# taz.de -- Geflüchtetenunterkunft in Berlin: Zuflucht bei der Rentenversicherung
       
       > Aus der Deutschen Rentenversicherung in der Hasenheide ist eine
       > Geflüchtetenunterkunft geworden. Bald sollen über 900 Menschen in den
       > einstigen Büros leben.
       
 (IMG) Bild: Ein bisschen karg ist es schon in der Geflüchtetenunterkunft Hasenheide. Dafür ist die Nachbarschaft freundlich
       
       Zwei Betten und zwei Metallspinde stehen sich in einem sonst kahlen Raum
       gegenüber – in der Ecke neben der Tür lehnt noch ein Wischmob an der Wand.
       So sieht die Welt von Geflüchteten aus, die seit dem 1. Oktober in der
       [1][Erstaufnahmeeinrichtung Hasenheide] in Berlin-Kreuzberg untergebracht
       sind. Der blaue Kunststoffboden und die abgehängte Bürodecke atmen noch den
       Geist der Deutschen Rentenversicherung, die früher im selben neunstöckigen
       Gebäude untergebracht war.
       
       Eine Woche vor der Eröffnung stehen über 100 Kreuzberger:innen aus der
       Nachbarschaft in der geräumigen Kantine der Unterkunft, um sich selbst ein
       Bild zu machen. Man kann sich gut vorstellen, wie
       Sachbearbeiter:innen der Rentenversicherung ihre Tabletts entlang der
       Essensausgabe vor sich her geschoben haben. Künftig sollen hier bis zu 921
       Geflüchtete aus Vietnam, Moldau, Afghanistan, der Türkei und Syrien das
       Gleiche tun können.
       
       ## Ein Willkommensbezirk
       
       Die grüne Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara
       Herrmann, steht mit umgehängter Bauchtasche auf der Bühne in der Kantine.
       Sie macht deutlich, dass es ihr es lieber gewesen wäre, die Geflüchteten
       dezentral statt hier in einer Großunterkunft unterzubringen; der Berliner
       Senat habe aber anders entschieden. Trotzdem sei klar: „Wir sind ein
       Willkommensbezirk für Menschen in Not.“
       
       Die meisten ihrer Zuhörer:innen hier sehen das ähnlich. „Ich glaube
       nicht, dass Integration in solchen Großeinrichtungen funktioniert“, sagt
       Miriam Meyer, die sich selbst für Geflüchtete engagiert. Vor allem die
       [2][sogenannten Willkommensklassen] für junge Geflüchtete innerhalb der
       Unterkunft statt in normalen Schulen halte sie für einen Fehler.
       
       Vor einer Wendeltreppe mit rotem Geländer, die sich in den ersten Stock
       schraubt, stauen sich die Besucher:innen. Ein Mitarbeiter der Einrichtung
       lässt blockweise immer 20 Leute nach oben – eine Mutter mit jammerndem Kind
       auf dem Arm darf noch dazuschlüpfen. Oben, vor einem Pappmodell des
       Gebäudes, erklärt eine Mitarbeiterin, dass in bestimmten Bereichen nur
       Frauen mit Kindern unterbracht würden. Daneben gebe es noch einen
       gemischten Bereich, in dem auch für ganze Familien Platz sei. Eine
       Besucherin fragt, ob sie auch die Unterrichtsräume für die
       Willkommensklassen sehen könne. Die knappe Antwort: „Heute leider nicht.“
       
       Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten und Unterbringung rechnet
       damit, dass Familien maximal sechs Monate in der Unterkunft leben werden.
       In dieser Zeit sollen die Kinder in den Willkommensklassen Deutsch zu
       lernen anfangen und erst später in normale Schulen wechseln. Anfangs
       sollten auch unbegleitete Minderjährige in die Massenunterkunft einziehen,
       was inzwischen aber wieder vom Tisch ist.
       
       Ein Mann Mitte 30, der in der gleichen Straße wohnt, ist sichtlich
       erleichtert. Sein erster Eindruck von der Unterkunft ist: „Es ist alles
       gepflegt, ein bisschen oldschool.“ Er mache sich allerdings gerade bei den
       jüngeren Geflüchteten Sorgen, dass sie wegen der Nähe zum Hermannplatz in
       Neukölln in die Kriminalität abrutschen könnten.
       
       ## Mehr Geld gefordert
       
       Es gibt also selbst im linken Kreuzberg Bedenken, was die
       Geflüchtetenunterkunft angeht. Anders als woanders gibt es hier aber kein
       Bündnis, das sich gegen sie ausspricht, sondern eines dafür: Maxim
       Vanderheyden vom [3][Willkommensbündnis Hasenheide] sagt, es gebe hier im
       Kiez organisierte Kriminalität, das sei kein Geheimnis. Die Geflüchteten
       müssten aber vor ihr geschützt und dürften nicht schon, bevor sie hier
       sind, abgeschrieben werden.
       
       Der Senat habe für die große Zahl an Geflüchteten nicht genügend Geld zur
       Verfügung gestellt, und das spürten die Menschen im Kiez, so Vanderheyden:
       „Wir wünschen uns eine bessere Finanzierung für die Unterkunft.“
       Bezirksbürgermeisterin Herrmann sagt, ihre Verwaltung habe einen Bedarf von
       2 Millionen Euro jährlich für die Betreuung errechnet. Der Senat stelle
       aber nur 400.000 Euro an sogenannten Verstärkungsmitteln für das erste Jahr
       zur Verfügung.
       
       Im ersten Stock, wo die Geflüchteten ab Oktober leben, reiht sich ein
       Zimmer an das nächste. In einem Raum stehen Waschmaschinen und Trockner
       übereinander. Die grünen Duschkabinen im Waschraum sind geräumig und noch
       komplett sauber. So gepflegt wie die Unterkunft vor der Eröffnung ist, so
       leblos und kalt wirkt sie auch. Der Gemeinschaftsraum ist eher spartanisch,
       aber immerhin mit zwei bequemen Stühlen eingerichtet. „Es ist noch ein
       bisschen kahl und noch keine Bilder an der Wand, aber es wird schon“,
       findet eine Besucherin.
       
       14 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Willkommen-in-Kreuzberg/!6212261
 (DIR) [2] /Teske-Schule-in-Schoeneberg/!5426288
 (DIR) [3] https://willkommen-hasenheide.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pascal Maier
       
       ## TAGS
       
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