
dieser Frage in jedem Fall bei einer unabhängigen Energieberatung Rat zu
holen. In einem dicht gebauten Innenstadtquartier ist vielleicht eine
Wärmepumpe nicht möglich, zum Beispiel, weil es an Platz fehlt. In solchen
Fällen funktioniert aber Fernwärme gut. Die wird auch Schritt für Schritt
dekarbonisiert. Aber Fernwärme hat einen großen Haken: Das ist ein
monopolisierter Markt. Man begibt sich da in die [2][Abhängigkeit] des
jeweiligen Anbieters und kann nicht wechseln, wie bei Strom oder Gas.
Aktuell ist Fernwärme auch deshalb im Durchschnitt eine ziemlich teure
Heizungstechnik. Die Preise unterscheiden sich regional aber deutlich.
taz: Was taugen ganz andere Wege – etwa eine Infrarotheizung, die mit Strom
aus der Steckdose läuft?
Munder: Davon würde ich abraten. Diese Geräte sind zwar in der Anschaffung
recht günstig im Betrieb aber noch teurer als das Heizen mit Gas. Wenn man
kurzfristig mal einen Ausfall überbrücken muss, okay, aber nicht auf lange
Sicht.
30 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
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