# taz.de -- Treffen am Rande der UN: Wadephul und Lawrow bleiben nach Gespräch uneins
       
       > Ein Handschlag, gut 20 Minuten Gespräch – und grundlegender Dissens:
       > Wadephul trifft in New York erstmals bilateral auf Russlands
       > Außenminister.
       
 (IMG) Bild: Ernste Gesichter: Lawrow und Wadephul in New York
       
       dpa | Inmitten schwerer Spannungen zwischen Deutschland und Russland haben
       sich die Außenminister der beiden Länder erstmals seit Beginn des
       Ukrainekriegs bilateral getroffen. Johann Wadephul (CDU) und Sergei Lawrow
       sprachen in New York am Rande der UN-Generaldebatte gut 20 Minuten
       miteinander. Eine Annäherung zeichnete sich nicht ab.
       
       „Es war ein intensives Gespräch. Natürlich sind wir über wesentliche Punkte
       nicht einig geworden“, sagte der CDU-Politiker dem ZDF nach dem Gespräch.
       Lawrow stellte den Nutzen des Austauschs demonstrativ infrage. Er habe
       nichts gehört, was nicht ohnehin den täglichen öffentlichen Äußerungen
       Berlins entspreche, sagte er auf eine Frage der Deutschen Presse-Agentur in
       New York. Er habe dem deutschen Außenminister gesagt: „Sie hätten mich
       einfach anrufen und mir sagen können ‚Lesen Sie meine Erklärung‘.“
       
       Es ist das erste Gespräch auf dieser Ebene seit dem Beginn des russischen
       [1][Angriffskriegs gegen die Ukraine] 2022. Die damalige Außenministerin
       Annalena Baerbock (Grüne) hatte sich im Januar 2022 mit Lawrow in Moskau
       getroffen. Seitdem waren deutsche und russische Regierungsvertreter zwar
       bei verschiedenen internationalen Treffen gemeinsam vertreten, direkte
       Gespräche auf Außenministerebene blieben jedoch aus.
       
       ## Bedingungen für Rückkehr zu konstruktiverem Verhältnis
       
       Zum Inhalt der Gespräche hieß es aus deutschen Delegationskreisen, Wadephul
       habe Russland [2][zur Deeskalation aufgefordert]. Er habe betont, Vorfälle
       wie der Anschlagsversuch in Leipzig Anfang August oder weitere hybride
       Angriffe würden Deutschlands Entschlossenheit zur Unterstützung der
       angegriffenen Ukraine nicht erschüttern. Sie beeinträchtigten aber das
       [3][ohnehin beschädigte deutsch-russische Verhältnis]. Demnach machte
       Wadephul zugleich deutlich, dass er eine ernsthafte Bereitschaft der
       russischen Führung erwarte, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden.
       
       Deutschland habe das Treffen am Vortag in „letzter Minute“ angefragt, sagte
       Lawrow. Am Rande des UN-Treffens war auch eine andere Version zu hören.
       Lawrow habe der deutschen Seite – übermittelt durch dritte Staaten –
       Gesprächsbereitschaft signalisiert. Die deutsche Seite sei darauf
       zurückgekommen und Wadephul habe erstmals in ein Treffen eingewilligt.
       
       ## Wadephul sieht russische Angriffe auf „neuer Stufe“
       
       Das Treffen in New York fand vor dem Hintergrund anhaltender Bemühungen um
       ein Ende des Ukrainekriegs statt. Wadephul und Lawrow waren wegen der
       Generaldebatte der Vereinten Nationen in der US-Metropole.
       
       Wadephul hatte erst vor wenigen Tagen seine Sorge vor einer weiteren
       Eskalation geäußert. Er warf Russlands Präsident Wladimir Putin angesichts
       zunehmender hybrider Attacken eine Eskalation der Aggression gegen Europa
       vor. „Russlands hybride Angriffe gegen diejenigen, die die Ukraine und das
       Völkerrecht unterstützen, haben eine neue Stufe erreicht“, kritisierte er
       bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats.
       
       Die Bundesregierung macht Russland für einen versuchten Drohnenanschlag am
       Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich und hat einen Sanktionskatalog gegen
       Moskau angekündigt. Dazu gehört die Kündigung des Vertrags für den Betrieb
       des Russischen Hauses in Berlin, das im Verdacht steht, als Kulturinstitut
       getarnt für Spionagezwecke zu dienen. Moskau wies die Vorwürfe zurück und
       kündigte Gegenmaßnahmen an. In der Folge ordnete Russland unter anderem die
       Schließung der Goethe-Institute im Land an.
       
       ## Medwedew: Deutschland hat Bestrafung verdient
       
       Der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedjew,
       erklärte zudem, dass Deutschland sich mit seiner „russlandfeindlichen
       Politik“ eine echte Bestrafung verdient habe. Konkret nannte der
       Ex-Präsident „direkte Schläge“ gegen Rüstungsbetriebe in Deutschland, die
       Militärgüter an die Ukraine liefern.
       
       Deutschland ist wichtigster Unterstützer der Ukraine, die sich seit mehr
       als viereinhalb Jahren gegen den russischen Angriffskrieg verteidigt und
       dafür Geld und Waffen von ihren westlichen Verbündeten erhält. Nachdem die
       USA ihre Unterstützung unter US-Präsident Donald Trump zurückgefahren
       haben, hat die Rolle Europas und insbesondere Deutschlands dabei an Gewicht
       gewonnen.
       
       ## Wadephul: Mit Gegnern muss man verhandeln
       
       Wadephul sagte dem ZDF, er sei von zahlreichen Amtskollegen gebeten worden,
       offen für Gespräche mit Russland zu sein. Die Kollegen hätten geraten,
       „dass man zu irgendeinem Zeitpunkt auch wieder direkt miteinander reden
       muss“. Zudem wolle er nicht, dass die Europäer den Amerikanern den
       kompletten Austausch mit Russland überließen. Selbstverständlich gelte
       weiterhin der Grundsatz, dass man nicht ohne die Ukraine über die Ukraine
       rede, so Wadephul.
       
       In den ARD-„Tagesthemen“ sagte der CDU-Politiker: „Mit Freunden muss man
       nicht verhandeln, mit Gegnern muss man verhandeln.“ Deswegen sei das
       Gespräch sinnvoll gewesen. Es habe zwar kein positives Ergebnis gebracht.
       „Aber allen, die immer wieder sagen, Deutschland muss verhandeln,
       Deutschland muss mal mit Russland reden, denen erwidere ich jetzt: das tun
       wir.“ Russland zeige derzeit „bedauerlicherweise“ keine Bereitschaft in
       eine konstruktive Verhandlungsposition zu gehen, so Wadephul.
       
       ## UN-Vollversammlung kurz vor Ende
       
       Während das überraschende deutsch-russische Treffen für Aufmerksamkeit
       sorgte, ging die UN-Generaldebatte mit zahlreichen Reden weiter.
       Saudi-Arabien nutze den Auftritt dazu, erneut eine gebührenfreie Durchfahrt
       durch die Straße von Hormus zu fordern. Kuba kritisierte die US-Sanktionen
       und militärischen Drohungen Washingtons in Richtung des Landes. China
       präsentierte sich erneut als Fürsprecher des Globalen Südens und einer
       multilateralen Weltordnung.
       
       27 Sep 2026
       
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