# taz.de -- Drohnenangriff auf Bürohaus in Kyjiw: „Wir alle sind lebende Ziele für Putin“
       
       > Die russischen Streitkräfte greifen ein Bürogebäude in der ukrainischen
       > Hauptstadt Kyjiw an. Mindestens 7 Menschen sterben bei der
       > Drohnenattacke.
       
 (IMG) Bild: Rettungskräfte im Einsatz nach dem russischen Drohnenangriff auf das Bürohaus
       
       Es war ein ganz normaler Arbeitstag, als eine russische Drohne den
       Parkplatz eines Bürokomplexes in einem beliebten Stadtteil von Kyjiw traf.
       Mehrere Menschen starben. Die meisten von ihnen waren Passanten. Drei
       Leichen liegen auf der Straße vor dem Bürogebäude, Rettungskräfte und
       Sanitäter kümmern sich um die Verletzten. Alle vier Fahrspuren der Straße
       hat die Polizei abgesperrt. Der Asphalt ist mit Glasscherben und
       Metallfragmenten der Drohne übersät. In der Nähe stehen mehrere kaputte
       Autos, einige sind mit Blut befleckt.
       
       „Mein Bruder wollte mich mit dem Auto in der Nähe abholen. Wir
       telefonierten gerade, als es eine Explosion gab. Dann ertönte die Sirene,
       und die Verbindung brach plötzlich ab. Ich war verzweifelt. Ich dachte, er
       wäre ums Leben gekommen“, sagt Anna Dehtiar, 45, Immobilienmaklerin. Ihren
       Bruder findet sie schließlich, verwundet und blutüberströmt, aber am Leben.
       Ein Krankenwagen bringt ihn ins Krankenhaus. „Sein Auto kippte um“, sagt
       sie. „Aber wir hatten Glück.“ Ein 22-jähriger Mann wurde in der Nähe
       getötet, ebenso eine Frau, die gerade zur Bushaltestelle ging. „Wir alle
       hier sind nur lebende Ziele für Putin“, sagt Anna. Ihre Hände zittern.
       
       Immer mehr Menschen treffen am Anschlagsort ein und versuchen
       herauszufinden, was mit ihren Angehörigen passiert ist, die bei „Incom“
       arbeiten, dem großen Geschäftszentrum, das zum [1][Schauplatz der Tragödie]
       geworden ist. Volodymyr Koshevyi, ein Soldat auf Krücken und mit
       Halskrause, kam, um einem verletzten Verwandten zu helfen. Sein Spitzname
       ist „Dancer“.
       
       „Ich bin gerade erst aus dem Osten zurückgekehrt, wo ich verwundet wurde“,
       sagt er. Auf dem Weg ins Krankenhaus hörte er von der Explosion und kam
       sofort her. „Gestern wurden meine Kameraden in Kramatorsk verwundet, heute
       ist es mein Verwandter in Kyjiw. Jetzt ist die Front überall“, sagt der
       Mann, der einen schwarzen Fleecepulli mit einem „Dancer“-Aufnäher auf der
       Brust trägt. „Vor dem Krieg war ich Berufstänzer, aber jetzt muss jeder
       kämpfen. Sie können selbst sehen, dass die Russen nicht aufhören“, sagt er
       und zeigt auf das zerstörte Bürogebäude, aus dem immer noch Rauch
       aufsteigt. „Die Zahl der Todesopfer in der Hauptstadt ist auf sieben
       gestiegen. Bislang wurden 46 Menschen verletzt. 25 der Verletzten werden in
       den Krankenhäusern der Stadt behandelt“, teilte der Kyjiwer Bürgermeister
       Vitali Klitschko über seine offiziellen Social-Media-Kanäle mit.
       
       ## Warnungen und Angriffe hören nie auf
       
       Dies war nicht der erste Angriff des Tages. Der Morgen in Kyjiw begann mit
       einer russischen Drohne, die ein Wohnhaus im Stadtteil Pechersk der
       Hauptstadt traf. Ein 14-jähriger Junge kam ums Leben.„Die Drohne traf die
       Wohnung direkt neben unserer. Es gab keinen Luftalarm, daher schlief mein
       sechsjähriger Sohn zu diesem Zeitpunkt noch. Ich habe meinen Sohn mit
       meinem Körper bedeckt, nur Augenblicke bevor Glasscherben und Fensterrahmen
       auf ihn herabstürzten“, sagt die 51-jährige Olena Dudenko, während sie die
       Hand ihres Sohnes hält. Ihre Wohnung und ihr Auto wurden beschädigt.
       
       „Mein Sohn ist diesen September in die erste Klasse gekommen, aber statt
       Unterricht zu haben, sitzen die Kinder ständig im Schutzraum. Die Warnungen
       und Angriffe hören nie auf. Ich bin 2014 vor dem Krieg in Donezk geflohen,
       und jetzt weiß ich nicht, wohin ich noch fliehen soll“, sagt Olena. Sie
       blickt auf das Gebäude mit dem klaffenden schwarzen Loch in der Fassade.
       
       In diesem Sommer hat sich [2][die Strategie der russischen Angriffe auf
       Kyjiw verändert.] Während die Streitkräfte die Hauptstadt zuvor vor allem
       nachts mit Raketen und Drohnen angriffen, werden nun auch tagsüber
       jetgetriebene Drohnen eingesetzt. Ständiger Luftalaram stört das
       Verkehrssystem von Kyjiw und beeinträchtigt den Betrieb von Schulen,
       Einkaufszentren, Tankstellen und staatlichen Einrichtungen.
       
       25 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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