# taz.de -- Russische Angriffe auf Saporischschja: Tote und Verletzte unweit der Front
> Im ostukrainischen Saporischschja sind am Wochenende zwei Menschen durch
> russische Drohnen getötet worden. Angegriffen wurden Wohnhäuser und zwei
> Kliniken.
(IMG) Bild: Bei russischen Drohnenangriffen wurden in Saporischschja auch ein Markt und Wohnhäuser zerstört
Meistens ist es ruhig im Zentrum von Saporischschja. In der ostukrainischen
Großstadt hört man deutlich seltener Explosionen als in Kyjiw. In den
frühen Abendstunden kann man hier häufig einen singenden Schlagzeuger
bewundern, der direkt an der Hauptstraße, dem Prospekt Soborni, mit seinen
Drumsticks auf die Felle schlägt. Und ein paar Meter vor ihm tanzen Kinder
dazu. Auch ihre Eltern, die hinter ihnen stehen, haben ihre Freude an der
Musik.
Doch der Schein trügt. Gerade einmal 12 Kilometer weiter südlich, in
Kuschuhum, beginnt die Hölle. Der Ort, in dem vor dem Krieg 7.000 Einwohner
gelebt haben, wird ständig von der russischen Armee angegriffen. Im Januar
haben die Behörden begonnen, Familien mit Kindern aus Kuschuhum zu
evakuieren.
Doch viele hatten die Evakuierung zunächst abgelehnt. Am 22. August wurden
Kuschuhum und das benachbarte Balabyne von sieben gelenkten Fliegerbomben
getroffen. Dabei kamen drei Menschen ums Leben. Im September wurden die
Evakuierungen wegen der zunehmenden Intensität der Angriffe schwieriger.
Aufsehenerregend war der Fall von zwei Frauen aus dem benachbarten
Malokateryniwka, die fast fünf Tage zu Fuß bis Kuschuhum unterwegs waren
und sich dabei vor russischen Drohnen versteckten. Und nur zehn Kilometer
hinter Kuschuhum beginnt die „Null“, wie man in der Ukraine die Front
nennt.
Und auch die Stadt selbst ist bei Weitem nicht sicher. „In meinem Stadtteil
Kosmos“, erzählt eine Passantin, „geht niemand mehr mit seinen Kindern
einfach so auf die Straße.“ Vor allem gegen Abend [1][surren die
FPV-Drohnen] über die Straßen, machen Jagd auf FußgängerInnen. Sie holt
[2][ein Gerät aus der Tasche], das aussieht wie eine größere Pistole. Es
ist ein Drohnenfänger.
Wenn man abdrückt, wirft sich ein Netz wie ein Lasso über die Drohne, auf
die man zielt. Dadurch geht die Drohne in sicherer Entfernung zu Boden.
Doch dieses Gerät kostet 80 Euro und es hat nur einen Schuss.
## Zwei Tote nach russischem Drohnenangriff
Doch solche Geräte gewähren nur sehr bedingt Schutz. Am Samstag zerstörte
eine russische Drohne ein Privathaus, in dem sich eine Familie aufhielt,
vollständig. Rettungskräfte bargen die Leichen zweier Frauen aus den
Trümmern. Ein 45-jähriger Mann und ein vierjähriger Junge erlitten
Verletzungen unterschiedlichen Schweregrades.
Angegriffen wurden die Stadtteile Schewtschenkiwskyi und Oleksandriwskyi.
Dabei wurden insgesamt dreizehn Wohngebäude beschädigt. Neben Wohnhäusern
wurden auch ein städtischer Markt sowie ein Veteranenheim beschädigt.
## Zwei Krankenhäuser durch russische Angriffe beschädigt
Bereits in der Nacht zum Freitag hatte Russland durch einen Drohnenangriff
[3][zwei Krankenhäuser in der Stadt beschädigt]. Aus einem der betroffenen
Krankenhäuser evakuierten Rettungskräfte fünf Menschen. Ein Mann erlitt
nach vorläufigen Angaben leichte Verletzungen. Auch ein zweites Krankenhaus
in Saporischschja wurde getroffen. Dort wurden Räume sowie ein
Rettungswagen und zivile Fahrzeuge beschädigt.
Vor diesem Hintergrund sorgt man sich auch in anderen medizinischen
Einrichtungen. „Ja, wir fürchten natürlich um unsere Klinik“, erklärt der
Ingenieur Serhij Makarenko [4][vom Nephrologischen Zentrum] gegenüber der
taz. Makarenko ist gleichzeitig Mitarbeiter der Klinik und einer der 200
Patienten, die dort dreimal die Woche eine Dialyse erhalten.
## Probleme durch zerstörte Logistik
Aber nicht nur direkte Drohnenangriffe sind eine Gefahr. „Seit der private
ukrainische Post- und Kurierdienstleister Nova Poshta regelmäßig von
russischen Drohnen angegriffen wird, können wir nicht mehr davon ausgehen,
zuverlässig Dialysezubehör zu erhalten“, so Makarenko.
Doch an Aufhören in dieser Zeit denkt niemand. „Wir machen alle unsere
Arbeit. Und die Planungen gehen weiter. Aktuell laufen Planungen für einen
eigenen Brunnen.“ Der Klinik sei es wichtig, nicht mehr auf die städtischen
Wasserwerke angewiesen zu sein. „Hier in Saporischschja sind die
Wasserrohre sehr alt und können nicht annähernd die Qualität liefern, die
wir für die Dialysen brauchen.“ Eigenes artesisches Wasser würde die Arbeit
erleichtern.
27 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernhard Clasen
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