# taz.de -- Kyjiw rüstet sich für Winter: Vitali Klitschko muss sich gegen Vorwürfe wehren
       
       > Kyjiws Bürgermeister Klitschko kritisiert die ukrainische Regierung
       > scharf. Nun steht er selbst unter Druck – wegen mangelnder Vorbereitungen
       > auf den Winter.
       
 (IMG) Bild: Vitali Klitschko hat einen schwierigen Job in Kyjiw, das ständigen russischen Angriffen ausgesetzt ist
       
       Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko hat sich am Mittwoch vor dem
       ukrainischen Parlament gegen Vorwürfe verteidigt, die Hauptstadt sei
       [1][unzureichend auf den Winter] vorbereitet. Für die Wärme- und
       Wasserversorgung stünden knapp 700 Generatoren, 70 mobile Heizkessel und
       drei Dieselkraftwerke bereit. Zudem verfüge die Stadt über eine alternative
       Wasserentnahmestelle. Schulen und Krankenhäuser seien ebenfalls mit
       Notstromaggregaten ausgestattet, verteidigte sich Klitschko gegen die
       Vorwürfe. Er wiederum griff die Zentralregierung an, die einen Großteil
       zugesagter Gelder nicht an die Stadt Kyjiw überweise.
       
       Klitschko zufolge sind neben Kyjiw auch andere ukrainische Kommunen von der
       Blockade staatlicher Zahlungen betroffen. Dies führe dazu, dass Projekte
       zur Verbesserung der Energieversorgung und zur Absicherung gegen
       Stromausfälle gestoppt oder verzögert würden. Zugleich beklagte er
       zunehmenden Druck. Über Strafverfahren würden Bürgermeister eingeschüchtert
       und die kommunale Selbstverwaltung geschwächt.
       
       Am Dienstag war Klitschko vom Parlament zu einem Rechenschaftsbericht über
       den Stand der [2][Vorbereitungen für den Winter] aufgefordert worden.
       Klitschko, der seit 2014 als drei Mal gewählter Bürgermeister im Amt ist,
       sieht die Einladung im Rahmen einer Kampagne, ihn als Bürgermeister
       loszuwerden. Bereits rund 300 Bürgermeister seien, so Klitschko, aus
       vorgeschobenen Gründen aus dem Amt geflogen. Auszuschließen ist eine
       Entmachtung Klitschkos nicht. Sein Umgang mit den Problemen der Stadt stößt
       in der Bevölkerung auf Kritik.
       
       ## Will man Klitschko loswerden?
       
       Der 22-jährige Maxim arbeitet in einem kleinen Geschäft, in dem man
       Smartphones reparieren kann, auf der Uschynskoho-Straße, unweit des
       Tschokolivskyj-Boulevards weitab vom Zentrum der Hauptstadt. Sein
       Arbeitsplatz ist nicht an das U-Bahn-Netz angebunden. Er glaubt nicht, dass
       es bei den Vorwürfen gegen Bürgermeister Klitschko wirklich um eine
       schlechte Vorbereitung für den Winter geht. Vielmehr, so glaubt er, suche
       man einen Vorwand, einen potenziellen Konkurrenten des Präsidenten
       loszuwerden. „An den Vorwürfen ist was dran“, sagte er der taz. „Sehen Sie
       sich mal die Innenstadt an. Super, wie das alles glänzt. Und kommen Sie
       dann anschließend zu mir in die Uschynskoho-Straße.“ Da sei die Gegend
       verwahrlost.
       
       Und dann sind da noch die zwei Sportplätze. „Zur Schule in der
       Uschynskoho-Straße gehört ein öffentlich zugänglicher Sportplatz.“ Nur
       selten trainieren dort Leute. „Und dann gehen Sie mal 200 Meter weiter,
       dahin, wo die Uschynskoho-Straße an die Donezk-Straße angegrenzt. Da wurde
       letztes Jahr ein neuer wunderbarer zweiter Sportplatz gebaut. Ich frage
       mich: Brauchen wir wirklich zwei Sportplätze in einer Straße?
       Möglicherweise hat sich da jemand noch ein Zubrot erworben.“ Und was ist
       aus den Versprechungen Klitschkos geworden, eine neue U-Bahn zu bauen,
       fragt er sich und antwortet selbst: „Nicht eine einzige neue U-Bahn-Station
       wurde unter Klitschko gebaut.“
       
       Während in der ukrainischen Hauptstadt über die Vorbereitungen für die
       kommende Winterzeit gestritten wird, [3][greift Russland weiter Kyjiw an.]
       In der Nacht zu Mittwoch sind mindestens fünf Menschen getötet und 36
       verletzt worden. Alle drei Heizkraftwerke der Stadt wurden getroffen. In
       Kyjiw kam es zu Notabschaltungen der Stromversorgung.
       
       Auch die Ukraine zerstört die Energieinfrastruktur in den von Russland
       kontrollierten Gebieten. Gegenüber der taz berichtete eine Bewohnerin der
       Hauptstadt, die jede Woche mit ihrer Mutter im russisch besetzten Melitopol
       kommuniziert, dass es in Melitopol nach ukrainischen Angriffen immer wieder
       zu teilweise mehrtägigen Ausfällen der Stromversorgung komme.
       
       14 Oct 2026
       
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