# taz.de -- Halb leere Speicher: Wie Reiche mehr Gas für den Winter sichern will
       
       > Die Erdgasspeicher sind noch nicht so voll, wie sie sein sollten. Nun
       > drängt die Wirtschaftsministerin, dass die Firmen die Vorräte vergrößern.
       
 (IMG) Bild: Die Gasspeicher sind halb voll, aber eben auch halb leer. Die Ministerin greift nun doch ein: Speicherstation Etzel ESE
       
       Die Heizperiode steht vor der Türe, aber die unterirdischen Gasspeicher
       sind leerer als im vergangenen Jahr – waren die hiesigen Lagerstätten Mitte
       September 2025 zu 76 Prozent gefüllt, sind es jetzt erst 56 Prozent. Doch
       nun drängt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) anscheinend
       darauf, dass die Gashändler mehr Brennstoff einspeichern.
       
       Die [1][Diskussion läuft seit Monaten]. Der Verband der Speicherbetreiber
       warnt, die vorhandenen Mengen reichten eventuell nicht für einen sehr
       kalten Winter aus. Dann würden die Preise vermutlich erheblich steigen.
       
       Bisher hatte das Wirtschaftsministerium erklärt, dass wegen der neuen
       Flüssiggas-Terminals an den Küsten in jedem Fall genug Heizenergie zur
       Verfügung stehe. Nun berichtet die Agentur Reuters, Reiche wünsche, dass
       Trading Hub Europe (THE), ein Unternehmen der Gasnetzbetreiber, größere
       Speicherkapazitäten als bisher ausschreibe.
       
       Die beteiligten Gashändler würden damit zusichern, zusätzliche Mengen Gas
       einzuspeichern, die dann ab Januar 2027 zur Verfügung stünden. Dafür
       erhielten die Händler von THE eine Bereitstellungsgebühr, die Kosten dafür
       könnten die Gasnetzbetreiber wiederum auf den Gaspreis umlegen. So trägt
       nicht der Staat die Kosten; zahlen müssen die Privathaushalte und
       Unternehmen, die das Gas zum Heizen und für die Produktion brauchen.
       
       ## Sefe eingeplant
       
       Dieser Mechanismus wird auch bisher schon angewendet. Für die ersten
       Wintermonate 2026 hat das bereits rund 50 Millionen Euro gekostet. Nun
       sollen die Mengen aber steigen. Auch wegen des geringen Füllstands der
       Speicher könnte es dann etwas teurer werden, die Maßnahme würde sich
       insgesamt aber relativ wenig auf die Endkundenpreise auswirken.
       
       Parallel wollen die [2][staatlichen deutschen Gasunternehmen Sefe], ehemals
       Gazprom Germania, und Uniper mehr Brennstoff als Vorsorge für den Winter
       einkaufen. „Dass Sefe ihre Aktivitäten zur Befüllung der Speicher
       verstärken will, begrüßen wir ausdrücklich“, sagte eine Sprecherin des
       Wirtschaftsministeriums.
       
       Die Speicher sind jetzt leerer als im vergangenen Jahr zum selben
       Zeitpunkt, weil Erd- und Flüssiggas auf dem Weltmarkt teurer geworden ist.
       Das ist eine Folge des Irankrieges und der weitgehenden Sperrung der Straße
       von Hormus. Wegen des hohen Einkaufspreises befürchten die Gashändler, dass
       ihr Gewinn beim Verkauf der gespeicherten Mengen im Winter zu gering
       ausfällt.
       
       ## Reiches Sorgen
       
       Wirtschaftsministerin Reiche hatte die Entwicklung bisher mehr oder weniger
       laufen lassen. Ihrer Ansicht nach sind vor allem die Unternehmen in der
       Pflicht, die Versorgung zu gewährleisten, nicht der Staat. Außerdem will
       sie eine Situation vermeiden wie nach dem russischen Angriff auf die
       Ukraine 2022, als THE Gas zu extrem hohen Preisen einkaufte und am Ende der
       Staat die Rechnung bezahlte, die man den Kunden nicht aufbürden wollte.
       
       Dabei hat die Wirtschaftsministerin allerdings hingenommen, dass die
       Vorgaben der [3][Füllstandsverordnung] der Bundesregierung verfehlt werden.
       Danach sollten die unterirdischen Speicher eigentlich bis zum 1. November
       durchschnittlich zu 70 Prozent gefüllt sein. Mittlerweile ist es
       unrealistisch, dieses Ziel auf dem normalen Weg noch zu erreichen.
       
       Und wie geht es 2027 weiter? Die Füllstandsverordnung läuft Ende März aus.
       Dann könnte der Druck weiter abnehmen, ausreichend Gas einzulagern. Eine
       mögliche Konsequenz bestünde darin, dass THE schon früher im Sommer
       beginnt, größere Mengen auszuschreiben. Helfen mag auch die [4][Gasreserve
       für den Krisen- und Kriegsfall, die Reiche einzurichten plant.] Ihren
       Plänen zufolge solle diese zwar nicht der normalen Wintervorsorge dienen.
       Doch das Gas läge in denselben Speichern und wirkte auch als Puffer für
       besonders kalte Perioden.
       
       16 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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