# taz.de -- Zwischenwahlen in den USA: Der teuerste Wahlkampf aller Zeiten
       
       > Noch nie sind für Zwischenwahlen in den USA so große Wahlkampfspenden
       > geflossen wie in diesem Jahr. Einige Großspender ragen besonders heraus.
       
 (IMG) Bild: Unterstützer*innen von Abdul El-Sayed in Michigan: Der demokratische Bewerber kritisiert Rivalen wegen hoher Wahlkampfspenden
       
       Für [1][Abdul El-Sayed], den neben dem Texaner [2][James Talarico] wohl
       prominentesten Senatskandidaten bei den diesjährigen US-Zwischenwahlen, ist
       die Rolle des Geldes in der Politik eines der wichtigsten Wahlkampfthemen.
       Seiner Gegnerin bei der demokratischen Vorwahl in Michigan, Hayley Stevens,
       warf er vor, Gelder der [3][Pro Israel-Lobby Aipac] angenommen zu haben.
       Sein republikanischer Kontrahent im November, Mike Rogers sei der Öllobby
       hörig, sagte er. Und wenn er in den Senat komme, so El-Sayed, werde er alle
       Kraft darauf verwenden, den absurd gewordenen Ausgabenwahn bei US-Wahlen
       einzudämmen.
       
       Die Zahlen scheinen ihm recht zu geben. Mit Stand vom 21. Oktober, meldete
       der öffentliche Rundfunk, seien für die diesjährigen Kongresswahlen schon
       rund 15 Milliarden Dollar ausgegeben worden. Doch damit ist noch nicht
       Schluss: Die meiste Werbung wird gewöhnlich in den letzten Tagen vor der
       Wahl geschaltet.
       
       Zum Vergleich: Im November 2024, als in den USA sowohl der Kongress wie
       auch der Präsident gewählt wurden, wurden insgesamt 14 Milliarden Dollar in
       politischen Einfluss investiert. Die Kongresswahl alleine kostete damals
       lediglich 9 Milliarden.
       
       ## Letzte Ausfahrt vor Totalitarismus
       
       Die Zahlen reflektieren die Bedeutung, die diese Wahl für die Zukunft des
       Landes hat. Die Demokraten sehen sie als letzte Gelegenheit, das Land vor
       dem Abrutschen in den Totalitarismus zu bewahren. Die Republikaner warnen
       vor einer vermeintlichen Rückkehr zu „linksliberalem Wahnsinn“ wie offenen
       Grenzen, Diversitäts- und Inklusionsprogrammen und Transpersonen im Sport
       sowie einem Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump.
       
       Doch das allein erklärt die Ausgabenexplosion nicht. Bei allen Wahlen seit
       2018 wird derartige Endzeitrhetorik angewandt. Jede Wahl ist immer die
       „wichtigste“ in der Geschichte. Vielmehr liegt die Vermutung nahe, dass
       Großspender Angst haben, ihren Einfluss auf die Politik zu verlieren.
       
       Für als eng eingeschätzte Senatswahlkämpfe wie in Texas oder Michigan haben
       republikanische Kandidaten 946 Millionen angenommen, demokratische
       Kandidaten 624 Millionen. Das [4][Brennan Center for Justice] der New York
       University glaubt, dass republikanische Kandidaten insgesamt mehr als
       doppelt so viel Geld annehmen werden wie demokratische. „Das ist vermutlich
       die größte Diskrepanz in der amerikanischen Geschichte.“
       
       ## Super-Spender Elon Musk
       
       Für den massiven Unterschied in der Höhe der Wahlkampfspenden sind nicht
       zuletzt die sogenannten Mega-Spender verantwortlich. An erster Stelle
       dieser Spender steht, nicht überraschend, Elon Musk. Laut New York Times
       hat der Billionär bislang mehr als 276 Millionen US-Dollar an
       republikanische Kandidaten vergeben.
       
       Zuletzt spendete Musk 158 Millionen an den „Senate Leadership Fund“. Der
       Fond ist das größte republikanische „Super PAC“ – eine Konstruktion, die
       eine direkte Kollaboration mit einzelnen Wahlkämpfen zwar verbietet, dafür
       jedoch praktisch unbegrenzte Spenden zulässt. Die PACs (Political Action
       Committees) waren eine der schwerstwiegenden Folgen des
       Supreme-Court-Urteils von 2010, das die Regulierung und Begrenzung von
       Wahlkampfspenden unter dem Vorwand der freien Rede aufhob.
       
       Mega-Spender wie Musk wissen derweil, was sie für ihr Geld bekommen.
       Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich selbst Kriegsminister nennt,
       hat den Unternehmer Musk gerade damit beauftragt, die Nutzung von
       Technologie auf dem Schlachtfeld zu revolutionieren. Ähnliche Vorteile
       versprechen sich die KI- und Krypto-Investoren Marc Andreessen und Ben
       Horowitz, die zusammen 115 Millionen für republikanische Kandidaten
       ausgegeben haben. Weiter geht es mit dem Hedge-Fonds-Investor Jeff Yass,
       mit mehr als 90 Millionen. Auf der demokratischen Seite hat George Soros
       mehr als 100 Millionen in den Wahlkampf gesteckt.
       
       ## Geld schießt keine Tore
       
       Wahlforscher wie die Gruppe [5][RepresentUs] glauben unterdessen, dass Geld
       alleine keinen Wahlsieg erkauft. Die Dynamik sei eher umgekehrt: Spender
       investieren in Kandidaten, die sie ohnehin für aussichtsreich halten, um
       sich späteren Zugang zur Regierung zu erkaufen.
       
       Es gibt jedoch reichlich Beispiele dafür, dass dieses Kalkül nicht immer
       aufgeht. So nahm im Bürgermeisterwahlkampf in New York Zohran Mamdani
       40-mal weniger an Spenden an als sein Gegner und gewann. Ein Exempel, das
       El-Sayed oder Talarico jetzt bei den Zwischenwahlen zu wiederholen hoffen.
       
       25 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Linker-gewinnt-Vorwahlen-in-Michigan/!6202154
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 (DIR) [4] https://www.brennancenter.org/
 (DIR) [5] https://represent.us/
       
       ## AUTOREN
       
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