# taz.de -- Hohe Energiekosten: Angst vor dem Gaspreisschock im Winter
       
       > Die Grünen fordern eine Abwrackprämie für fossile Heizungen, der
       > Bundesrat will eine Gasspeicherstrategie. Doch die Regierung will nicht
       > handeln.
       
 (IMG) Bild: Gaszähler: Wird es im Winter genug Gas zum Heizen geben – und werden Kund*innen es bezahlen können?
       
       Mit Blick auf den kommenden Winter steigt der Druck auf die
       Bundesregierung, einen [1][Energiepreisschock] zu verhindern. Die Grünen
       drängen auf eine Kampagne zum Energiesparen und die Einführung einer
       Abwrackprämie für Öl- und Gasheizungen. Der Bundesrat fordert eine
       Strategie zur Befüllung der deutschen Gasspeicher.
       
       Aufgrund des Irankriegs und der anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus
       sind die Preise für Öl und Gas stark gestiegen. Denn durch die Meerenge im
       Persischen Golf transportieren Tanker große Teile des weltweiten Bedarfs.
       Zwar bezieht Deutschland wenig aus der Region, leidet aber unter den hohen
       Weltmarktpreisen – die auch bei einem Ende der Blockade nicht schnell
       sinken werden. Während sich steigende Ölpreise unmittelbar an den
       Tankstellen und den Heizölmärkten bemerkbar machen, wirken sich höhere
       Gaspreise oft erst verzögert auf Verbraucher:innen aus, weil sie
       Verträge mit einer Preisbindung haben. Läuft die aus, erhöhen die
       Versorgungsunternehmen bei einer Verknappung die Tarife, in einer akuten
       Krise sprunghaft.
       
       „Steigende Gaspreise infolge der Irankrise sind eine tickende Zeitbombe“,
       sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Julia Verlinden der taz.
       „Wir brauchen jetzt eine gemeinsame Kraftanstrengung von Politik,
       Wirtschaft und Haushalten, den Gasverbrauch deutlich zu senken und so das
       Kostenrisiko einzudämmen“, forderte sie. Doch die Bundesregierung lasse die
       drohende Kostenwelle tatenlos auf sich zukommen.
       
       Verlinden kritisiert Gesetzesvorhaben der Bundesregierung, die ihrer
       Einschätzung nach den Gasverbrauch „zusätzlich anfeuern“. Dazu gehört die
       [2][Änderung des Gebäudeenergiegesetzes,] mit dem wesentliche Reformen der
       Ampel zurückgedreht werden sollen. So soll der Einbau und Betrieb von Gas-
       und Ölheizungen unbegrenzt erlaubt werden. Gleichzeitig plant
       Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) eine Reihe von
       Gesetzesänderungen, die Kritiker:innen zufolge den Ausbau der
       erneuerbaren Energien enorm erschweren würden.
       
       ## Kein Appell zum Energiesparen von der Regierung
       
       Statt diese Vorhaben voranzutreiben, müsse die Bundesregierung eine
       Gasunabhängigkeitsstrategie verabschieden, die den fossilen Gasverbrauch
       bis 2035 mindestens halbiert und bis spätestens 2045 völlig beendet,
       fordert Verlinden. Im Jahr 2045 muss Deutschland nach geltender
       Gesetzeslage klimaneutral sein. Außerdem verlangt Verlinden, dass die
       Bundesregierung ein akutes Gaskrisenpaket beschließt. Teil davon sollen
       eine Energiesparkampagne und eine Abwrackprämie für Öl- und Gasheizungen
       sein. Bislang gibt es von der Bundesregierung nicht einmal einen Appell an
       die Bürger:innen, angesichts der schwierigen Weltlage Energie zu sparen.
       
       Nach Vorstellungen der Grünen könnte eine Abwrackprämie für Öl- und
       Gasheizungen in einer zusätzlichen Förderung von 10 Prozent der Kosten
       einer nichtfossilen Heizung bestehen. Bislang fördert der Bund einen
       Heizungsumstieg mit bis zu 70 Prozent.
       
       Nicht nur die Grünen fürchten eine Gaspreisexplosion im kommenden Winter.
       Der Bundesrat hat die Bundesregierung bei seiner Sitzung Anfang Mai
       aufgefordert, [3][unverzüglich eine Strategie zum Füllen der Gasspeicher zu
       entwickeln]. Die Länder fürchten bei zu knappen Reserven einen Preisschock.
       Früher befüllten Händler:innen die Speicher im Sommer, weil dann die
       Preise für Gas günstiger waren als im Winter. Derzeit sind die Preise aber
       anhaltend hoch, sodass kein Anreiz zur Lagerung besteht.
       
       Aber das Bundeswirtschaftsministerium sieht keinen Anlass, zu handeln. Die
       Befüllung der Gasspeicher sei Sache des Marktes, sagte eine Sprecherin des
       Bundeswirtschaftsministeriums am Mittwoch. Eine Befüllung würde den Staat
       viel Geld kosten. „Es gibt keinen Versorgungsengpass“, sagte die
       Sprecherin. Die Gasspeicher seien aktuell zu 30 Prozent gefüllt.
       
       Das stimmt. Allerdings waren die Speicher im Mittel der Jahre 2017 bis 2021
       Ende Mai bereits zu rund 50 Prozent gefüllt.
       
       27 May 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Transformation-und-Waermegewinnung/!6173769
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anja Krüger
       
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